• 24.06.2019, 09:57:31
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Ärztekammer warnt vor Cyberkriminalität in der Medizin

„Darknet“ als Ausgangsort für digitale Angriffe - Plattform für Verkauf gestohlener Daten

Utl.: „Darknet“ als Ausgangsort für digitale Angriffe - Plattform
für Verkauf gestohlener Daten =

Wien (OTS) - Die Cyberkriminalität ist auch in Österreich auf dem
Vormarsch. Jüngste Datenerhebungen legen dar, dass kriminelle
Handlungen im Internet zunehmen und auch vor dem Gesundheitsbereich
nicht Halt machen. Vor allem das sogenannte „Darknet“, ein besonders
gut abgeschotteter Bereich im Netz, dient als Ausgangsort für
digitale Angriffe, da dort Verschlüsselung und Anonymisierung
garantiert werden und heimliche Marktplätze als Plattformen für den
Verkauf gestohlener Daten dienen. ****

Die Grenzen zwischen der „echten“ und „virtuellen“ Realität
verschwinden nach und nach. Der technische Fortschritt hat dazu
geführt, dass elektronische und internetfähige Geräte immer kleiner
und leistungsfähiger werden.

Trotz der vielen Möglichkeiten, die diese Entwicklungen bieten,
entstehen damit vor allem auch für die Ärzteschaft viele Risiken und
Herausforderungen. Neben potenziellen technischen Problemen bei Soft-
und Hardware ist auch die kriminelle Komponente, die in diesem
Bereich Einzug hält, zu berücksichtigen. „Patienten- und
Gesundheitsdaten müssen einen besonderen Stellenwert haben, denn
Gesundheitsdaten sind sehr persönliche, besonders sensible Daten“,
warnt Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres.

„Wenn man die Kriminalitätsstatistiken über die letzten Jahre
vergleicht, kann man in Österreich einen noch stärkeren Anstieg der
Cyberkriminalität beobachten“, erklärt Cornelius Granig,
IT-Sicherheitsexperte und Geschäftsführer des Beratungsunternehmen
WGM Health Care Services GmbH. 2017 stieg demnach die einschlägige
Kriminalitätsrate um etwa 28 Prozent im Vergleich zum Jahr davor,
2018 war der Anstieg mit knapp 17 Prozent im Vergleich zu 2017 für
Granig „noch immer mehr als besorgniserregend“.

„In Deutschland betrug der Anstieg von 2017 auf 2018 acht Prozent,
und auf die Einwohnerzahl gerechnet gibt es dort mehr Straftaten im
Bereich der Computerkriminalität als in Österreich“, vergleicht
Granig die Zahlen mit Österreichs größtem Nachbarn. Nach Schätzungen
des Bunds Deutscher Kriminalbeamter liegt dabei die Dunkelziffer bei
90 Prozent, da nur ein Bruchteil der Straftaten angezeigt wird oder
viele der Betroffenen gar nicht merken, dass sie Opfer einer Straftat
geworden sind.

Technikeinsatz nimmt zu

Vor allem im Gesundheitswesen würde gemäß Granigs Studien die
vernetzte beziehungsweise vernetzende Technik immer stärker Einzug
halten, und zwar nicht nur in Krankenhäusern sowie bei
niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten – in Österreich etwa durch die
Einführung der Elektronischen Gesundheitsakte ELGA –, sondern auch
bei Patienten, wo eine Vielzahl von smarten Geräten im Fitnessbereich
sowie für telemedizinische Zwecke zum Einsatz kommen.

„Während diese Geräte im Regelfall in der Hand gehalten oder am
Körper getragen werden, gibt es in der Medizin auch eine Entwicklung
zu einer immer stärkeren Integration von Geräten in den menschlichen
Körper, wie beispielsweise in der Form von eingepflanzten
Herzschrittmachern, Insulinpumpen oder intelligenten Kontaktlinsen“,
führt Granig weiter aus.

Auf der einen Seite würden solche computergestützten Geräte der
Überwachung und damit auch der Optimierung der eigenen Gesundheit
über die konstante Sammlung diverser Vitalwerte und deren
regelmäßiger Auswertung dienen, auf der anderen Seite eröffneten
diese zusätzlichen Daten auch neue Möglichkeiten in der Behandlung,
vor allem im Bereich der Analyse, Diagnostik und Therapie chronisch
Kranker.

Viele dieser Geräte sind mit dem „Internet der Dinge“ verbunden
und stellen eine Angriffsmöglichkeit für Kriminelle dar, wenn sie von
den Benutzern nicht als vollwertige, von außen beeinflussbare
Computersysteme wahrgenommen, regelmäßig überprüft und
Softwareupdates eingespielt werden.

Dazu kommt noch ein weiterer wichtiger Aspekt: Durch die
Verwendung solcher Geräte und mittels neuer Verfahren entstehen sehr
große Datensammlungen. „Insbesondere im zukunftsträchtigen Bereich
der personalisierten Medizin oder Präzisionsmedizin, also der
Abstimmung von Behandlungsmethoden auf das individuelle genetische
Profil eines Patienten, spielen große Datenmengen, und da vor allem
die Daten über die Genomsequenzierung, eine bedeutende Rolle. Die
Speicherung solcher Daten muss mit höchster Sorgfalt durchgeführt und
möglichem Missbrauch durch unautorisierten Handel mit diesen Daten
vorgebeugt werden“, betont Granig. (ast)

(Forts.)

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