TIROLER TAGESZEITUNG: Leitartikel vom 17. September 2019 von Christian Jentsch - Neue Munition für die Krieger am Golf

Innsbruck (OTS) - Nach den Angriffen auf saudische Ölanlagen wird das Kriegsgeschrei am Golf wieder lauter. Doch ein neuer Krieg könnte nicht nur im Nahen Osten einen Flächenbrand auslösen – mit unabsehbaren Folgen.

Zuletzt keimte ein zartes Pflänzchen Hoffnung. Die Hoffnung auf eine Entschärfung der explosiven Stimmung am Golf. Dort üben sich die USA, Saudi-Arabien, Israel und der Iran seit Monaten im Säbelrasseln. Eine Konfrontation, in der ein Funken einen Flächenbrand nicht nur in der Region entfachen kann.
Nachdem sich die Spannungen zwischen dem Iran und den USA seit der Aufkündigung des Atomdeals seitens Washingtons immer weiter zugespitzt haben und ein Krieg am Golf regelrecht in der Luft lag, gab es zuletzt zögerliche Schritte in Richtung Deeskalation. Immer wieder wurde in den vergangenen Tagen über ein mögliches Treffen von US-Präsident Donald Trump mit dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani am Rande der UNO-Vollversammlung in New York spekuliert.
Doch nun, nach den Drohnenangriffen auf saudische Ölanlagen, den folgenden nervösen Zuckungen der Weltwirtschaft und den Drohungen Washingtons in Richtung Teheran, ist die Hoffnung rasch wieder neuer Kriegsangst gewichen. Die Angriffe auf die weltweit größten Ölanlagen sind Munition für die Krieger am Golf – auf allen Seiten. Die jemenitischen Houthi-Rebellen haben sich am Wochenende zu den Angriffen bekannt. Als Vergeltung für Militäraktionen der Saudis in ihrem südlichen Nachbarland. Doch US-Außenminister Mike Pompeo und andere Mitglieder der US-Regierung machen Teheran für die Angriffe verantwortlich, was von iranischer Seite heftig bestritten wird. Und US-Präsident Donald Trump droht mit Vergeltung. Beweise für die Täterschaft Teherans wurden noch keine vorgelegt.
Im Iran gibt es Kräfte, die den Konflikt mit Saudi-Arabien, den USA und Israel am Laufen halten wollen, um ihr Überleben zu sichern. Doch die Revolutionsgarden und die radikalen Kräfte werden durch die Politik des „maximalen Drucks“ stärker, nicht schwächer. Und im Iran gibt es auch moderate Kräfte, die im Kriegsgeschrei an die Wand gedrückt werden.
Kriegstreiber gibt es auch auf der anderen Seite. Die saudische Politik hat seit der De-facto-Machtübernahme von Kronprinz Mohammed bin Salman eine riskante Wende genommen. Im Jemen führt Riad einen äußerst blutigen Krieg und im Konflikt mit dem Iran setzt man auf Härte. Auch in den USA und Israel verspüren die Falken, die vor einer militärischen Eskalation nicht zurückschrecken, Rückenwind. Doch ein neuer Krieg am Golf könnte nicht nur die Golfregion in Brand stecken.

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