• 04.04.2019, 10:40:33
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  • OTS0073

BMF – Produktpirateriebericht 2018: Rund 1,2 Millionen illegale und gefälschte Medikamente vom Zoll aufgegriffen

Löger/Fuchs: „Zoll bekämpft Arzneimittelfälschungen und Einfuhr illegaler Medikamente vehement“

Utl.: Löger/Fuchs: „Zoll bekämpft Arzneimittelfälschungen und
Einfuhr illegaler Medikamente vehement“ =

Wien (OTS) - Der Produktpirateriebericht, der jährlich dem
Nationalrat übermittelt wird, zeigt für das Jahr 2018 einen
dramatischen Anstieg an illegalen und gefälschten Medikamenten auf:
Bei 2.817 Aufgriffen wurden vom österreichischen Zoll insgesamt rund
1,2 Millionen Schmuggel- und Plagiatsarzneiwaren aus dem Verkehr
gezogen. Das geben Finanzminister Hartwig Löger und
Finanzstaatssekretär Hubert Fuchs heute bekannt.

Nach 2016 mit insgesamt 53.389 gefälschten Medikamenten folgte 2017
neuerlich ein trauriger Rekord mit 54.895 Medikamentenplagiaten. Im
vergangenen Jahr wurden verglichen damit 10.476 Medikamentenplagiate
beschlagnahmt – mit den 1.186.951 anderen illegalen Medikamenten
stellt die Gesamtsumme von 1.197.427 illegalen und gefälschten
Arzneien einen nie dagewesenen dramatischen Höchststand dar. „Die
Vehemenz, mit der der Zoll sich Jahr für Jahr gegen die Schmuggler
und ihre kriminellen Handlungen stellt, verdient meine höchste
Anerkennung. Unsere Zöllnerinnen und Zöllner leisten durch ihren
unermüdlichen Einsatz großartige Arbeit“, hält Finanzminister Hartwig
Löger fest.

„Mit den Hoffnungen von Kranken zu spielen ist für mich besonders
skrupellos. Nachgemachte, wirkungslose Medikamente oder gefälschte
Arzneimittel, die mit Schadstoffen verunreinigt sind, in Umlauf zu
bringen, ist nicht nur kriminell, sondern bringt Menschen auch in
Lebensgefahr“, macht Staatssekretär Hubert Fuchs auf die gefährlichen
Folgen von Produktpiraterie aufmerksam.

„Illegale Medikamente beschränken sich nicht nur auf Marken- oder
Patentfälschungen“, führt Gerhard Marosi, Produktpiraterie-Experte im
Finanzministerium, dazu aus und erklärt weiter: „Der Rückgang bei den
gefälschten Medikamenten – dabei handelt es sich hauptsächlich um
Potenzmittel – und der gleichzeitige Anstieg bei den anderen
illegalen Medikamenten liegt vor allem daran, dass der Patentschutz
von Tadalafil, einem Wirkstoff, der gegen Erektionsstörungen
eingesetzt wird, 2017 ausgelaufen ist. Ohne Patentschutz sind solche
aufgegriffenen Arzneimittel zwar noch illegale, aber nicht mehr
gefälschte Medikamente.“

Der Produktpirateriebericht zeigt, dass Fälscher und Vertreiber von
illegalen Medikamenten auf derartige marktübliche Veränderungen
reagieren. 2018 verlagerten sich die Internetbestellungen bei den
Potenzmitteln verstärkt zu „Generika“. Fälscher, aber auch die Käufer
schwenken also vermehrt auf Produkte um, die nicht unter
Produktpiraterie fallen. Der Zoll geht sowohl gegen gefälschte, als
auch gegen illegal eingeführte Medikamente vor.

Die Bedingungen, unter welchen gefälschte Medikamente produziert,
gelagert und transportiert werden, entsprechen nicht annähernd den
geltenden Standards der Pharmaindustrie. Das Ergebnis sind oft mit
Schadstoffen verunreinigte Medikamente oder Medikamente, die über-
oder unterdosiert sind, oder solche, die überhaupt wirkungslos sind.

Vertrieben werden diese Fälschungen über Online-Portale, die den
Konsumentinnen und Konsumenten Echtheit und Seriosität vortäuschen.
Tatsächlich steht hinter diesen illegalen Machenschaften vor allem
die organisierte Kriminalität, die keinerlei Rücksicht auf den
gesundheitlichen oder finanziellen Schaden für die betrogenen
Kundinnen und Kunden oder die Folgekosten für die Gesellschaft nimmt.

Das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO)
beziffert die wirtschaftlichen Kosten der Verletzung von Rechten des
geistigen Eigentums betreffend Arzneimittel mit 134 Millionen Euro
pro Jahr für die gesamte Branche – diese Zahl betrifft die
Herstellung und den Großhandel, aber nicht den Einzelhandel.
Produktpiraterie führt somit auch zu unmittelbaren wirtschaftlichen
Auswirkungen auf Österreich. Umsatzeinbußen und Einnahmeverluste
verzerren den Wettbewerb und gefährden nicht zuletzt heimische
Arbeitsplätze.

Der österreichische Zoll bekämpft Marken- und Produktpiraterie an der
Wurzel, in dem gefälschte Waren aus dem Verkehr gezogen werden, bevor
sie noch auf dem Markt verteilt werden. Händler, Hersteller und
darüber hinaus Wettbewerbsfähigkeit, Handel und Investitionen werden
so geschützt, wie auch die Konsumentinnen und Konsumenten. Bei den
aufgegriffenen illegalen Arzneiwaren handelt es sich nämlich
vornehmlich um solche, die entgegen dem Verbot im
Arzneiwareneinfuhrgesetz 2010 durch Privatpersonen im Fernabsatz über
das Internet bestellt und anschließend eingeführt worden sind. 95,93
Prozent der aufgegriffenen Medikamentenfälschungen kamen 2018 aus
Indien.

Im Rahmen der Ratspräsidentschaft wurde auf österreichische
Initiative ein neuer EU-Zollaktionsplan für die Jahre 2018 bis 2022
verabschiedet. Der Aktionsplan beinhaltet neben Kernelementen
früherer Pläne auch neue Elemente, unter anderem Aktionen im Bereich
E-Commerce, um der ständig steigenden Zahl von Kleinsendungen mit
Produktfälschungen im Post- und Kurierdienstverkehr besser begegnen
zu können. „Damit ist unter Österreichs Federführung eine wesentliche
Weichenstellung für die Aktivitäten des Zolls im Bereich der
Bekämpfung von Produktpiraterie gelungen“, so Finanzminister Löger.

Der Produktpirateriebericht 2018 mit weiteren Zahlen, Daten und
Fakten ist auf der Website des Finanzministeriums bmf.gv.at im
Bereich Zoll unter Produktpiraterie veröffentlicht und steht dort zum
Download zur Verfügung: http://bit.ly/Produktpirateriebericht2018

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