Greenpeace: Anstieg der CO2-Emissionen durch Tempo 140 wesentlich größer als öffentlich dargestellt

Greenpeace-Analyse der detaillierten Messdaten der von der ASFINAG beauftragten Studien zu Tempo-140-Teststrecken zeigt sachlich äußerst fragwürdige Auswertungsmethode

Wien (OTS) - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat die detaillierten Messdaten der von der ASFINAG beauftragten Studie zu den beiden Tempo-140-Teststrecken analysiert. Dabei zeigt sich ein wesentlich dramatischeres Bild, als bislang medial dargestellt wurde:
Die tatsächliche Zunahme der CO2-Emissionen auf den beiden Teststrecken liegt nicht bei 1,2% bzw. 1,6% wie von den Projektbefürwortern behauptet, sondern bei zumindest 2,5% bzw. 2,6% – im reinen Pkw-Bereich sogar bei 3,5% bzw. 3,6%!

Möglich wurde die Präsentation der scheinbar geringen Zahlen durch eine irreführende Aufsummierung der Messwerte, da die Gesamt-Emissionen der Teststrecken und nicht die Emissionen jener Fahrzeuge betrachtet wurden, die tatsächlich schneller fahren durften. Mehr als 42% der CO2-Emissionen auf den beiden Teststrecken wurden nämlich vom Schwerverkehr (Lkw und Busse) verursacht, für den nach wie vor Tempo 80 gilt. Wenn man die relativ hohen, unveränderten Emissionen des Schwerverkehrs in die Berechnung miteinbezieht, drückt das natürlich die Zunahme der Emissionen bei den schneller fahrenden Pkw und Klein-Lkw anteilig nach unten, wodurch das Problem großteils versteckt wird. „In diesem Kontext nur von 1 bis 2 Prozent Zunahme zu sprechen, ist eine Irreführung der Öffentlichkeit. Das ist so, als würde die Politik den Wehr- und Zivildienst um zwei Monate verlängern und behaupten, dass es für den gesamten Jahrgang ohnehin nur ein Monat sei, da ja die Frauen nicht betroffen sind”, kritisiert Greenpeace-Programm-Manager Volker Plass die Auslegung der Studienergebnisse.

Die von der ASFINAG beauftragte Studie zeigt zudem, dass die beiden Teststrecken zu einer Zunahme der CO2-Emissionen um fast 5.700 Tonnen pro Jahr geführt haben. Würde man Tempo 140 österreichweit auf zwei Drittel aller Autobahnstrecken ausdehnen, würden die CO2-Emissionen aus dem Autoverkehr nach einer vorsichtigen Schätzung von Greenpeace um rund 100.000 Tonnen pro Jahr zunehmen, was etwa zusätzlichen 50.000 Pkw, oder fast der Gesamtzahl der in Innsbruck gemeldeten Autos, entspricht. „Der Verkehr ist das größte Problemfeld der österreichischen Klimaschutz-Politik. In keinem anderen Sektor sind die Emissionen während der letzten Jahre so dramatisch gestiegen wie im Verkehr. Wir müssen um jedes Gramm an CO2-Reduktion kämpfen und haben keinen Spielraum für unnötige Experimente wie Tempo 140!“

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