- 16.09.2019, 22:00:02
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TIROLER TAGESZEITUNG: Leitartikel vom 17. September 2019 von Christian Jentsch - Neue Munition für die Krieger am Golf
Innsbruck (OTS) - Nach den Angriffen auf saudische Ölanlagen wird das
Kriegsgeschrei am Golf wieder lauter. Doch ein neuer Krieg könnte
nicht nur im Nahen Osten einen Flächenbrand auslösen – mit
unabsehbaren Folgen.
Zuletzt keimte ein zartes Pflänzchen Hoffnung. Die Hoffnung auf eine
Entschärfung der explosiven Stimmung am Golf. Dort üben sich die USA,
Saudi-Arabien, Israel und der Iran seit Monaten im Säbelrasseln. Eine
Konfrontation, in der ein Funken einen Flächenbrand nicht nur in der
Region entfachen kann.
Nachdem sich die Spannungen zwischen dem Iran und den USA seit der
Aufkündigung des Atomdeals seitens Washingtons immer weiter
zugespitzt haben und ein Krieg am Golf regelrecht in der Luft lag,
gab es zuletzt zögerliche Schritte in Richtung Deeskalation. Immer
wieder wurde in den vergangenen Tagen über ein mögliches Treffen von
US-Präsident Donald Trump mit dem iranischen Präsidenten Hassan
Rohani am Rande der UNO-Vollversammlung in New York spekuliert.
Doch nun, nach den Drohnenangriffen auf saudische Ölanlagen, den
folgenden nervösen Zuckungen der Weltwirtschaft und den Drohungen
Washingtons in Richtung Teheran, ist die Hoffnung rasch wieder neuer
Kriegsangst gewichen. Die Angriffe auf die weltweit größten Ölanlagen
sind Munition für die Krieger am Golf – auf allen Seiten. Die
jemenitischen Houthi-Rebellen haben sich am Wochenende zu den
Angriffen bekannt. Als Vergeltung für Militäraktionen der Saudis in
ihrem südlichen Nachbarland. Doch US-Außenminister Mike Pompeo und
andere Mitglieder der US-Regierung machen Teheran für die Angriffe
verantwortlich, was von iranischer Seite heftig bestritten wird. Und
US-Präsident Donald Trump droht mit Vergeltung. Beweise für die
Täterschaft Teherans wurden noch keine vorgelegt.
Im Iran gibt es Kräfte, die den Konflikt mit Saudi-Arabien, den USA
und Israel am Laufen halten wollen, um ihr Überleben zu sichern. Doch
die Revolutionsgarden und die radikalen Kräfte werden durch die
Politik des „maximalen Drucks“ stärker, nicht schwächer. Und im Iran
gibt es auch moderate Kräfte, die im Kriegsgeschrei an die Wand
gedrückt werden.
Kriegstreiber gibt es auch auf der anderen Seite. Die saudische
Politik hat seit der De-facto-Machtübernahme von Kronprinz Mohammed
bin Salman eine riskante Wende genommen. Im Jemen führt Riad einen
äußerst blutigen Krieg und im Konflikt mit dem Iran setzt man auf
Härte. Auch in den USA und Israel verspüren die Falken, die vor einer
militärischen Eskalation nicht zurückschrecken, Rückenwind. Doch ein
neuer Krieg am Golf könnte nicht nur die Golfregion in Brand stecken.
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