Buzludzha in VR: Das graue bulgarische UFO ist ab sofort virtuell erlebbar.

Wien (OTS) - Europäisches Dokumentationsprojekt MAPS lässt fast vergessene Orte und Bauwerke des 20. Jahrhunderts virtuell wiederaufleben und setzt damit ein digitales Zeichen für die öffentliche Auseinandersetzung mit dem jüngsten kulturellen Erbe.

Seit nahezu vierzig Jahren thront das UFO-artige Buzludzha-Denkmal einsam auf dem Gipfel des Berges Chadschi Dimitar im Herzen Bulgariens. Der Rundbau mit dem pfeilerartigen Aussichtsturm wurde im Jahr 1981 anlässlich der 1.300-Jahr-Feier des Landes mit großer Pracht eröffnet und sollte für Jahrhunderte überdauern. Doch der Lauf der Geschichte nahm eine andere Wendung.

Acht Jahre später gab es erste Risse im Beton. Über Nacht wurde das ungeheure Bauwerk zur steingewordenen Hybris eines dysfunktionalen Systems. Ohne staatliches Interesse am Erhalt des Prunkbaus verfiel dieser vor sich hin – bis heute. Seither übt der apokalyptisch anmutende Ort eine magische Wirkung auf Abenteurer und Vandalen aus. Inzwischen sind die Zugänge des baufälligen Denkmals verschlossen, seit einigen Jahren setzt sich jedoch eine Initiative für die Sanierung ein. Dennoch wird es langsam eng, der Zahn der Zeit nagt immer mehr an der Substanz von Buzludzha.

Das europäische Dokumentationsprojekt MAPS (Mapping & Archiving Public Spaces) hat sich die Bewahrung der in Bauwerken manifestierten ungeliebten Vergangenheit zum Ziel gesetzt und im Zuge dessen ein digitales Abbild des vom Zerfall bedrohten Denkmals erstellt. Nonuments werden die Orte genannt, welche die Gruppe auf diese Art archiviert und gleichsam vor dem drohenden Entschwinden aus dem kulturellen Gedächtnis bewahrt. Das Buzludzha-Denkmal markiert nun den Auftakt der langfristig geplanten Bestandsaufnahme.

Für die Dokumentation, Recherche und Organisation vor Ort in Bulgarien zeichneten der bulgarische Projektpartner House of Humor and Satire aus Gabrovo und das Museum of Transitory Art (MoTA) aus Ljubljana als leitende Institution verantwortlich. Die teilweise mittels Drohnen erfolgte Fotografie der Innen- und Außenräume, den Laser-Scan sowie die terrestrische Photogrammetrie, ein komplexes Vermessungs- und Datenerhebungsverfahren, wurde von einem Team rund um Georgios Artopoulos vom Cyprus Institute (CyI) aus Nikosia bewerkstelligt. In Wien wurden die Daten schließlich bei WH Media, einem Unternehmen der Wien Holding, zu einem digitalen Modell für Virtual Reality-Headsets und Smartphones verarbeitet.

Für Marcin Kotlowski, Geschäftsführer von WH Media, eröffnet das digitale Dokumentationsprojekt neue Perspektiven auf die Vergangenheit und setzt damit ein starkes Signal für die öffentliche Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe der jüngeren Zeitgeschichte: „Orte und Räume digital zu bewahren, eröffnet uns neue Chancen, unser kulturelles Gedächtnis zu erweitern. Mit innovativen Methoden eröffnet das Projekt MAPS eine neue Form der Denkmalpflege. Dank moderner Technologie werden eben jene Bauwerke konserviert und interaktiv erlebbar gemacht, die bisher vergessen, verschwiegen oder verachtet wurden“. Das virtuelle Modell des Buzludzha-Denkmals wird der Öffentlichkeit erstmals am 25. September bei der zeitgenössischen Kunstmesse Parallel Vienna und präsentiert.

Über MAPS

Mapping & Archiving Public Spaces, kurz: MAPS. Der Name des europäischen Kooperationsprojekts ist Programm: Sieben Projektpartner dokumentieren und archivieren fast vergessene Denkmäler, vernachlässigte historische Stätten oder wenig beachtete architektonische Großtaten des 20. Jahrhunderts. Als Nonuments werden diese Orte auf der wachsenden Mitmach-Plattform nonument.org gesammelt und gleichsam dem drohenden Entschwinden aus dem kulturellen Gedächtnis entzogen. Ausgesuchte Objekte sind dank 3D-Scans als virtuell begehbare Räume aus neuen Perspektiven zu erleben.

Projektpartner sind das Museum of Transitory Art (MoTA) aus Ljubljana, WH Media aus Wien, House of Humor and Satire aus Gabrovo, The Cyprus Institute sowie die ARTos Foundation aus Nikosia, Tačka Komunikacije aus Belgrad und CCEA aus Prag. Unterstützt wird das Rechercheprojekt von Creative Europe, dem Kulturförderprogramm der Europäischen Union.

nonument.org

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Jürgen F. Weishäupl
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