Tag der Pflege: Korosec fordert Pflegelehre und Ausbau mobiler Dienste

Dem kommenden Mangel an Fachpersonal bei Pflege und Betreuung muss unbedingt gegengesteuert werden. Nur so können pflegende Angehörige entlastet werden.

Derzeit entscheidet der Wohnort stark, was sich zu betreuende Menschen und ihre Angehörigen leisten können. Beschäftigt man beispielsweise eine Heimhilfe, variiert die Anzahl der leistbaren Stunden bei Pflegestufe 3 und 1200 Euro Pension je nach Bundesland um mehr als das Doppelte. Es ist höchste Zeit, dem einen Riegel vorzuschieben.
Ingrid Korosec, Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes

Wien (OTS) - „Pflege ist ein wichtiges, wenn nicht das bedeutende Thema, das uns in den kommenden Jahren beschäftigen wird“, mahnt Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec anlässlich des Tags der Pflege am kommenden Sonntag, 12. Mai. „Bei dieser Gelegenheit möchte ich all jenen, die sich in der Pflege engagieren, meinen herzlichen Dank für ihre großartigen und wichtigen Leistungen aussprechen.“

Insbesondere dürfe nicht auf pflegende Angehörige vergessen werden, die den Großteil der Betreuung übernehmen, betont sie. „84 Prozent aller zu Pflegenden werden zuhause betreut, davon etwa zwei Drittel auch ohne die Zuhilfenahme mobiler Dienste. Aber nicht nur die zu betreuenden Menschen, auch Angehörige werden immer älter und können sich weniger selbst um Verwandte kümmern. Die Betreuung durch Fachkräfte in mobilen oder stationären Diensten bis hin zur 24-Stunden-Betreuung wird so mehr und mehr unumgänglich.“

Einheitliche Leistungen und Pflegelehre

Die von der Regierung angekündigte Pflegereform müsse hier unbedingt Schwerpunkte setzen, um pflegende Angehörige zu entlasten „und das besser heute als morgen“, so Korosec. Dazu fordert sie etwa den Ausbau mobiler Dienste und eine Erhöhung des Pflegegeldes auf allen Stufen. Noch wichtiger sei aber eine bundesweite und transparente Angleichung der Pflegeleistungen und Angebote. „Derzeit entscheidet der Wohnort stark, was sich zu betreuende Menschen und ihre Angehörigen leisten können. Beschäftigt man beispielsweise eine Heimhilfe, variiert die Anzahl der leistbaren Stunden bei Pflegestufe 3 und 1200 Euro Pension je nach Bundesland um mehr als das Doppelte. Es ist höchste Zeit, dem einen Riegel vorzuschieben.

„Am Dringendsten ist jedoch die Attraktivierung des Pflegeberufs an sich. Unzählige Studien belegen, dass wir in den kommenden Jahren mehr als das doppelte des aktuellen Personalstands an Pflegekräften brauchen werden. Bis 2030 werden das zusätzliche 24.000 Stellen, im Jahr 2050 sogar 80.000 benötigte Zusatzkräfte sein“, betont Korosec. Für Pflege- und Betreuungskräfte will sie nicht nur bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen, sondern fordert auch einen eigenen Lehrberuf für Pflege. Interessierte Jugendliche sollen diese mehrjährige Ausbildung bereits ab dem 15. Lebensjahr beginnen können, „sonst verlieren wir diese jungen Menschen an andere Berufszweige“, sagt sie.

„Die ersten ein bis zwei Lehrjahre sollten sich der Theorie widmen. So wird sichergestellt, dass Jugendliche ein genaues Bild des Pflegeberufs haben, bevor sie mit Patientinnen und Patienten in Kontakt treten. Außerdem würde dies die EU-weite Richtlinie erfüllen, nach der die Arbeit im Gesundheitsbereich mit Menschen erst ab dem 17. Lebensjahr vorgesehen ist“, schlägt Korosec vor. Das Konzept einer Pflegelehre werde bereits in Vorarlberg und seit Herbst 2018 auch in Oberösterreich erprobt. Sie stehe „voll und ganz“ hinter diesen Pilotversuchen, so die Seniorenbund-Chefin.

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