- 05.09.2019, 12:23:14
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Rinderzucht Austria: Digitalisierung im Kuhstall - Potenzial ohne Grenzen?
Datenvernetzung und neue Services werden laufend weiterentwickelt
Utl.: Datenvernetzung und neue Services werden laufend
weiterentwickelt =
Wien (OTS) - Digitalisierung ist zurzeit in aller Munde. Wie dazu die
Gegebenheiten in der Landwirtschaft, im Speziellen auf einem
kleinstrukturierten österreichischen Rinderzuchtbetrieb, aussehen,
darüber informierte die Rinderzucht Austria zum Auftakt der Rieder
Messe.
Die Rinderzucht Austria widmet sich verstärkt dem umfassenden
Thema Digitalisierung, denn so wie auch in anderen Branchen wird es
immer essenzieller, die verschiedenen täglichen Arbeiten möglichst
effizient bei Nutzung der elektronischen Möglichkeiten zu erledigen.
In der Rinderwirtschaft ist das Rad der Zeit keineswegs stehen
geblieben, denn auch hier wird die Digitalisierung auf den Höfen
täglich gelebt.
In der Rinderzucht gibt es seit 1960 eine zentrale
Datenverarbeitung, welche die Grundlage für die Zuchtwertschätzung
bildet. Seit 2005 stellt die Rinderzucht Austria den Betrieben über
den LKV-Herdenmanager (vormals RDV4M) Online-Auswertungen über
Tierlisten, Gesundheit, Brunst und vieles mehr zur Verfügung. Apps,
Melkroboter, Sensortechnik sind in den Stall eingezogen und werden
immer mehr genutzt. Die Automatisierung im Stall schreitet mit
rasantem Tempo voran, sie bietet auf der einen Seite viele neue
Chancen und Möglichkeiten, auf der anderen Seite aber auch
Herausforderungen. Die Online-Tools, wie die App des
LKV-Herdenmanagers "RDV-Mobil" oder das Anpaarungsprogramm
"OptiBull", sind hier wichtige Anwendungen und Entscheidungshilfen
für die Betriebsführer/-innen. Im Melk- und Fütterungsbereich hat
sich durch die automatisierten Systeme viel getan, die Nachfrage nach
mehr Auswertungen und Managementhilfen wächst stetig, gleichzeitig
auch der Wunsch nach Reduktion von Daten-Mehrfacheingaben sowie nach
Vernetzung.
Die Rinderzucht Austria setzt sich daher in Zusammenarbeit mit
Wissenschaft und Wirtschaft intensiv mit diesem weitreichenden Thema
auseinander und forscht nach praxisorientierten Lösungen für die
bäuerlichen Betriebe. Hierbei sollen diese Services vom kleinsten bis
zum größten Familienbetrieb zu ihrem Vorteil genutzt werden können.
"Für die Landwirtschaft ist die Datenaufbereitung in der
'RDV-Mobil'-App hinsichtlich Geburt, Milchleistung und
Gesundheitsmonitoring von großer Wichtigkeit. Mit dem elektronischen
Stallbuch 'EMED mobil' ist ein weiterer Schritt in Richtung
Digitalisierung gelungen", berichtet Landwirt Andreas Täubl. Neben
tierärztlichen Diagnosen und Erregerinformationen aus den
bakteriologischen Milchuntersuchungen wird nun mit der
Arzneimittelanwendung in der Produktion ein weiterer Schritt in
Richtung Transparenz, aber auch in der zielgerichteten Anwendung von
Antibiotika gesetzt.
Pilotbetriebe für Digitalisierungsprojekt D4Dairy gesucht
D4Dairy ist derzeit das größte Digitalisierungsprojekt in der
Landwirtschaft in Österreich und auch im internationalen Kontext
Vorreiter mit einer breiten Zusammenarbeit von interdisziplinären
wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Partnern entlang der
Wertschöpfungskette Milch. Darunter sind renommierte
Forschungsgruppen, wie der Complexity Science Hub Vienna mit Prof.
Stefan Thurner (Wissenschafter des Jahres 2017). "Die Zusammenarbeit
der Partner des Konsortiums mit Praktikern ist eine ausgezeichnete
Ausgangsposition für eine von Daten getriebene Forschung sowie für
die Anwendung von fortgeschrittenen Auswertungsmöglichkeiten",
informiert die Konsortialleiterin Christa Egger-Danner.
"Grundsätzlich ist die Datengrundlage beim Rind mit Informationen
über Genom, Diagnosen, Einzeltier, Abstammung - die meist mehr als
fünf Generationen zurückgeht - sowie über verschiedene Umwelt- und
Risikofaktoren sehr umfangreich. Dazu kommen die neuen Daten durch
die digitalen Technologien, wie automatische Melkung, Fütterung und
Tiersensoren. Als Ziel aller dieser Aktivitäten stehen immer einfache
und aussagekräftige Entscheidungshilfen für die Landwirte." Damit die
Praxis sich in diese Entwicklungen entsprechend einbringen kann,
werden Pilotbetriebe gesucht. Mittlerweile haben sich 80
Pilotbetriebe zur Datenlieferung und zum praxisnahen Input
bereiterklärt.
