- 24.06.2019, 22:00:02
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Dienstag, 25. Juni 2019, von Florian Madl: "Es sah nur nach einem Triumph aus"
Innsbruck (OTS) - Die Bekanntgabe eines Rekordsponsorvertrags konnte
die Diskussion um die olympische Bewegung nicht beenden. Für die
Winterspiele 2026 fanden sich endlich europäische Bewerber, für 2030
scheint die ewige Suche weiterzugehen.
Als gestern in Lausanne noch nicht einmal über den Schauplatz der
Olympischen Winterspiele 2026 abgestimmt worden war, floss im
Hauptquartier des IOC bereits Milch und damit auch Honig: Ein
Rekordvertrag über jeweils drei Olympische Sommer- und Winterspiele
spülte drei Milliarden Dollar in die Kassen der weltgrößten
Sportinstitution und so manche Diskussion vorab vom Tisch. Dass ein
chinesischer Milch-Konzern mit einer registrierten Niederlassung in
der Steueroase Cayman Islands Geld auf den Tisch legt, mag eine
Randnotiz sein. Aber sie befeuert die Skepsis derjeniger, die dem
Internationalen Olympischen Komitee aufgrund historisch angehäufter
Unzulänglichkeiten Misstrauen entgegenbringen. Ein weiterer Kniefall
vor den Mächtigen dieser Welt, lautet die Kernbotschaft für Kritiker.
Dass gestern Abend schließlich Stockholm und Mailand/Cortina um
den Zuschlag für Winter-Olympia 2026 ritterten, feiert das IOC
ebenfalls als Etappensieg. Dass zuvor Graubünden, Innsbruck, Sion,
Calgary, Graz, Sapporo und das selbstbewusste türkische Erzurum erst
gar nicht angetreten waren, vergisst man geflissentlich. Bei den
Winterspielen in Pyeongchang (Südkorea/2018) wurden Journalisten
zuvor seltene Termine mit IOC-Funktionären gewährt, um die
Werbetrommel zu rühren. Die Botschaft: Wir zahlen alles, eure
Heimatländer müssten nur Winterspiele ausrichten und ökologisch
möglichst vertretbar die Infrastruktur bereitstellen. Die Realität:
Wenn dann Felsen oder gar halbe Berge weichen sollten, müsste man
darüber reden. Selbst dort, wo sich Olympische Winterspiele aufgrund
von Tradition und bestehenden Sportstätten anbieten würden
(Innsbruck), verlor die Bevölkerung den Glauben. Volksbefragungen
brachten die Stimmungslage zum Ausdruck, nicht so in Schweden und
Italien: Dort hatte man auf Referenden verzichtet.
Was also ist davon zu halten, dass sich das Internationale
Olympische Komitee mit der Agenda 2020 einer Selbstbeschränkung
verschrieb? Nicht viel, denn die olympische Sinnkrise könnte
auswegloser nicht sein. Zu lange wurde im Kolonialherrenstil Gewinn
gemacht, um Austragungsorte wie Athen oder Rio danach im Chaos
versinken zu lassen. Organisatoren und selbstverliebte Funktionäre
nutzten die Bühne, um sich nach Räumung der reichen Gabentische
wieder zu verziehen. Ein Wortspiel: Verziehen wird dem IOC vorerst
nichts.
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