- 06.06.2019, 12:57:58
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Börse für landwirtschaftliche Produkte in Wien feiert 150-jährigen Bestand
Dietrich: Die Börse lenkt den Geschäftsverkehr in geordnete Bahnen
Utl.: Dietrich: Die Börse lenkt den Geschäftsverkehr in geordnete
Bahnen =
Wien (OTS) - Die Börse für landwirtschaftliche Produkte in Wien
feiert ihren 150-jährigen Bestand. Sie wurde 1869 als unter der
Leitung und Verwaltung ihrer Mitglieder stehende autonome Institution
gegründet. Sie entstand aus der Notwendigkeit heraus, den Handel mit
Getreide als eines der wichtigsten Nahrungsmittel in geregelte Bahnen
zu lenken, als Warenbörse. Ihre Kernaufgaben sind seither, so
Börsepräsident Josef Dietrich beim Festakt im 1890 errichteten
Börsegebäude in der Wiener Taborstraße, "den Geschäftsverkehr mit
unentbehrlichen Usancen zu regeln, deren Einhaltung mit einem gut
funktionierendem Schiedsgericht zu gewährleisten und mit den
wöchentliche Notierungen der Preise tatsächlich physisch gehandelter
Waren für Transparenz zu sorgen". Sektionsleiter Johannes Fankhauser
vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit, das gemeinsam mit dem
Wirtschaftsressort die Börseaufsicht ausübt, stellte stellvertretend
für Ministerin Maria Patek die Frage, "welche Organisation kann schon
auf 150 Jahre zurückblicken und hat dabei so enorm viel
weitergebracht, insbesondere in den letzten Jahrzehnten? Die Börse
ist ein stabiler Faktor, dass sich der Getreidebereich erfolgreich
entwickeln konnte. Sie ist ein moderner Dienstleister und schafft
Transparenz". Aus Anlass ihres Jubiläums wird die Wiener
Produktenbörse am 17. und 18. Oktober 2019 in Wien die 59.
Europäische Warenbörse ausrichten, zu der, so der Europäische
Börsepräsident Matthé Vermeulen in seinen Gratulationsworten, 3.000
Besucher erwartet werden.
Die Europäische Warenbörse ist der 1961 gegründete Zusammenschluss
von 38 Warenbörsen aus Europa und der Türkei. Sie veranstaltet
jährlich von ihren Mitgliedern ausgerichtete Börsetage als Plattform
des persönlichen Kontakts für die Beteiligten entlang der
Wertschöpfungskette, begonnen von der Landwirtschaft über Getreide-
sowie Futtermittelhandel, Verarbeitung und auch Logistik. "Die
persönliche Begegnung ist unverzichtbar. Das Gespräch und die
vertrauensvolle Beziehung sind nach wie vor Basis für dauerhafte
Geschäftsbeziehungen", betonte auch Dietrich. Die Wiener
Produktenbörse bietet dazu bei den wöchentlichen Notierungssitzungen
sowie bei der seit 14 Jahren jeweils am ersten Freitag im September
in Wien zusammenkommenden Internationalen Donaubörse Gelegenheit.
Wien habe es bestens geschafft, sich als Fixpunkt im europäischen
Börsenkalender und Drehscheibe für Handel und Logistik zu etablieren,
so Vermeulen. Die Wiener Börse habe es in den 150 Jahren seit ihrer
Gründung immer geschafft, die Wünsche ihrer Mitglieder zu erfüllen
und könne bis heute die Früchte ihrer Tätigkeit ernten. Er
unterstrich dabei die Bedeutung des Standortes Wien für das steigende
Interesse aus Mittel- und Osteuropa an den Leistungen der
Warenbörsen.
