Oö. Volksblatt: "Normative Kraft" (von Markus EBERT)

Ausgabe vom 14. Februar 2019

Linz (OTS) - Dem juristischen wie dem psychologischen Laien — also der Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher — erschließt sich vermutlich die akademische Debatte um die Wirksamkeit der von der Regierung geplanten Verschärfungen im Strafrecht in Bezug auf Gewalt-und Sexualdelikte gegen Frauen und Kinder nicht ganz.
Natürlich ist nachvollziehbar, dass ein Mensch, der gegen eine anderen Menschen im Affekt gewalttätig wird, kaum an die strafrechtlichen Konsequenzen seiner Tat denkt. Aber das dieser Tage häufig strapazierte Argument gegen eine Strafverschärfung — „Verbrechen verhindern statt Strafen erhöhen“ — greift auch ein bisschen kurz: Immerhin ist das Strafrecht, wie auch andere Rechtsordnungen, insgesamt ein gesamtgesellschaftlicher Kanon, der jedem Bürger im Grundanliegen präsent sein sollte. In der idealen Gesellschaft wird natürlich keine Gewalt ausgeübt, niemand stiehlt, niemand betrügt, niemand fährt betrunken mit dem Auto und was man halt alles sonst so nicht tut. Weil sich dieser Utopie außer ein paar Sozialromantikern aber kaum jemand hingibt, vertraut man doch lieber auf die normative Kraft der Rechtsordnung. Hier nachzuschärfen, wenn die Dinge offensichtlich aus dem Lot geraten, sollte eigentlich konsensfähig sein

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