TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 9. Jänner 2019 von Peter Nindler "In sich zusammengesackt"

Innsbruck (OTS) - Die am Boden liegende Traglufthalle symbolisiert den Zustand der Flüchtlingsgesellschaft. Seit Jahren handelt sie im Krisenmodus, die Stunde null wird von Monat zu Monat verlängert. Politisch stellt sich für die Auslagerung längst die Sinnfrage.

Die Symbolik zeichnet das Desaster nach: Zuerst als Flüchtlingsunterkunft genutzt und danach als Notquartier vorgesehen, liegt die Traglufthalle in Hall am Boden. Noch weiß keiner warum, wieder einmal ist bei den Tiroler Sozialen Diensten/TSD Ursachenforschung angesagt. Wie so oft in den vergangenen dreieinhalb Jahren. Die Flüchtlingsgesellschaft taumelt von einer Panne in die andere. Die sechs angekauften Traglufthallen, wovon schlussendlich nur zwei aufgestellt wurden, waren mit 7,4 Millionen Euro allerdings die kostspieligste Fehleinschätzung. Weshalb das offenbar fragile Quartier in Hall überhaupt noch stehen musste, ist ebenfalls eine politische Merkwürdigkeit.
Mit der Ausgliederung der Flüchtlings­agenden in eine eigene Gesellschaft hat die schwarz-grüne Landesregierung 2015 eine neue Struktur geschaffen. Den TSD muss man jedoch zugutehalten, dass sie zu jeder Zeit die Grundversorgung aller Asylwerber in Tirol sicherstellen konnten. Und das waren 2016 bis zu 6800 Flüchtlinge. Vielerorts gab es im Gegensatz zu Vorarlberg wenig Unterstützung aus den Gemeinden, deshalb wurden auch die Traglufthallen als Großquartier angeschafft. Doch das war’s dann schon. Der ehemalige Geschäftsführer Harald Bachmeier konnte die Flüchtlingsgesellschaft nämlich nie als krisenfestes Unternehmen etablieren. So agierten die TSD unter dem politischen Schutzmantel der damaligen Landesrätin Christine Baur (Grüne) dauerhaft im inneren Krisenmodus. Frustrierte Mitarbeiter, große Personalschwankungen, kaum eine Gesprächsbasis zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung, die noch dazu nicht in der Lage war, auf geänderte Rahmenbedingungen mit weniger Asylwerbern zu reagieren, stellten die TSD endgültig ins Abseits. Zuletzt lähmte die monatelange Auseinandersetzung um Bachmeiers vorzeitigen Abgang das Unternehmen; das eigentlich neu strukturiert, personell reduziert und endlich zukunftsfit aufgestellt werden sollte. Baurs Nachfolgerin Gabriele Fischer ist bisher auch noch nicht über die Stunde null hinausgekommen.
Die am Boden liegende Traglufthalle symbolisiert deshalb den aktuellen Zustand der Flüchtlingsgesellschaft, die wegen kritisierter Sicherheitsmängel in den Asylheimen mehr denn je in Frage gestellt wird. Ein neuer Geschäftsführer ist wohl die letzte Chance – für die TSD und die Landesregierung. Möglicherweise gilt jedoch der Spruch der Dakota-Indianer: Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab!

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung
0512 5354 5101
chefredaktion@tt.com

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001