- 06.03.2019, 12:28:53
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- OTS0130
Knackpunkt Kinderbetreuung: Karrierehindernisse für Ärztinnen
Eine aktuelle ÖÄK-Umfrage identifiziert massive Job-Hemmnisse für Frauen in der Medizin. Familienplanung und Kinderbetreuung wurden am häufigsten als Karrierehindernis genannt.
Utl.: Eine aktuelle ÖÄK-Umfrage identifiziert massive Job-Hemmnisse
für Frauen in der Medizin. Familienplanung und Kinderbetreuung
wurden am häufigsten als Karrierehindernis genannt. =
Wien (OTS) - Krankenhausbetreiber müssen mit den Gemeinden und
Privatinitiativen intensiv zusammenarbeiten, um Spitalsärztinnen eine
flexible Kinderbetreuung in ausreichendem Umfang zur Verfügung zu
stellen. Ausfallszeiten durch Karenz sowie Teilzeit für Ärztinnen
gehören fix in die Personalbedarfsplanung der Krankenhausträger. Und
Karrieremodelle sollten so gestaltet sein, dass sie auch für
Ärztinnen in Frage kommen. Das sind einige der Forderungen, die die
Referentin für Gender-Mainstreaming und spezifische Berufs- und
Karrieremodelle von Ärztinnen der Österreichischen Ärztekammer, Petra
Preiss, anlässlich des bevorstehenden Welt-Frauentags am 8. März
aufstellt. Denn obwohl die Medizin immer weiblicher wird, haben
Ärztinnen nach wie vor mit Benachteiligungen, was sowohl Ausbildung
als auch ärztliche Tätigkeit betrifft, sowie mit massiven
Karrierehemmnissen zu rechnen.
Das hat auch eine Studie bestätigt, die kürzlich im Auftrag der
Österreichischen Ärztekammer von Peter Hajek Public Opinion
Strategies erstellt wurde (Onlinebefragung von 2.497 österreichischen
Ärztinnen = 11,3 Prozent der Grundgesamtheit von ca. 22.050
Ärztinnen).
Demnach sind 33 Prozent der Ärztinnen nicht in dem Fachbereich tätig,
auf den sie sich ursprünglich spezialisieren wollten, bei 42 Prozent
von ihnen war die Familienplanung ausschlaggebend dafür. Die
Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird mit einem Mittelwert von 3,2
„nur sehr mäßig“ beurteilt, wie Studienautorin Alexandra Siegl
ausführt.
Generell waren Familienplanung und Kinderbetreuung das bei Weitem am
häufigsten genannte Karrierehindernis: Fast zwei Drittel aller
Ärztinnen in Österreich (61 Prozent) sehen diese Parameter als Grund
dafür, beruflich nicht entsprechend weiterzukommen. Danach folgen zu
wenig Förderung durch Vorgesetzte (37 Prozent), zu wenig Förderung in
der Turnusausbildung in relevanten Wissensbereichen (32 Prozent), die
Bevorzugung von Männern bei interessanten Jobs bzw.
Führungspositionen (31 Prozent) sowie der Umstand, dass Ärztinnen
generell weniger zugetraut wird als Ärzten (30 Prozent,
Mehrfachnennungen möglich).
„Familienarbeit ist auch in Arztfamilien immer noch
Frauenarbeit"
Die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie dürfte mit ein Grund
dafür sein, dass deutlich mehr Spitalsärztinnen in den
Wahlarztbereich (61 Prozent jener, die in Zukunft niedergelassen
arbeiten möchten) tendieren als in den Kassenbereich (20 Prozent).
Preiss erklärt sich dies mit einem anderen schon lange bekannten
Faktum, das auch durch die aktuelle Studie wieder untermauert wurde.
Demnach gaben 67 Prozent der befragten Ärztinnen an, den Großteil der
Kinderbetreuung übernommen zu haben; umgekehrt waren es nur 6
Prozent. Beim Rest, also einem Viertel der Familien, wurde gerecht
geteilt. Preiss: „Familienarbeit ist auch in Arztfamilien immer noch
Frauenarbeit. Es stimmt also nach wie vor das Klischee, wonach der
Mann Karriere macht, währenddessen die Frau jene beruflichen Nischen
sucht, die in Einklang mit der Kinderbetreuung stehen.“
Frauenfeindliches Verhalten ist (auch) im medizinischen Bereich ein
Problemthema, auch wenn sexuelle Übergriffe die absolute Ausnahme
sind: „Meist handelt es sich um geringschätzige und/oder anzügliche
Bemerkungen, die von einer Mehrheit der Ärztinnen erlebt oder
beobachtet werden“, so Siegl. Preiss: „Wir beobachten hier eine
deutlich höhere Sensibilisierung in den letzten Jahren, natürlich
auch dank der aktuellen MeToo-Debatte. Trotzdem muss es unser Ziel
sein, in Zukunft verstärkt darauf hinzuarbeiten, dass Übergriffe,
auch wenn sie nur in verbaler Hinsicht erfolgen, als
Grenzüberschreitung gesehen werden, die unter keinen Umständen
toleriert werden kann.“
Die gute Nachricht zum Schluss: 62 Prozent der befragten Ärztinnen
sind grundsätzlich (sehr) zufrieden mit ihrer beruflichen Tätigkeit.
Lediglich 3 Prozent haben bei der Umfrage „gar nicht zufrieden“
angegeben. Am zufriedensten sind niedergelassene Fachärztinnen (80
Prozent), am wenigsten zufrieden sind Ärztinnen in Ausbildung (Anteil
der mäßig bis wenig Zufriedenen: 44 Prozent).
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