Knackpunkt Kinderbetreuung: Karrierehindernisse für Ärztinnen

Eine aktuelle ÖÄK-Umfrage identifiziert massive Job-Hemmnisse für Frauen in der Medizin. Familienplanung und Kinderbetreuung wurden am häufigsten als Karrierehindernis genannt.

Wien (OTS) - Krankenhausbetreiber müssen mit den Gemeinden und Privatinitiativen intensiv zusammenarbeiten, um Spitalsärztinnen eine flexible Kinderbetreuung in ausreichendem Umfang zur Verfügung zu stellen. Ausfallszeiten durch Karenz sowie Teilzeit für Ärztinnen gehören fix in die Personalbedarfsplanung der Krankenhausträger. Und Karrieremodelle sollten so gestaltet sein, dass sie auch für Ärztinnen in Frage kommen. Das sind einige der Forderungen, die die Referentin für Gender-Mainstreaming und spezifische Berufs- und Karrieremodelle von Ärztinnen der Österreichischen Ärztekammer, Petra Preiss, anlässlich des bevorstehenden Welt-Frauentags am 8. März aufstellt. Denn obwohl die Medizin immer weiblicher wird, haben Ärztinnen nach wie vor mit Benachteiligungen, was sowohl Ausbildung als auch ärztliche Tätigkeit betrifft, sowie mit massiven Karrierehemmnissen zu rechnen.

Das hat auch eine Studie bestätigt, die kürzlich im Auftrag der Österreichischen Ärztekammer von Peter Hajek Public Opinion Strategies erstellt wurde (Onlinebefragung von 2.497 österreichischen Ärztinnen = 11,3 Prozent der Grundgesamtheit von ca. 22.050 Ärztinnen).

Demnach sind 33 Prozent der Ärztinnen nicht in dem Fachbereich tätig, auf den sie sich ursprünglich spezialisieren wollten, bei 42 Prozent von ihnen war die Familienplanung ausschlaggebend dafür. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird mit einem Mittelwert von 3,2 „nur sehr mäßig“ beurteilt, wie Studienautorin Alexandra Siegl ausführt.

Generell waren Familienplanung und Kinderbetreuung das bei Weitem am häufigsten genannte Karrierehindernis: Fast zwei Drittel aller Ärztinnen in Österreich (61 Prozent) sehen diese Parameter als Grund dafür, beruflich nicht entsprechend weiterzukommen. Danach folgen zu wenig Förderung durch Vorgesetzte (37 Prozent), zu wenig Förderung in der Turnusausbildung in relevanten Wissensbereichen (32 Prozent), die Bevorzugung von Männern bei interessanten Jobs bzw. Führungspositionen (31 Prozent) sowie der Umstand, dass Ärztinnen generell weniger zugetraut wird als Ärzten (30 Prozent, Mehrfachnennungen möglich).

„Familienarbeit ist auch in Arztfamilien immer noch Frauenarbeit"

Die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie dürfte mit ein Grund dafür sein, dass deutlich mehr Spitalsärztinnen in den Wahlarztbereich (61 Prozent jener, die in Zukunft niedergelassen arbeiten möchten) tendieren als in den Kassenbereich (20 Prozent). Preiss erklärt sich dies mit einem anderen schon lange bekannten Faktum, das auch durch die aktuelle Studie wieder untermauert wurde. Demnach gaben 67 Prozent der befragten Ärztinnen an, den Großteil der Kinderbetreuung übernommen zu haben; umgekehrt waren es nur 6 Prozent. Beim Rest, also einem Viertel der Familien, wurde gerecht geteilt. Preiss: „Familienarbeit ist auch in Arztfamilien immer noch Frauenarbeit. Es stimmt also nach wie vor das Klischee, wonach der Mann Karriere macht, währenddessen die Frau jene beruflichen Nischen sucht, die in Einklang mit der Kinderbetreuung stehen.“

Frauenfeindliches Verhalten ist (auch) im medizinischen Bereich ein Problemthema, auch wenn sexuelle Übergriffe die absolute Ausnahme sind: „Meist handelt es sich um geringschätzige und/oder anzügliche Bemerkungen, die von einer Mehrheit der Ärztinnen erlebt oder beobachtet werden“, so Siegl. Preiss: „Wir beobachten hier eine deutlich höhere Sensibilisierung in den letzten Jahren, natürlich auch dank der aktuellen MeToo-Debatte. Trotzdem muss es unser Ziel sein, in Zukunft verstärkt darauf hinzuarbeiten, dass Übergriffe, auch wenn sie nur in verbaler Hinsicht erfolgen, als Grenzüberschreitung gesehen werden, die unter keinen Umständen toleriert werden kann.“

Die gute Nachricht zum Schluss: 62 Prozent der befragten Ärztinnen sind grundsätzlich (sehr) zufrieden mit ihrer beruflichen Tätigkeit. Lediglich 3 Prozent haben bei der Umfrage „gar nicht zufrieden“ angegeben. Am zufriedensten sind niedergelassene Fachärztinnen (80 Prozent), am wenigsten zufrieden sind Ärztinnen in Ausbildung (Anteil der mäßig bis wenig Zufriedenen: 44 Prozent).

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