TIROLER TAGESZEITUNG: Leitartikel vom 31. Juli 2019 von Karin Leitner - Wählervertreibungsprogrammarbeiter

Innsbruck (OTS) - Das Bild, das Freiheitliche via Ibiza von der hiesigen Politik vermittelt haben, ist hässlich.
Vertreter der anderen Parteien tragen aber nichts dazu bei, es zu verschönern.
Einen kurzen Wahlkampf geloben sie. Einen, in dem es um die Sache geht, um einen Wettstreit der Ideen. Einen, in dem nicht versucht wird, den anderen nieder-, um sich selbst groß zu machen. Einen ohne Dreck und Tricks. So ist das vor jeder Nationalratswahl, ergo auch vor der jetzigen.
Auch diesmal wird nicht eines dieser Versprechen eingelöst. Offizieller Wahlkampfstart im September hin oder her – seit dem Tag, an dem die ÖVP-Übergangsregierung Geschichte war, wird um Zuspruch gebuhlt. Würde mit Verve argumentiert, warum das eigene Konzept – von den Themen Umwelt bis zu Wohnen – besser ist als jenes der Polit-Konkurrenten, wäre das angebracht. Jeder Wähler hätte genügend Zeit, zu prüfen, welches seinen Vorstellungen am nächsten kommt. Derartige Informationen werden aber nicht geliefert – sofern sie nicht Medien wie die Tiroler Tageszeitung begehren (siehe Seite 3 zur Causa Pflege).
Tagaus, tagein trachten die einen, die anderen als miese Truppe darzustellen – charakterlos, verschlagen. Die Türkisen – nun in der Opferrolle wie seit jeher die Blauen – klagen, sie würden von allen angeschwärzt. Zuvorderst von den Roten. Diese kontern, die ÖVP trage nur eines stets mit sich – einen mit Schmutz gefüllten Kübel. Ob der Intensität dieser Verbalschlacht könnte man glauben, die publik gewordenen Schreddereien hatten nur einen Zweck: sich davor zu schützen, dem anderen Festplatten um die Ohren zu hauen.
Vertreter der übrigen Parteien sagen zwar, wie unwürdig sie all das finden, mischen aber kräftig mit – hoffend, dass sich Wähler wegen der Verhaltensauffälligkeiten zweier ehemaliger Regierungspartner von diesen ab- und ihnen zuwenden.
Ja, es gilt genau zu schauen, wer wann was getan hat oder tut, es gilt zu differenzieren. Ja, Pauschalierungen sind schlecht. Blaue haben mit dem auf Ibiza zur Schau Gestellten aber ein Vorurteil vieler zu einem Urteil werden lassen: dass Politiker keine Guten sind. Und Repräsentanten anderer Parteien tragen nicht dazu bei, das zu widerlegen. Schon jetzt sind Bürger angewidert. Es sieht aber nicht danach aus, dass die Stimmenfänger vom politischen Hauen und Stechen lassen. Je näher es zum 29. September geht, desto heftiger wird es werden.
Schade, dass in Parteizentralen anscheinend an nichts so akribisch gearbeitet wird wie an einem Wählervertreibungsprogramm.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung
0512 5354 5101
chefredaktion@tt.com

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001