• 03.07.2019, 10:03:12
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  • OTS0047

Geldpolitische und aufsichtliche Maßnahmen der letzten Jahre führten zur Stärkung der Finanzmarktstabilität

Präsentation des 37. Financial Stability Report der OeNB

Utl.: Präsentation des 37. Financial Stability Report der OeNB =

Wien (OTS) - Die geldpolitischen Maßnahmen der EZB haben die
Refinanzierungskosten im Euroraum deutlich gesenkt. Die fokussierte
Arbeit der Bankenaufsicht der OeNB hat die Finanzmarktstabilität in
Österreich in den vergangenen Jahren gestärkt. Gleichzeitig haben die
heimischen Banken 2018 ihre Gewinne weiter steigern können. Die zu
erwartende konjunkturelle Abkühlung sowie der fortschreitende Wandel
der Geschäftsmodelle der Banken bringen allerdings weiterhin
Herausforderungen mit sich.

„Die unkonventionellen Maßnahmen der Geldpolitik haben zur
Stabilisierung des Bankensystems und seiner gesamtwirtschaftlichen
Funktion beigetragen. Sie haben die Refinanzierungskosten der Banken
reduziert und die Weitergabe der niedrigen Zinsen an die
Realwirtschaft gefördert, allerdings auch die Risikoneigung der
Investoren erhöht“, sagte Gouverneur Ewald Nowotny anlässlich der
Präsentation der 37. Ausgabe des Financial Stability Report der
Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). Anfang Juni hat der EZB-Rat
beschlossen, die erste Zinsanhebung frühestens im zweiten Halbjahr
2020 vorzunehmen, da derzeit geopolitische Risiken den
Konjunkturausblick trüben und die Inflation im Euroraum auch in den
nächsten Jahren unter dem Preisstabilitätsziel verharren wird.

Nach Jahren des starken Wachstums bremste das schwächer werdende
internationale Umfeld Österreichs Konjunktur. Ungeachtet einer
Verlangsamung in der zweiten Hälfte 2018 hat das Wirtschaftswachstum
die Ertragskraft der österreichischen nichtfinanziellen Unternehmen
weiterhin unterstützt. Die Innenfinanzierung als wichtigste
Finanzierungsquelle blieb dadurch auf dem hohen Niveau der letzten
Jahre, wohingegen sich die Außenfinanzierung im Jahr 2018 – trotz
attraktiver Konditionen aufgrund des niedrigen Zinsniveaus – mehr als
halbiert hat. Während andere Formen der Verschuldung rückläufig
waren, wurde die Kreditvergabe durch österreichische Banken
allerdings ausgeweitet. Die jährliche Wachstumsrate der
Unternehmens-kredite österreichischer Banken erreichte in den ersten
Monaten des Jahres 2019, getragen von der Kreditvergabe an
Unternehmen aus dem Immobilienbereich, sogar den höchsten Wert seit
mehr als zehn Jahren. Analog dazu waren Wohnbaukredite der
Haupttreiber bei Haushalts-krediten, wobei es zu einer leichten
Ausweitung bei der Vergabe kam. Insgesamt stieg die Verschuldung der
Unternehmen und Haushalte moderat und blieb unter dem jeweiligen
Euroraum-Durchschnitt (bezogen auf deren Einkommen). Gestiegene
Gewinne und Einkommen verbesserten die Schuldentragfähigkeit der
Unternehmen und Haushalte, wozu auch die niedrigen Zinsen aufgrund
des immer noch hohen Anteils an variabel verzinsten Krediten einen
positiven Beitrag leisteten. Während die Kreditnehmenden zurzeit von
niedrigen Zinszahlungen profitieren, sind sie jedoch einem
erheblichen Zins(änderungs)risiko ausgesetzt.