"Das Projekt bringt genau die Partner zusammen, welche die
einfache, effiziente und effektive Nutzung von Daten in der
Landwirtschaft zum Ziel haben - möglichst ohne Zusatzaufwand für die
Anwender/-innen" bringt es Mario Fallast von der Firma smaXtec auf
den Punkt. "Wir freuen uns, auch unsere international gesammelten
Erfahrungen in diesem hochkarätigen Konsortium zum Nutzen
österreichischer Landwirte einsetzen zu können." Das Ziel, dass die
Datenmenge für den Landwirt kompakter und einfacher handzuhaben ist,
sieht auch Kooperationspartner Franz Wasserbauer, Geschäftsleiter bei
Wasserbauer GmbH, die Fütterungssysteme vertreibt. "Immer mehr
Betriebe erreichen eine höhere Digitalisierung im Kuhstall. Es ist
unvermeidbar, dass der Landwirt eine Vielzahl an Daten von
verschiedenen Systemen und Herstellern zur Bearbeitung und
Ausarbeitung bekommt." Hier setzt das Projekt D4Dairy an.
Landwirte wünschen sich verbesserte Datenvernetzung
Österreichweit unterziehen knapp 20.000 Milchkuhbetriebe ihre rund
430.000 Milchkühe alle fünf bis sechs Wochen einer laufenden
Qualitätssicherung und Prozesskontrolle mit einem Gesundheits-Check
zur Überwachung der Tiergesundheit und des Herdenmanagements. Rund
800 Betriebe (ca. 4%) lassen die Melkarbeit von einem Melkroboter
erledigen. "Rückmeldungen aus der aktuellen Mitgliederbefragung
zeigen den großen Wunsch der Landwirte für eine intensivere
Datenvernetzung zwischen den EDV-Systemen der Milchleistungsprüfung
(RDV) und den betrieblichen Systemen am Melkroboter. Ein beidseitiger
automatisierter Datenaustausch soll Doppeleingaben vermeiden, den
Zeitaufwand für die Datenerfassung vor Ort reduzieren und mehr
Service für das Herdenmanagement liefern" spricht Franz-Josef Auer
für den Landesverband für Leistungsprüfung und Qualitätssicherung
(LfL) Oberösterreich. Derzeit arbeitet die RDV GmbH
(Rinderdatenverbund) am Aufbau der neuen Technik. Alle namhaften
Melkroboterfirmen in Österreich sind dabei. Der Landwirt muss zur
Nutzung der neuen Services seine aktive Zustimmung geben.
Die Firma Lely erklärte als erste ihre Teilnahme an dieser
Schnittstelle zum Datenaustausch. Auch die Firma Delaval hat einem
Routinedatenaustauch mit dem Rinderdatenverbund zugestimmt.
"Digitalisierung ist mittlerweile ein Schlagwort geworden, das vom
Landwirtschaftsministerium abwärts groß präsentiert wird. Welche
Möglichkeiten es aber tatsächlich und teilweise schon seit einigen
Jahren speziell in der Tierhaltung gibt und woran noch gearbeitet
wird, möchten wir auf der Rieder Messe zeigen" weist Andreas
Feichtlbauer, Geschäftsführer von Lely, hin.
Die neuen technologischen Möglichkeiten sollen helfen, Tierwohl,
Tiergesundheit, Nachhaltigkeit und Lebensmittelqualität der
österreichischen Milchwirtschaft weiter zu verbessern. "Die
Rinderzucht hat sich in den letzten Jahren durch den Fokus der Zucht
auf die genomische Selektion enorm weiterentwickelt. Die Parameter
wurden hier vor allem auf Tiergesundheit und Fitness gelegt. Wir sind
mit engagierter Forschungstätigkeit dabei, die Landwirte bestmöglich
bei ihren Abläufen und Entscheidungen am Betrieb zu unterstützen und
die Rinderzucht produktions- und wettbewerbsfähig zu erhalten.
Letztendlich geht es darum, die Zucht in bäuerlicher Hand
abzusichern", betont Obmann Stefan Lindner, selbst praktizierender
Milchbauer in Tirol.
Die Rinderzucht Austria ist die freiwillige unabhängige
Interessenvertretung von über 21.500 Rinderzuchtbetrieben mit fast
1,9 Mio. Rindern in ganz Österreich. Die Aufgaben umfassen
Interessenvertretung, Zuchtwertschätzung, Herdebuchführung,
Marketing, Bildung und Forschung. Weitere Informationen stehen unter
www.zar.at bereit. (Schluss)
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