Ärzte warnen vor Unterversorgung in der Opioid-Substitutionstherapie

Informationsveranstaltungen und Vernetzungsaktivitäten sollen Ärztemangel entgegensteuern

Wien (OTS) - Der Opioid-Substitutionstherapie in Österreich drohen die Ärztinnen und Ärzte auszugehen. Davor warnen die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) und die Österreichische Gesellschaft für arzneimittelgestützte Behandlung von Suchtkrankheit (ÖGABS). Sie haben deshalb die Initiative „Eine neue Chance“ ins Leben gerufen und wollen damit Ärztinnen und Ärzte ansprechen und dazu motivieren, sich verstärkt in der Opioid-Substitutionstherapie zu engagieren. ****

Zur Vorbereitung der Initiative wurden 159 Allgemeinmediziner befragt, die bereits das Substitutionsdiplom besitzen, es aber derzeit nicht einsetzen. 48 Prozent haben dabei angegeben, dass sie sich vorstellen könnten, Opioid-Substitution anzubieten, wenn sie besser mit anderen substituierenden Ärztinnen und Ärzte und Einrichtungen vernetzt wären. 43 Prozent würden bei einer Vereinfachung der bürokratischen Abwicklung und 42 Prozent bei mehr Informationen über, oder besserer, juristischer Absicherung bereit sein, in der Behandlung zu arbeiten.

Dementsprechend setzt „Eine neue Chance“ bei Information, Vernetzung und Beratung an. Laut dem Leiter des Referats für Substitutionsangelegenheiten der ÖÄK, Norbert Jachimowicz, ist eine Roadshow mit Informationsveranstaltungen zu der mittlerweile verbesserten rechtlichen Situation für substituierende Ärztinnen und Ärzte geplant. Ein Buddy-System soll zudem den Einstieg und die Praxisorganisation erleichtern, Vernetzungsaktivitäten sollen die regionale Zusammenarbeit stärken.

Chronische Erkrankung in vielfacher Ausprägung

Die Opioid-Substitutionstherapie bedeutet den Ersatz von illegal gebrauchten Opioiden durch ärztlich verordnete Medikamente. Dies ermöglicht den Patientinnen und Patienten, ihre Abhängigkeit unter Kontrolle zu bringen und sich wieder anderen Aspekten und Facetten ihres Lebens zu widmen. Indem die Substanz, von der eine Abhängigkeit besteht, ärztlich verordnet und über Apotheken bezogen wird, wird eine stabile Basis zur Wiederherstellung einer Normalität geschaffen, abseits von illegalen Machenschaften und Handlungen im Verborgenen.

Dabei sind Menschen mit einer Abhängigkeit von Opioiden oft durch zusätzliche Erkrankungen belastet, die entweder schon vor der Suchterkrankung bestanden haben, wie Depressionen, Angststörungen oder Posttraumatische Belastungsstörungen, oder erst im Laufe der Abhängigkeit erworben wurden (Hepatitis C, COPD, HIV-Infektion, Endokarditis et cetera). Auf diesen Umstand wies der 1. Vorsitzende der ÖGABS und ärztliche Leiter der Suchthilfe Wien, Hans Haltmayer, hin.

Opiatabhängigkeit sei damit eine chronische Erkrankung, die in unterschiedlicher Ausprägung und von unterschiedlicher Intensität die Betroffenen über Jahrzehnte, nicht selten ein Leben lang, begleite und vor große Herausforderungen stelle. Damit werde aber deutlich, wie wichtig es sei, so viele Menschen wie möglich mit einer Abhängigkeit von Opioiden in Behandlung zu bringen und diese so lange wie nötig in Behandlung zu halten, so Haltmayer.

Niederschwelliger Zugang zur Substitutionstherapie

Auf die notwendige gute hausärztliche Anbindung verwies Alfred Springer, 2. Vorsitzender der ÖGABS. Die gute hausärztliche Anbindung sei insofern von großer Wichtigkeit, als Patientinnen und Patienten durch die Erfolge der Opioid-Substitutionstherapie immer älter würden. „In Wien beispielsweise sind 46 Prozent der Patientinnen und Patienten älter als 40 Jahre und 20 Prozent älter als 50 Jahre.“ Dazu komme, dass durch suchtbedingte Stressfaktoren und die oftmals sehr belastenden Lebensumstände eine biologische „Voralterung“ um fünf bis zehn Jahre bestehen könne, betont Springer.

Diese Patientinnen und Patienten und ihre Beschwerden zu behandeln, sei jedenfalls eine „sehr erfüllende ärztliche Tätigkeit“ und biete Ärztinnen und Ärzten die Möglichkeit, Suchtmedizin, klassische Hausarztmedizin und Sozialmedizin „in einer spannenden und medizinisch herausfordernden Form zu vereinen“.

Ähnlich argumentiert auch Martin Schaffenrath als Vertreter der Österreichischen Gesundheitskasse. Seiner Meinung nach müsse der Zugang zur Substitutionstherapie mit Opioiden möglichst hürdenlos und niedrigschwellig erfolgen. „Somit spielen die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in dieser Frage eine wichtige und versorgungsrelevante Rolle.“ Die Sozialversicherung unterstütze daher die Initiative „Eine neue Chance“, um so „einen Beitrag zu leisten, junge Mediziner für die niedergelassene Versorgung zu gewinnen“. (hpp)

(S E R V I C E – Alle Aktivitäten und aktuellen Termine sind auf der Website www.eine-neue-chance.at ersichtlich.)

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Dr. Hans-Peter Petutschnig
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