• 21.05.2019, 09:49:12
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  • OTS0054

Robuste Inlandsnachfrage verhindert stärkere Wachstumsabschwächung

Ergebnisse des OeNB-Konjunkturindikators vom Mai 2019

Utl.: Ergebnisse des OeNB-Konjunkturindikators vom Mai 2019 =

Wien (OTS) - Österreichs Wirtschaft hat aufgrund der internationalen
Konjunkturabkühlung an Schwung verloren. Ein robuster privater Konsum
und kräftige Wohnbauinvestitionen verhindern derzeit aber eine
stärkere Wachstumsabschwächung. Die Oesterreichische Nationalbank
(OeNB) erwartet für das zweite Quartal 2019 ein Wachstum des realen
BIP von 0,3 Prozent (gegenüber dem Vorquartal). Gegenüber der letzten
Prognose vom Februar wurde die Wachstumserwartung leicht um 0,1
Prozentpunkte zurückgenommen. Für das dritte Quartal 2019 wird
infolge der sich abzeichnenden Erholung der internationalen
Konjunktur mit einer leichten Wachstumsbeschleunigung auf 0,4 Prozent
gerechnet.

Das internationale Konjunkturumfeld hat sich in den vergangenen
Quartalen deutlich eingetrübt. Der Handelskonflikt der USA mit China,
die anhaltend schwierige Konsensfindung des britischen Parlaments
über die Umsetzung des Brexit und die unklare wirtschaftspolitische
Ausrichtung in wichtigen EU-Mitgliedstaaten haben zu einem hohen
Ausmaß an Unsicherheit geführt. Die Wachstumsabschwächung in China,
die zyklische Abschwächung des Welthandels und Probleme bei der
Umsetzung der neuen KFZ-Abgasnormen haben der exportorientierten
europäischen Sachgütererzeugung zugesetzt.

Das reale BIP-Wachstum im Euroraum fiel im ersten Quartal 2019 mit
+0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal zwar überraschend kräftig aus,
dazu haben aber temporäre Faktoren wesentlich beigetragen. Da sich
die Schwierigkeiten der europäischen Automobilindustrie dauerhafter
als ursprünglich erwartet erweisen, wird für das zweite Quartal
wieder mit einem schwächeren Wachstum gerechnet. Zuletzt gab es
jedoch erste Anzeichen für eine Stabilisierung der internationalen
Konjunktur zur Jahresmitte. Das vom ifo-Institut erhobene
Weltwirtschaftsklima hat sich im zweiten Quartal – getrieben von
optimistischeren Erwartungen für die kommenden Monate bei einer
gleichzeitig etwas schwächeren Einschätzung der aktuellen Lage –
verbessert. Auch aus Deutschland kamen zuletzt positive Nachrichten
von den Exporten und der Industrie- und Bauproduktion.

Die stark exportorientierte österreichische Wirtschaft kann sich
diesem schwierigen Umfeld nicht entziehen. Das Wachstum der
Güterexporte hat sich in den letzten Monaten abgeschwächt – ein
Trend, der sich laut den jüngsten Ergebnissen des
OeNB-Exportindikators im zweiten Quartal fortsetzen wird. Die
Auslandsauftragseingänge wurden von den Unternehmen zuletzt jedoch
ausgehend von einem niedrigen Niveau wieder etwas besser beurteilt
und signalisieren eine mögliche Trendwende zur Jahresmitte hin. In
weiterer Folge sollte die sich abzeichnende Stabilisierung der
internationalen Konjunktur der Exporttätigkeit wieder Impulse
verleihen.

Die Sachgütererzeugung hat im Einklang mit der Exportabschwächung im
Verlauf des Vorjahrs deutlich an Schwung verloren. Die Daten für das
erste Quartal 2019 liefern jedoch gemischte Signale. Während es zu
einem leichten Rückgang der Wertschöpfung in diesem Bereich kam,
entwickelte sich die Industrieproduktion in den ersten beiden Monaten
dieses Jahres dynamisch. Die rückläufige Auftragslage deutet jedoch
darauf hin, dass von der Industrie in den kommenden Monaten keine
nennenswerten Impulse ausgehen werden. Dies zeigt sich auch in einer
nachlassenden Dynamik der Ausrüstungsinvestitionen, vor allem im
Bereich der Fahrzeuginvestitionen. Der Dienstleistungssektor
entwickelt sich hingegen ungebrochen dynamisch. Während in den
letzten drei Jahren knapp die Hälfte des BIP-Wachstums von der
Industrie getragen wurde, ist der Dienstleistungssektor seit
Jahresmitte 2018 die tragende Säule der österreichischen Konjunktur.
Sowohl die ausländische als auch die heimische Nachfrage nach
Dienstleistungen entwickeln sich robust.

Der Wachstumsmotor ist gegenwärtig die Inlandsnachfrage, die sich auf
eine kräftige Wohnbautätigkeit und eine stabile private
Konsumnachfrage stützt. Die bereits in den letzten beiden Jahren sehr
dynamischen Wohnbauinvestitionen gewannen im ersten Quartal nochmal
an Schwung. Die Wohnbautätigkeit dürfte im Verlauf des Jahres 2019
ihren Höhepunkt erreichen und sollte sich dann – ausgehend von
historischen Höchstständen – langsam abschwächen. Darauf deuten
sowohl die nachlassende Dynamik der Bevölkerungsentwicklung als auch
die im Vorjahr rückläufigen Baubewilligungen hin.

Der private Konsum wird durch ein weiterhin kräftiges
Beschäftigungswachstum, steigende Reallöhne und die Einführung des
Familienbonus gestützt. Die Anzahl der offenen Stellen steigt
weiterhin, die nachlassende Konjunkturdynamik lässt jedoch
mittelfristig eine Abschwächung des Beschäftigungswachstums erwarten.

Aufgrund der stabilen Inlandsnachfrage erwartet die OeNB, dass die
österreichische Wirtschaft im zweiten Quartal mit der gleichen
Dynamik wie im ersten Quartal (+0,3 Prozent) wächst. Die sich
abzeichnende Stabilisierung der internationalen Konjunktur sollte im
dritten Quartal zu einer leichten Wachstumsbeschleunigung auf 0,4
Prozent führen.

Gegenüber der letzten Prognose vom Februar wurde die
Wachstumserwartung für das zweite Quartal um 0,1 Prozentpunkte
zurückgenommen. Die Risiken der vorliegenden Kurzfristprognose sind
nach unten gerichtet.

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