- 21.08.2019, 22:00:01
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 22. August 2019. Von PETER NINDLER. "Die Melkkuh gibt keine Milch mehr".
Innsbruck (OTS) - Das Theater um die Mehrkosten nach der Nordischen
Ski-WM in Seefeld ist eine Schmierenkomödie. Die zusätzlichen
Aufwendungen müssen verursachergerecht aufgeteilt werden, Land und
Bund dürfen nicht die Melkkuh für alle sein.
Es ist eine gefährliche Gratwanderung, wenn die öffentliche Hand zur
Melkkuh des Sports wird. Nichts anderes passiert derzeit im Nachspann
zum nordischen Wintermärchen in Seefeld. Sieben Monate nach der
erfolgreichen Weltmeisterschaft wälzen die Organisatoren die
Mehrkosten von 2,7 Millionen Euro vor sich her oder einfach weg. Dass
sogar eine Kommission von Land und Bund eingesetzt werden muss, um
die Kosten verursachergerecht einzuordnen, macht sprachlos. Und
entzieht künftigen Großveranstaltungen den Boden der notwendigen
Akzeptanz in der Bevölkerung.
Die Politik lässt sich allerdings immer wieder auf dieses Spiel ein,
weil sie gern mit den Siegern um die Wette strahlen und mit ihren
Medaillen mitglänzen möchte. Sport macht mitunter siegestrunken,
locker flockig entfleuchen Politikern deshalb wohlmeinende Aussagen
wie „Wird schon gehen“ oder „Mach’ ma schon“. Das bittere Erwachen
kommt meist später. Wie jetzt in Seefeld oder beim Fußballclub Wacker
Innsbruck, der trotz mangelnder Professionalität Land Tirol und Stadt
Innsbruck über Jahre finanziell übergebührlich beansprucht hat.
Irgendwann ist Schluss, da lassen sich gewisse Gepflogenheiten nicht
mehr rechtfertigen.
Erstaunlich ist jedoch, wie unprofessionell die Seefelder WM-Akteure
ans Werk gehen. Im Nachhinein machen sie sich eine ausgezeichnete
Weltmeisterschaft kaputt und schaden damit möglichen
Sportveranstaltungen in der Zukunft. Was sollen sich die
Mindestpensionisten oder Hackler denken, die jeden Cent dreimal
umdrehen müssen? Stopft ihnen die öffentliche Hand automatisch das
finanzielle Loch, wenn es sich am Ende des Monats einmal nicht
ausgeht? Von der vielzitierten volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
einer Weltmeisterschaft können sie sich nichts abbeißen.
Nicht nur in Tirol, sondern weltweit nimmt die Skepsis gegenüber
Großveranstaltungen zu. Weil dahinter zum einen ohnehin nur
Geschäftemacherei oder Korruption vermutet werden und die
Veranstaltungskosten anfangs generell kleingerechnet werden. Seefeld
dürfte nachhaltig von den öffentlichen Millioneninvestitionen
profitieren, deswegen wäre ein Schlussstrich längst überfällig. Je
länger das Mehrkosten-Theater geht, desto mehr Kredit wird verspielt.
Bereits im Vorfeld mussten die Ausgaben für die WM ständig nach oben
lizitiert werden, folglich verlieren Organisatoren und die Politik
nur noch weiter an Glaubwürdigkeit.
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