Zentrales Interesse der Staaten an Versorgungssicherheit als
Motiv für Gründung der Börse
Zu den Motiven der Gründung der Wiener Produktenbörse betonte
Dietrich das "zentrale Interesse von Staaten und Regierungen an
Versorgungssicherheit". Mangel habe in der Geschichte wiederholt zu
Unruhen und Auseinandersetzungen geführt. Dem sei im Laufe der
Jahrhunderte abwechselnd durch staatliche Lenkung oder durch
Liberalisierung der Märkte begegnet worden. In einer Ära schlechter
Ernten und hoher Preise Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die nach der
Freigabe des Handels von Getreide auf der Basis des Austausches von
Mustern an sogenannten "wilden Börsen" die Notwendigkeit geregelter
Bahnen dafür erkannt und die Gründung der Börse vorangetrieben. "Seit
dem EU-Beitritt Österreichs sind die Märkte wieder liberalisiert und
alle Produkte frei handelbar. Dies stellt die Notwendigkeit und
Wichtigkeit unserer Börse neuerlich unter Beweis", so Dietrich.
Er hob dabei vor allem die Pflege der Usancen - "je klarer wir
regeln, desto geringer ist der Verhandlungsbedarf" - und die
Schiedsgerichtsbarkeit hervor. Die objektiv und rasch zustande
kommenden Urteile des Wiener Börseschiedsgerichts, ihre
Inappellierbar- und unmittelbare Vollstreckbarkeit bescherten dieser
Einrichtung immer mehr Zuspruch in Mittel- und Osteuropa - auch bei
Nichtmitgliedern.
Tradition und Wandel hätten das Geschäft in den vergangenen
eineinhalb Jahrhunderten geprägt, so der Börsepräsident, und würden
dies auch weiterhin tun. So plant die Börse unter anderem, ihre
Notierungstätigkeit hinkünftig auch auf Bioprodukte auszudehnen.
Nachhaltigkeitsministerium starker Partner der Börse mit Fokus
nach vorne
Fankhauser bekräftigte, das Nachhaltigkeitsministerium sei ein
starker Partner der Börse mit nach vorne gerichtetem Fokus. Er nannte
den Klimawandel, die gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) sowie
Herkunft und Regionalität als drei der Zukunftsthemen seines Hauses.
Zur Anpassung der Getreidebranche an den Klimawandel habe das Ressort
mit starker finanzieller Unterstützung das Projekt der Züchtung
klimafitter Sorten angestoßen, denn: "Wir hatten im letzten Jahrzehnt
in Mitteleuropa kein Durchschnittsjahr mehr." Zudem forciere das
Ministerium mit einer Erhöhung der Prämienzuschüsse auf 55% und einem
Aufwand von 80 bis 90 Mio. Euro die Eigenvorsorge mit
Elementarversicherungen. "Da haben wir noch weiter Luft nach oben und
werden die Angebote nachschärfen", so der Ministeriumsvertreter.
Zur aktuell in Diskussion stehenden Neugestaltung der GAP für die
Jahre 2021 bis 2027 erläuterte Fankhauser, die Vorschläge der
Europäischen Kommission enthielten dieselben Maßnahmen wie bisher,
außer dass den Mitgliedstaaten bei der Umsetzung mehr Subsidiarität
eingeräumt werden solle und Fragen im Zusammenhang mit der
Ökologisierung der 1. Säule sowie den bestehenden Instrumenten der
Cross Compliance und des Greenings geklärt werden müssten. Er verwies
aber auf den Worst Case, dass das neu gewählte Europäische Parlament
aber den Vorschlag der Kommission noch als Ganzes zurückweisen könne.
Realistisch sei, dass man sich erst 2020 in der EU über den
budgetären Rahmen einigen könne und die neue GAP-Periode erst nach
einem oder mehreren Übergangsjahren starte. Die GAP sei mit einem
jährlichen Finanzvolumen von 1,6 bis 1,7 Mrd. Euro ein "zentrales
Projekt für die heimische Branche", aber "bei Weitem noch keine
gemähte Wiese", betonte Fankhauser unter anderem mit Hinweis darauf,
dass die Kommissionsvorschläge eine 15%ige Kürzung der Mittel für
Österreich aus der 2. Säule enthielten.
Schließlich nehme sich das Ministerium weiterhin intensiv den
Zukunftsthemen Herkunft und Regionalität an. Diese würden in Zukunft
"eine Selbstverständlichkeit für Erfolg am Markt" werden, hätten aber
auch noch viel Luft nach oben. Fankhauser appellierte an die Branche,
Herkunft und Regionalität intensiver zu nutzen und gemeinsam zu
entwickeln. (Schluss)
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