„Seit der Einrichtung des Finanzmarktstabilitätsgremiums (FMSG) vor
fünf Jahren haben makroprudenzielle Maßnahmen die Widerstandskraft
des österreichischen Bankensektors weiter gestärkt“, führte
Vize-Gouverneur Andreas Ittner aus. Trotz der Erfolge der Aufsicht
bleiben Herausforderungen für die Zukunft bestehen. Die
Hypothekarkreditvergabe erfordert weiterhin eine strenge
aufsichtliche Beobachtung, da die Zinsen für Immobilienkredite
weiterhin fallen, das Kreditwachstum stark bleibt und die
Wohnimmobilienpreise weiter ansteigen. Außerdem weist ein nicht
vernachlässigbarer Anteil der neuvergebenen Kredite keinen adäquaten
Anteil an Eigenmitteln auf, und der Schuldendienst im Verhältnis zum
Schuldnereinkommen steigt. In diesem Zusammenhang weist die OeNB
erneut auf die FMSG-Erwartungshaltung bezüglich nachhaltiger
Immobilien-Kreditvergabestandards hin, deren Einhaltung sie momentan
evaluiert.

Dank höherer Erträge und historisch niedriger Risikokosten haben die
österreichischen Banken ihren konsolidierten Gewinn im Jahr 2018
neuerlich gesteigert. Die operative Kosteneffizienz blieb aber
weiterhin schwach. Die Reduktion notleidender Kredite und das
beschleunigte Kreditwachstum führten zu einer verbesserten
Kreditqualität der Portfolios, sowohl in Österreich als auch in
Zentral-, Ost- und Südosteuropa (CESEE). Aufgrund eines Anstiegs der
risikogewichteten Aktiva und einer Verdoppelung der
Dividendenausschüttungsquote kam es trotz des ertragreichen Jahres zu
einem leichten Rückgang der Kapitalquote des österreichischen
Bankensektors.

Anhaltend geringe Renditen im Zuge des Niedrigzinsumfelds bleiben
eine Herausforderung für den Versicherungssektor, insbesondere bei
Lebensversicherungen. So verschlechterte sich die Profitabilität des
gesamten Sektors im Jahr 2018. Die Eigenmittelausstattung der
österreichischen Versicherungsunternehmen ist aber hoch und liegt im
europäischen Durchschnitt.

Da sich für die kommenden Jahre eine Wachstumsverlangsamung
abzeichnet, sollten die österreichischen Banken danach trachten, ihre
Risikotragfähigkeit weiter zu stärken. Die OeNB empfiehlt den Banken
im Lichte der genannten Entwicklungen und im Hinblick auf die
Stärkung der Finanzmarktstabilität,

• die Sicherung einer nachhaltigen Profitabilität durch weitere
Effizienzsteigerungen, um die Kapitalisierung weiter zu erhöhen
(insbesondere der Großbanken) und damit zukünftige Kreditrisken aus
dem starken Kreditwachstum tragen zu können,
• die Anwendung nachhaltiger Kreditvergabestandards bei
Immobilienkrediten durch Einhaltung der Erwartungshaltung des
Finanzmarktstabilitätsgremiums,
• die Entwicklung und Umsetzung geeigneter Strategien zum Umgang mit
Herausforderungen im Zusammenhang mit IT/Digitalisierung,
• die weitere Reduktion der notleidenden Kredite (v. a. in CESEE)
sowie
• die weitere Einhaltung der aufsichtlichen Mindeststandards zu
Fremdwährungs- und Tilgungsträgerkrediten sowie des
Nachhaltigkeitspakets.

Der halbjährlich in englischer Sprache erscheinende Financial
Stability Report der OeNB analysiert finanzmarktstabilitätsrelevante
Entwicklungen in Österreich und im internationalen Umfeld sowie
Spezialthemen im Zusammenhang mit der Finanzmarktstabilität.

Weitere Informationen dazu finden Sie unter:
http://www.oenb.at/Publikationen/Finanzmarkt/Finanzmarktstabilitaetsb
ericht.html

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