- 29.04.2019, 11:08:21
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Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt BAG: „Masterplan Pflege“ braucht auch konkrete Maßnahmen!
Fünf BAG-Forderungen für eine gute Pflege: Mehr Gerechtigkeit, Stärkung der mobilen Dienste, mehr Unterstützung für Angehörige, faires Pflegegeld, Personaloffensive.
Utl.: Fünf BAG-Forderungen für eine gute Pflege: Mehr Gerechtigkeit,
Stärkung der mobilen Dienste, mehr Unterstützung für
Angehörige, faires Pflegegeld, Personaloffensive. =
Wien (OTS) - Die Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt zeigt sich
erfreut, dass sich die Bundesregierung des Zukunftsthemas Pflege
annimmt. Allerdings fordern die fünf Hilfsorganisationen Caritas,
Diakonie, Hilfswerk, das Österreichische Rote Kreuz und Volkshilfe,
vier Monate nach der Präsentation des 15-seitigen „Masterplan
Pflege“, konkrete Schritte zu dessen Umsetzung.
Gleiche Leistungen - vom Burgenland bis nach Vorarlberg
Um die Pflege zukunftsfit zu machen und ein Leben in Würde bis
zuletzt für alle Menschen in Österreich sicher zu stellen, brauche es
etwa – wie im „Masterplan Pflege“ angedacht - Transparenz bei den
Leistungen in ganz Österreich. „Alle Menschen in Österreich sollten
klar darüber Bescheid wissen, welche Betreuungsmöglichkeiten es gibt
und wieviel diese kosten“, erklärt Bernd Wachter, BAG-Vorsitzender
und Caritas Generalsekretär. „Wenn ich meine pflegebedürftige Mutter
zu mir nach Hause hole und damit eine Landesgrenze überschreite,
dürfen dadurch keine Nachteile entstehen – weder in der
Versorgungsmöglichkeit noch bei den Kosten! Momentan gibt es bis zu
60 Prozent große Unterschiede bei den Kosten von Pflegeangeboten in
den Bundesländern. Diese Ungleichheit gehört dringend geändert“,
fordert Wachter.
Mobile Betreuung ausbauen
85 Prozent der hilfe- und pflegebedürftigen Menschen leben zu Hause.
„Damit das auch in Zukunft so bleiben kann, muss die Pflege zu Hause
gestärkt und die Lücke zwischen der 24h-Betreuung und der
stundenweise mobilen Betreuung geschlossen werden“, erläutert Werner
Kerschbaum, Rot Kreuz-Generalsekretär. „Genauso wichtig ist es,
darauf hinzuarbeiten, dass die Menschen länger fit und selbständig
bleiben“, betont Kerschbaum die Wichtigkeit der Prävention von
Pflegebedürftigkeit.
Pflegende Angehörige entlasten
Die Last der Pflege und Betreuung liegt oft auf den Schultern der
Angehörigen. Es beginnt mit etwas Aushelfen im Alltag. Der Übergang
zu einer Betreuung rund um die Uhr ist nicht selten fließend und
führt zu Überlastungen. „Der „Masterplan Pflege“ der Bundesregierung
setzt trotz dieser Belastungen verstärkt auf Angehörige, und sieht
keine Finanzierung für den Ausbau professioneller Unterstützung vor.
Das ist kein Zukunftsmodell zur Lösung der Pflegefrage, zumal die
Hälfte der pflegenden Angehörigen schon über 60 Jahre alt, und ihre
Kraft nicht grenzenlos ist“, so Diakonie Direktorin Maria Katharina
Moser.
Pflegegeldsystem konsequent an Lebensrealitäten anpassen statt
weiter „herumdoktern“
„Wenn uns die Pflege zu Hause und die pflegenden Angehörigen ein
ernsthaftes Anliegen sind, dann ist es mit einer, wie bisher
angekündigten, Erhöhung des Pflegegeldes ab Stufe 4 nicht getan“,
meint Elisabeth Anselm, Geschäftsführerin des Hilfswerk Österreich.
Vielmehr sei eine signifikante Erhöhung in allen Stufen notwendig.
Alleine schon, um den massiven Kaufkraftverlust der vergangenen Jahre
auszugleichen. Dieser beträgt rund 35% und betrifft jene besonders,
die zu Hause pflegen und, anders als im Heim, mit ihren Ressourcen
selbst wirtschaften müssen. Und dies gerade in den Pflegegeldstufen
unter vier, in welchen besonders häufig zu Hause betreut wird. „Noch
besser wäre es allerdings“, meint Anselm, „wenn es zu einer echten
Modernisierung des Systems punkto Einstufung und Leistungsprofil
käme, dann könnten die Lebensrealitäten von Betroffenen besser
erfasst werden. Neben körperlichen Einschränkungen, gilt es auch
neurologische, psychiatrische und psychosoziale sowie lebenssituative
Aspekte zu berücksichtigen.“
Fachkräfte ausbilden
Bis zum Jahr 2050 ist mit einem Anstieg der Pflegebedürftigen von
derzeit 450.000 auf 750.000 Personen zu rechnen. Erich Fenninger,
Direktor der Volkshilfe Österreich, hält fest: „Schon jetzt gibt es
in vielen Bereichen einen Mangel, vor allem an diplomiertem Personal.
Um diese große Herausforderung menschenwürdig zu bewältigen, bedarf
es nach einer aktuellen WIFO Studie rund 60.000 Pflegestellen mehr
als heute. Das bedeutet, dass wir neue Wege in der Ausbildung gehen
müssen. Es muss leichter werden, den Weg in die Pflege zu finden,
Umstiege müssen besser gefördert werden. Der Beruf soll für
NeueinsteigerInnen attraktiver werden, und die Verweildauer im Beruf
kann nur durch eine Verbesserung der Rahmenbedingungen erhöht werden.
Die Zeit drängt, rasches Handeln ist nötig.“
Bei einer ganzheitlichen Reform des Pflegebereichs müssen Betroffene,
Angehörige und Pflegekräfte in den Blick genommen werden, nur dann
könne das System Pflege insgesamt positiv und zukunftstauglich
gestaltet werden, so die BAG-VertreterInnen unisono.
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