• 23.07.2019, 08:15:01
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  • OTS0013

Volle Ambulanzen und steigende Aggressionsbereitschaft wegen Ärztemangels

Wiener Bevölkerung seit 2010 um 200.000 Personen gestiegen – Ärztezahl im selben Zeitraum in KAV-Spitälern und im niedergelassenen Kassenbereich zurückgegangen

Utl.: Wiener Bevölkerung seit 2010 um 200.000 Personen gestiegen –
Ärztezahl im selben Zeitraum in KAV-Spitälern und im
niedergelassenen Kassenbereich zurückgegangen =

Wien (OTS) - Das im Zuge der Messerattacke auf einen Wiener
Spitalsarzt vom Krankenanstaltenverbund (KAV)angekündigte
„Maßnahmenbündel mit Risikoanalyse und Sicherheitschecks“ in allen
KAV-Einrichtungen wird von der Wiener Ärztekammer grundsätzlich „als
erster Schritt“ begrüßt. „Das allein wird allerdings nicht
ausreichen“, gibt Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres zu bedenken.
„Wir brauchen mehr Ärztinnen und Ärzte in Wien, sowohl in den
Spitälern als auch im niedergelassenen Kassenbereich – darin liegt
der Kern des Problems.“ ****

Seit 2010 ist die Bevölkerung Wiens um 200.000 Personen gewachsen,
das entspricht einer Stadt wie Linz. Die Zahl der Spitalsärzte in
KAV-Einrichtungen ist im gleichen Zeitraum aber zurückgegangen. 2010
gab es in den KAV-Häusern (exklusive Pflegeeinrichtungen) 3.532
Ärztinnen und Ärzte, im Jahr 2018 waren es um exakt 30 weniger
(3.502). Im niedergelassenen Kassenärztebereich ist die Anzahl der
Ärztinnen und Ärzte seit 2010 sogar um 100 zurückgegangen.

Laut Szekeres sind die Ambulanzen und Ordinationen dementsprechend
voller, die Wartezeiten länger, „und damit steigt die physische und
psychische Belastung der Ärztinnen und Ärzte, wie auch aller anderen
im Gesundheitsbereich beschäftigten Personen“. Denn zusätzlich zum
Ärztemangel in Wien ist auch ein genereller Personalmangel bei
Gesundheitsberufen insbesonders im Pflegebereich zu beobachten. Als
eine weitere negative Folge dieser Entwicklung nehme auch das
Aggressionspotential mancher Patientinnen und Patienten zu, was sich
an der steigenden Zahl an verbalen und auch körperlichen Übergriffen
gegenüber Mitarbeitern von Gesundheitseinrichtungen zeige.

Allein für die Wiener KAV-Spitäler fordert Wolfgang Weismüller,
Obmann der Kurie angestellte Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer
für Wien, „mindestens 300 zusätzliche Ärztinnen und Ärzte, um den
gestiegenen Arbeitsaufwand durch mehr Patientinnen und Patienten
halbwegs abdecken zu können“. Mehr Ärztinnen und Ärzte in den
Krankenhäusern bedeuteten für die Patientinnen und Patienten
geringere Wartezeiten und damit für alle auch ein geringeres Risiko
für Aggressionen.

Dass der KAV erst einen dramatischen Anlassfall für eine
Situationsanalyse benötige, sei beschämend, „weil die Situation schon
lange bekannt ist und wir seit Jahren auf das Missverhältnis zwischen
immer weniger Ärztinnen und Ärzten und immer mehr Patientinnen und
Patienten hinweisen“, so Weismüller. Von der Ärztekammer ist eine
Umfrage zu Gewalt im Gesundheitsbereich aktuell am Laufen, deren
Ergebnisse in Kürze präsentiert werden. Weismüller: „Wir werden dann
auch entsprechende Maßnahmen setzen und Forderungen an die Stadt Wien
sowie den KAV richten.“ Darunter könnten etwa Sicherheitschecks und
mehr Securitypersonal in von Gewalt besonders betroffenen Ambulanzen
fallen, „Notfallknöpfe" wie in Banken sowie der Appell an die
Bundespolitik, den Strafrahmen bei Angriffen auf Mitarbeiter im
Gesundheitsbereich generell zu erhöhen.

Entlastung durch allgemeinmedizinische Ambulanzen

Als eine weitere Maßnahme fordert die Ärztekammer die Einrichtung
von allen Wiener KAV-Spitälern vorgelagerten allgemeinmedizinischen
Ambulanzen (AMA). Derzeit gibt es eine solche nur im Wiener AKH, die
jährlich in etwa 20.000 Patientinnen und Patienten betreut und damit
die AKH-Notfallaufnahme spürbar entlastet. Organisiert wird diese AMA
im AKH vom Ärztefunkdienst der Ärztekammer für Wien – der bereit
wäre, die Organisation solcher Einrichtungen auch in anderen
Spitälern zu übernehmen.

Für den Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsidenten
der Ärztekammer für Wien, Johannes Steinhart, sind solche
vorgelagerten allgemeinmedizinische Ambulanzen „ein wichtiger
Schritt, um die Notfallaufnahmen in den Spitälern zu entlasten“.
Darüber hinaus soll der gemeinsam eingeschlagene Weg zur Entlastung
der Spitalsambulanzen, insbesondere in den Fächern Allgemeinmedizin,
Kinder- und Jugendheilkunde, Gynäkologie und ab nächstem Jahr in der
Augenheilkunde unbedingt weitergeführt werden. Steinhart: „Weitere
Projekte und deren Finanzierung werden derzeit gemeinsam zwischen der
Gemeinde Wien, der WGKK und der Ärztekammer diskutiert und
hoffentlich schon im Herbst beschlossen.“ (bs)

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