- 24.06.2019, 09:58:44
- /
- OTS0036
Cyberkriminalität 2: Sicherheitslücken in telemedizinischen Anwendungen
Gefahr der direkten Manipulation der Geräte durch unbefugte Personen
Utl.: Gefahr der direkten Manipulation der Geräte durch unbefugte
Personen =
Wien (OTS) - „Um mit der neuen Generation von Geräten, die am
„Internet der Dinge“ hängen, zu arbeiten, bedarf es neben der
entsprechenden Ausbildung auch eines technischen Grundwissens und der
notwendigen Ausstattung“, erklärt IT-Experte Cornelius Granig.
Aufgrund von Ressourcenbeschränkungen in Bezug auf Speicher, Batterie
und Rechenleistung haben sich demnach gerade internetbasierte Geräte
als schwieriger zu schützen herausgestellt. ****
Neben dem Risiko des Datendiebstahls besteht durch
Sicherheitslücken in telemedizinischen Anwendungen auch das Risiko
von direkter Manipulation der Funktionsweise solcher Geräte durch
unbefugte Personen. „Daraus können nicht nur Gesundheitsprobleme für
die betroffenen Patienten resultieren, sondern auch
Rechtsstreitigkeiten und finanzielle Sanktionen“, warnt Granig.
Sicherheitsschwachstellen können gemäß Granig mannigfaltige
Ursachen haben, die nicht nur in der Komplexität und Heterogenität
derartiger Systeme liegen, sondern auch im unzureichenden Management
von Software-Updates und dem Umgang mit bekannten
Software-Schwachstellen, speziell für den Zeitraum zwischen deren
Bekanntwerden und der Auslieferung der Fehlerbehebung.
Das gilt auch für komplexe medizinische Diagnosegeräte, wie
Computer- oder Magnetresonanztomografen, deren Integrität innerhalb
von Netzwerken ständig überprüft werden muss. „Wir haben dazu das
Forschungsprojekt MedAI ins Leben gerufen, dessen Ziel die
Entwicklung einer neuen Generation von Schutzsoftware für all diese
Geräte ist, um deren Manipulierbarkeit und das illegale Entwenden von
Daten zu verhindern“, sagt Granig.
Sicherheitstipps für Ärzte
Um Ärztinnen und Ärzten, aber auch Patienten, im Umgang mit
Gesundheitsdaten zu helfen, hat Granig ein Konzept mit zehn
Sicherheitstipps entwickelt. Neben allgemein gültigen Regeln wie der
Vorsicht beim Umgang mit persönlichen Daten und Fotos, der Verwendung
sicherer Passwörter sowie dem regelmäßigen Einsatz von
Schadsoftware-Scannern und Updates finden sich dabei auch
Empfehlungen, die für Granig bereits eine „intensivere Beschäftigung
mit der Materie“ erfordern.
„Wichtig ist, dass ein einmal bekannt gewordenes Datenleck auch
umgehend überprüft wird“, empfiehlt Granig. Mit unentgeltlich im
Internet verfügbaren Tools ist es einfach und schnell möglich
abzufragen, ob eine E-Mail-Adresse schon einmal Teil eines Datenlecks
war. In puncto Passwörter fordert Granig den Einsatz von
Zwei-Faktor-Authentifizierungen, die bereits von vielen Anwendungen
angeboten werden.
Auch sollten nur dem Arzt oder der Ärztin bekannte USB-Sticks
an Arbeitscomputern verwendet werden, denn USB-Sticks würden sich, so
Granig, „bestens eignen, um Computer mit Schadsoftware zu
infizieren“.
Schlussendlich empfiehlt Granig, Verschlüsselungstechnologien für
Ordinationswebseiten sowie Arbeitsfestplatten und -USB-Sticks zu
verwenden, um die Sicherheit zu erhöhen. Dasselbe gelte für das
E-Mail-System, denn für Granig gilt hier der alte Spruch: „Jedes
Schrifterl ist ein Gifterl“ – besonders bei der Verwendung von nicht
verschlüsselten E-Mails, die einfach von Unbefugten mitgelesen oder
entwendet werden könnten.
Ordination top, Krankenhaus flop
„Unsere Ärztinnen und Ärzte in den Ordinationen sind immer besser
ausgestattet, um in der digitalen Welt zu bestehen“, ergänzt dazu
Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres. Allein um neue digitale Tools,
wie die E-Medikation, die derzeit in Wien ausgerollt wird, sicher
verwenden zu können, „wird in den Ordinationen derzeit technologisch
entsprechend aufgerüstet“.
Jedoch sei es bei diesen von der Sozialversicherung zur Verfügung
gestellten Tools „nicht alleinige Aufgabe der Ärzteschaft, für
Sicherheit zu sorgen, berichtet Szekeres. Beispielsweise würde es für
Szekeres weiterhin Probleme mit dem elektronischen
Kommunikationsservice eKOS geben. Szekeres: „Wir können derzeit den
Einsatz von eKOS aufgrund zahlreicher Schwachstellen, die aus unserer
Sicht umgehend behoben werden müssen, aktuell nicht empfehlen. Auch
gibt es eine vollkommen unklare datenschutzrechtliche Dimension, die
noch geklärt werden muss.“
Während es in den Ordinationen besser aussieht, zeichnet sich
derzeit eine schwierige Situation in Wiens Krankenhäusern ab.
„Aufgrund der großen Dynamik der Digitalisierung müssen Unternehmen
alle zehn bis 15 Jahre ihre wichtigen IT-Systeme modernisieren. Diese
Projekte stehen derzeit in vielen österreichischen Krankenhäusern
erst am Anfang. Bei diesen Projekten sollte gleich mehr Augenmerk auf
die Cyber Security gelegt werden kann, sodass die neuen Programme
nicht nur einfacher und schneller zu bedienen, sondern auch
wesentlich sicherer im Betrieb sind“, sagt Granig, der auch
Krankenhäuser bei ihren Modernisierungsprojekten berät.
In einer von der Ärztekammer kürzlich geführten Umfrage zur
Infrastruktur in den Wiener Spitälern zeigten sich 53 Prozent der
Spitalsärzte, also mehr als die Hälfte, mit der IT-Ausstattung am
Arbeitsplatz unzufrieden. „Das Ergebnis der Umfrage war eindeutig:
Die Infrastruktur der in die Jahre gekommenen IT muss erneuert und
anwenderfreundlich gemacht werden“, fordert Szekeres und erneuert die
Ärztekammerforderung nach einer Infrastrukturmilliarde für Wiens
Spitäler, damit diese „sich am neuesten Stand der Technik
wiederfinden und sowohl Ärztinnen und Ärzte als auch Patienten darauf
sicher zugreifen können.“ (ast)
(Schluss)
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NAW






