- 08.05.2019, 22:00:01
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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel vom 9.Mai 2019 von Christian Jentsch - „Chronik eines angekündigten Krieges“
Innsbruck (OTS) - Das Säbelrasseln zwischen den USA und dem Iran wird
immer lauter. Ein neuer Krieg liegt in der Luft – mit verheerenden
Konsequenzen nicht nur für die Golfregion, sondern für die ganze
Welt. Die Brandstifter haben Lunte gerochen.
US-Präsident Donald Trump und vor allem sein Nationaler
Sicherheitsberater John Bolton tun, was sie am besten können. Im
Konflikt mit dem Iran wird eine gewaltige Drohkulisse aufgebaut, ein
Flugzeugträger und eine Bomberstaffel wurden in die Golfregion
beordert. Militärisch zeigen die USA dem Iran die Zähne und auch
wirtschaftlich wird der Iran durch ein rigoroses Sanktionsregime in
die Knie gezwungen. Mit dem einseitigen Ausstieg der USA aus dem im
Juli 2015 in Wien geschlossenen Atom-Abkommen vor einem Jahr wurden
die zuvor ausgesetzten Strafmaßnahmen wieder in Kraft gesetzt und
noch deutlich verschärft. Seit 1. Mai soll kein Tropfen Öl mehr den
Iran verlassen. Wer iranisches Öl weiterhin importiert, wird mit
US-Sanktionen belegt. So einfach geht das in der schönen neuen Welt
des „America First“, internationale Verträge interessieren wenig. Der
Öl-Export ist das Rückgrat des Landes, das jetzt schon am Stock geht.
Das Kalkül der USA ist klar: Das Regime in Teheran soll in die Knie
gezwungen werden – ausgetrocknet durch wirtschaftliche Sanktionen
oder auch militärisch, falls sich Teheran auch mit Hilfe seiner
Verbündeten doch zu militärischen oder terroristischen Aktionen
hinreißen lässt. Dann dürfte die Reaktion der USA heftig ausfallen.
Und mit der nun angekündigten teilweisen Aussetzung des Atomdeals
seitens des Iran droht sich die Eskalationsspirale weiter zu drehen.
Ein Funke genügt, um die ganze Region in Brand zu stecken – mit
verheerenden Folgen für uns alle. Das geostrategische Kalkül der USA
hat sich seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump radikal
geändert. Während der frühere US-Präsident Barack Obama und sein
damaliger Außenminister John Kerry den Iran mit dem Atomabkommen
zurück in die Internationale Gemeinschaft holen wollten, setzt Trump
zusammen mit seinen Verbündeten Saudi-Arabien und Israel auf Härte.
Sicher, der Iran ist in blutige Kriegen wie jenen in Syrien
verstrickt und Drohungen gegen Israel dürfen nicht unbeantwortet
bleiben. Dass auf der anderen Seite Saudi-Arabien, gerade unter den
Fittichen von Kronprinz Mohammed bin Salman, alles andere als ein
Friedensengel ist, dürfte freilich kein Geheimnis sein. Und eines ist
auch klar: Mit seiner Haudrauf-Politik gegen den Iran bestrafen Trump
und seine Einflüsterer genau die Falschen. Die Hardliner im Iran
reiben sich Hände. Unter die Räder kommen die Moderaten, die
prowestliche Mittelschicht, für die der Atomdeal eine Art
Überlebensversicherung war. Die Hoffnung war groß, nun ist sie
begraben. Doch das scheint die Brandstifter recht wenig zu
interessieren.
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