- 11.06.2019, 10:46:21
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Ärzte warnen vor Unterversorgung in der Opioid-Substitutionstherapie
Informationsveranstaltungen und Vernetzungsaktivitäten sollen Ärztemangel entgegensteuern
Utl.: Informationsveranstaltungen und Vernetzungsaktivitäten sollen
Ärztemangel entgegensteuern =
Wien (OTS) - Der Opioid-Substitutionstherapie in Österreich drohen
die Ärztinnen und Ärzte auszugehen. Davor warnen die Österreichische
Ärztekammer (ÖÄK) und die Österreichische Gesellschaft für
arzneimittelgestützte Behandlung von Suchtkrankheit (ÖGABS). Sie
haben deshalb die Initiative „Eine neue Chance“ ins Leben gerufen und
wollen damit Ärztinnen und Ärzte ansprechen und dazu motivieren, sich
verstärkt in der Opioid-Substitutionstherapie zu engagieren. ****
Zur Vorbereitung der Initiative wurden 159 Allgemeinmediziner
befragt, die bereits das Substitutionsdiplom besitzen, es aber
derzeit nicht einsetzen. 48 Prozent haben dabei angegeben, dass sie
sich vorstellen könnten, Opioid-Substitution anzubieten, wenn sie
besser mit anderen substituierenden Ärztinnen und Ärzte und
Einrichtungen vernetzt wären. 43 Prozent würden bei einer
Vereinfachung der bürokratischen Abwicklung und 42 Prozent bei mehr
Informationen über, oder besserer, juristischer Absicherung bereit
sein, in der Behandlung zu arbeiten.
Dementsprechend setzt „Eine neue Chance“ bei Information,
Vernetzung und Beratung an. Laut dem Leiter des Referats für
Substitutionsangelegenheiten der ÖÄK, Norbert Jachimowicz, ist eine
Roadshow mit Informationsveranstaltungen zu der mittlerweile
verbesserten rechtlichen Situation für substituierende Ärztinnen und
Ärzte geplant. Ein Buddy-System soll zudem den Einstieg und die
Praxisorganisation erleichtern, Vernetzungsaktivitäten sollen die
regionale Zusammenarbeit stärken.
Chronische Erkrankung in vielfacher Ausprägung
Die Opioid-Substitutionstherapie bedeutet den Ersatz von illegal
gebrauchten Opioiden durch ärztlich verordnete Medikamente. Dies
ermöglicht den Patientinnen und Patienten, ihre Abhängigkeit unter
Kontrolle zu bringen und sich wieder anderen Aspekten und Facetten
ihres Lebens zu widmen. Indem die Substanz, von der eine Abhängigkeit
besteht, ärztlich verordnet und über Apotheken bezogen wird, wird
eine stabile Basis zur Wiederherstellung einer Normalität geschaffen,
abseits von illegalen Machenschaften und Handlungen im Verborgenen.
Dabei sind Menschen mit einer Abhängigkeit von Opioiden oft durch
zusätzliche Erkrankungen belastet, die entweder schon vor der
Suchterkrankung bestanden haben, wie Depressionen, Angststörungen
oder Posttraumatische Belastungsstörungen, oder erst im Laufe der
Abhängigkeit erworben wurden (Hepatitis C, COPD, HIV-Infektion,
Endokarditis et cetera). Auf diesen Umstand wies der 1. Vorsitzende
der ÖGABS und ärztliche Leiter der Suchthilfe Wien, Hans Haltmayer,
hin.
Opiatabhängigkeit sei damit eine chronische Erkrankung, die in
unterschiedlicher Ausprägung und von unterschiedlicher Intensität die
Betroffenen über Jahrzehnte, nicht selten ein Leben lang, begleite
und vor große Herausforderungen stelle. Damit werde aber deutlich,
wie wichtig es sei, so viele Menschen wie möglich mit einer
Abhängigkeit von Opioiden in Behandlung zu bringen und diese so lange
wie nötig in Behandlung zu halten, so Haltmayer.
Niederschwelliger Zugang zur Substitutionstherapie
Auf die notwendige gute hausärztliche Anbindung verwies Alfred
Springer, 2. Vorsitzender der ÖGABS. Die gute hausärztliche Anbindung
sei insofern von großer Wichtigkeit, als Patientinnen und Patienten
durch die Erfolge der Opioid-Substitutionstherapie immer älter
würden. „In Wien beispielsweise sind 46 Prozent der Patientinnen und
Patienten älter als 40 Jahre und 20 Prozent älter als 50 Jahre.“ Dazu
komme, dass durch suchtbedingte Stressfaktoren und die oftmals sehr
belastenden Lebensumstände eine biologische „Voralterung“ um fünf bis
zehn Jahre bestehen könne, betont Springer.
Diese Patientinnen und Patienten und ihre Beschwerden zu
behandeln, sei jedenfalls eine „sehr erfüllende ärztliche Tätigkeit“
und biete Ärztinnen und Ärzten die Möglichkeit, Suchtmedizin,
klassische Hausarztmedizin und Sozialmedizin „in einer spannenden und
medizinisch herausfordernden Form zu vereinen“.
Ähnlich argumentiert auch Martin Schaffenrath als Vertreter der
Österreichischen Gesundheitskasse. Seiner Meinung nach müsse der
Zugang zur Substitutionstherapie mit Opioiden möglichst hürdenlos und
niedrigschwellig erfolgen. „Somit spielen die niedergelassenen
Ärztinnen und Ärzte in dieser Frage eine wichtige und
versorgungsrelevante Rolle.“ Die Sozialversicherung unterstütze daher
die Initiative „Eine neue Chance“, um so „einen Beitrag zu leisten,
junge Mediziner für die niedergelassene Versorgung zu gewinnen“.
(hpp)
(S E R V I C E – Alle Aktivitäten und aktuellen Termine sind auf
der Website www.eine-neue-chance.at ersichtlich.)
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