• 19.08.2019, 22:00:17
  • /
  • OTS0124

TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel vom 20.August 2019 von Florian Madl - „Erst den Sport gestalten, dann verwalten“.

Innsbruck (OTS) - Österreich bekommt bald den 29. Sportminister der
Zweiten Republik und über Umwege möglicherweise Eiskanal-Bewerbe der
Olympischen Winterspiele 2026. Es gibt viele Ideen, aber wenn es um
Konzepte geht, beginnt man stets bei null.

Nach der Wahl am 29. September ist vor den Koalitionsverhandlungen.
Der letzte Punkt der Agenda: zumeist der Sport, in
Regierungsprogrammen nur am Rande erwähnt, ein Schattenressort und
wechselweise in der Verteidigung, als Staatssekretariat oder im
öffentlichen Dienst beheimatet. Jene kleinen Sportarten, die nicht
Fußball und Skisport heißen, hoffen auf ein baldiges Ende des
politischen Tauziehens und auf die Nominierung eines
Ressortverantwortlichen. Aus welchem Lager der kommt, ist den meisten
egal. Hauptsache, er kümmert sich um ihre Belange, um Projekte und
anstehende Großveranstaltungen.
Österreichs Sport liegt seit dem Abgang von Heinz-Christian Strache
nicht auf Eis, aber viel Bewegungsspielraum hat er nicht. Das war
schon in den vergangenen Jahren so, als sich Norbert Darabos, Ge­rald
Klug, Hans Peter Doskozil und zuletzt Heinz-Christian Strache die
Klinke in die Hand drückten (Übergangslösungen wie derzeit Eduard
Müller sind nicht erwähnt). Stets ging es um Optimierung, um
Entpolitisierung, um den Blick über den Tellerrand hin zu anderen
Leistungsmodellen. Aus Dänemark holte man sich einige Impulse, die
der „Sportnation 4.0“, der „Goldschmiede“ von früher (O-Ton Strache)
helfen könnten. Ehrgeizig waren sie allesamt, die Vorhaben. Und sieht
man von jenen 254.000 Euro ab, die zuletzt in Gratulationsinserate
flossen, ließ sich die Investition auch zumeist rechtfertigen. Ein
Berufssportgesetz soll kommen, Geld aus Online-Wetten lukriert
werden, das Gießkannenprinzip dem Leistungsprinzip weichen, die
Sportstätten von einem Nationalstadion in Wien abwärts evaluiert
werden. Aber das sind Vorhaben, die schon viele Sportminister mehr
oder weniger ernsthaft verfolgten. Viele von ihnen sonnten sich in
einer Flut an heimischen Sportgroßveranstaltungen, im Jahr 2026
könnten auch die Eiskanal-Bewerbe der Olympischen Winterspiele nach
Innsbruck-Igls ausgelagert werden. Eine Bahn in Cortina scheint
derzeit unwahrscheinlich, Tirol böte sich als seriöser Veranstalter
an.
Spitzensport in Österreich lebt, aber eine geordnete Struktur
dahinter findet sich angesichts der politischen Abhängigkeit keine.
Eben das wird die Aufgabe des neuen Vizekanzlers oder
Sportstaatssekretärs, nachdem sich der aufgewirbelte Staub der
Koalitionsverhandlungen gelegt hat. Das Motto muss lauten: Erst kommt
das nüchterne Gestalten, dann das seriöse Verwalten.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel