- 04.02.2019, 22:00:01
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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel vom 5.Februar 2019 von Michael Sprenger - „Wenn sich ÖVP und FPÖ freuen“
Innsbruck (OTS) - Der Ex-Grüne Johannes Voggenhuber will mit der
Liste Jetzt ein politisches Comeback im EU-Parlament feiern.
Die rechten Dämonen bekämpfen ist sein Ziel. Doch schwächen wird er
vor allem SPÖ, NEOS und naturgemäß die Grünen.
Das Antreten von Johannes Voggenhuber bei der Europawahl freut die
ÖVP. Allenthalben reibt man sich auch bei der FPÖ die Hände. Und
natürlich frohlockt die krisengeschüttelte Liste Jetzt, vormals Liste
Pilz. Dort überlegte man schon lange, ob es Sinn macht, bei der
Europawahl anzutreten. Wusste man doch Bescheid um die Gefahr des
Scheiterns. Doch bei der ersten bundesweiten Wahl seit der
Nationalratswahl überhaupt keine Rolle zu spielen, war wohl keine
echte Alternative. Mit Johannes Voggenhuber hat man einen
Spitzenkandidaten gefunden, der die Gefahr des Scheiterns minimiert
und zugleich die Idee Europa im medialen Wahlkampf glaubwürdig
vertreten kann. Insofern ein guter Schachzug aus Sicht der Liste
Jetzt, auch oder gerade weil die Liste weder unter dem Namen Pilz
noch Jetzt, sondern als „Initiative 1 Europa“ zur Wahl antritt. Also
ein wenig ein Etikettenschwindel. Doch das wird den jetzigen
Pilzianern ebenso egal sein wie dem neuen Spitzenkandidaten im Kampf
um Sitz und Stimme im Europaparlament. Voggenhuber ist das Gesicht,
die angeschlagene Liste finanziert den Wahlkampf und sorgt dafür,
dass er im Fernsehen oft zu sehen ist.
Mit Voggenhuber plant ein selten gewordener Politikertyp ein
Comeback. Verkörpert er doch Leidenschaft, er brennt für seine
Ideen. Er hat im Europaparlament, welchem er zwischen 1995 und 2009
angehört hat, seinen politischen Ort gefunden. Dorthin will der
Ex-Grüne zurück, nachdem er vor zehn Jahren mit seiner Partei
gebrochen hat. Voggenhuber will seinen Beitrag leisten, um den
Aufmarsch der rechten Dämonen zu stoppen. Der Beweggrund mag
glaubwürdig und ehrenwert sein, aber ist es eben nicht nur.
Mit seinem Antreten wird er das Wiedererstarken der Grünen – nach
ihrem Absturz bei der Nationalratswahl – massiv behindern. Er
behauptet, dass sein Antreten nichts mit Rache zu tun habe – doch er
wird seine alte Partei schwächen. Das ist ihm aber nicht vorzuwerfen.
Jedoch wird noch anderes passieren. Voggenhuber wird mit SPÖ, NEOS
und eben den Grünen um jene Wähler kämpfen, die für eine
Weiterentwicklung der EU stehen, für eine Demokratisierung, für ein
soziales Europa.
Letzten Endes wird wohl die ÖVP im Kampf um den ersten Platz
Nutznießerin des Matchs auf der von ihr aus gesehen linken Seite
sein. Und die weit rechts stehende FPÖ ergibt sich derweil in
klammheimliche Freude, wenn sich die erklärten Europäer gegenseitig
schwächen.
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