• 03.04.2019, 10:23:46
  • /
  • OTS0066

Primärversorgung: Bundesweiter Gesamtvertrag für Primärversorgungseinheiten abgeschlossen

Steinhart/Biach: „Neben Hausärzten nun ein zusätzliches breites Spektrum an Versorgung“

Utl.: Steinhart/Biach: „Neben Hausärzten nun ein zusätzliches
breites Spektrum an Versorgung“ =

Wien (OTS) - Gestern, Dienstag, ist es der Österreichischen
Ärztekammer und dem Hauptverband der österreichischen
Sozialversicherungsträger gelungen, den bundesweiten Gesamtvertrag
für Primärversorgungseinheiten (PVE) erfolgreich abzuschließen.
Sowohl Johannes Steinhart, Vizepräsident und Obmann der Bundeskurie
niedergelassene Ärzte der Österreichischen Ärztekammer als auch
Alexander Biach, Vorstandsvorsitzender des Hauptverbands der
österreichischen Sozialversicherungsträger, setzen damit einen
„Meilenstein zu Sicherstellung der medizinischen Versorgung in
Österreich“. ****

Die Vereinbarungen gelten vorbehaltlich der Zustimmung der
zuständigen Gremien.

Der Weg bis zum Gesamtvertrag hat mehr als fünf Jahre gedauert. Am
1. April 2015 hatte der erste PVE-Pilot in Wien-Mariahilf eröffnet,
zwei Jahre später wurde das Primärversorgungsgesetz mit den
entsprechenden Grundlagen und Eckpfeilern beschlossen. Bis dato sind
insgesamt 14 PVE in vier Bundesländern (Wien, Oberösterreich,
Steiermark und Niederösterreich) entstanden, weitere PVE befinden
sich österreichweit in Umsetzung.

Der bundesweite PVE-Gesamtvertrag ist als Rahmenvertrag zu
verstehen. Er gibt die Eckpunkte zur neuen teambasierten
Primärversorgung vor, lässt aber genügend Raum für regionale
Ausgestaltung, um auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten
und den in den PVE arbeitenden Berufsgruppen bestmöglich eingehen zu
können.

Die Vorteile liegen dabei auf der Hand: Ein breiter
Versorgungsauftrag, auch abgestimmt zwischen Bund, Ländern und
Sozialversicherung, ist damit endgültig sichergestellt. Ärzteschaft
sowie Patientinnen und Patienten gewinnen mehr Zeit für ausführliche
Patientengespräche, Hausbesuche, Prävention und Gesundheitsförderung.
Außerdem ergeben sich nun besondere Versorgungsaufträge für Kinder
und Jugendliche, ältere Menschen und chronisch Kranke, die von
ganzjährigen Öffnungszeiten sowie der Betreuung durch ein Team
profitieren können.

Die Versorgungsauswirkung durch die PVE wird für Patientinnen und
Patienten deutlich spürbar sein: Je nach Größe behandeln die
bestehenden Piloten zwischen 3000 und 7000 Patientinnen und Patienten
im Quartal. Ziel ist es, mit den nun geplanten 75 PVE österreichweit
10 Prozent der Bevölkerung zu versorgen, ein weiterer Ausbau ist
vorgesehen. Im Schnitt arbeiten zwischen drei und fünf Ärztinnen und
Ärzte in PVE – hochgerechnet auf 75 PVE macht das 300 bis 400
Allgemeinmediziner in PVE, mögliche Kinderärzte noch nicht
mitgerechnet.

„Herausforderung PVE bravourös gemeistert“

„Auch Sicht der Ärzteschaft war es die größte Herausforderung, die
sehr heterogene allgemeinmedizinische Versorgungsstruktur in einem
österreichweiten Gesamtvertrag bestmöglich abzubilden – nicht zuletzt
deshalb, weil eine allgemeinmedizinische Versorgung am Land
beziehungsweise in einem alpinen Tal ganz anders aussieht als in
einer Millionenstadt wie Wien“, erklärt Johannes Steinhart. In keinem
anderen Fachgebiet sei dieser Unterschied so deutlich spürbar wie in
der Allgemeinmedizin.

„Mir ist besonders wichtig, dass Primärversorgungseinheiten neben
den weiter existierenden Hausärzten und den Gruppenpraxen nur eine
Spielart der Primärversorgung sind und den Hausarzt nicht ersetzen,
sondern ihn ergänzen“, betont Steinhart. Die überwiegende Versorgung
werde weiter bei den Hausärzten liegen, weshalb dieser Vertrag die
Aufwertung der Hausärzte nicht ersetzen könne. Steinhart: „Für die
Ärztekammer gilt, den Kolleginnen und Kollegen Optionen zu
ermöglichen, die sie dann individuell nützen können. Das wurde mit
dem neuen Vertrag entsprechend umgesetzt.“ Dazu trägt auch die
Möglichkeit von PVE in Form der Vernetzung mehrerer
Einzelordinationen untereinander sowie mit nicht ärztlichen
Leistungen bei, ohne dass diese unter einem Dach angeboten werden.

„Wohnortnahe Versorgung für Menschen ermöglicht“

„Hinter diesem Verhandlungserfolg stehen neue Kooperationsmodelle,
bei denen sich mehrere Ärztinnen und Ärzte mit Gesundheitsberufen
zusammenschließen und gemeinsam arbeiten können“, sagt dazu Alexander
Biach. Hausärzte würden nun gestärkt und gleichzeitig entlastet
werden, denn sie könnten künftig in Teams arbeiten und so Familie und
Beruf besser vereinbaren.

Die Vorteile für die Menschen in Österreich sind auch für Biach
eindeutig: „Mit der Primärversorgung rückt die medizinische
Versorgung direkt vor die Haustür der Menschen – sie müssen nicht
mehr wegen jeder Kleinigkeit in ein Spital fahren, sondern haben
persönliche Betreuung vor Ort.“ Persönliche Betreuung und das
vertraute Gespräch mit dem Arzt ist für Biach nun noch besser mit
ausgedehnten Öffnungszeiten bis zu 50 Stunden pro Woche gegeben.

Für beide Verhandlungspartner ist dieser Gesamtvertrag ein großer
Erfolg, der nur noch durch die jeweiligen Gremien auf regionaler
Ebene bestätigt werden muss. „Gemeinsam ist es gelungen, eine völlig
neue Versorgungsform für ganz Österreich verfügbar zu machen.
Gefordert sind jetzt die lokalen Sozialversicherungsträger und vor
allem die Länder, damit möglichst rasch die regionalen
Honorarvereinbarungen abgeschlossen werden können. Dann könnten
durchaus noch heuer weitere Primärversorgungseinheiten in Österreich
entstehen“, so Steinhart und Biach abschließend. (ast)

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NAW

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel