• 08.01.2019, 22:00:16
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 9. Jänner 2019 von Peter Nindler "In sich zusammengesackt"

Innsbruck (OTS) - Die am Boden liegende Traglufthalle symbolisiert
den Zustand der Flüchtlingsgesellschaft. Seit Jahren handelt sie im
Krisenmodus, die Stunde null wird von Monat zu Monat verlängert.
Politisch stellt sich für die Auslagerung längst die Sinnfrage.

Die Symbolik zeichnet das Desaster nach: Zuerst als
Flüchtlingsunterkunft genutzt und danach als Notquartier vorgesehen,
liegt die Traglufthalle in Hall am Boden. Noch weiß keiner warum,
wieder einmal ist bei den Tiroler Sozialen Diensten/TSD
Ursachenforschung angesagt. Wie so oft in den vergangenen dreieinhalb
Jahren. Die Flüchtlingsgesellschaft taumelt von einer Panne in die
andere. Die sechs angekauften Traglufthallen, wovon schlussendlich
nur zwei aufgestellt wurden, waren mit 7,4 Millionen Euro allerdings
die kostspieligste Fehleinschätzung. Weshalb das offenbar fragile
Quartier in Hall überhaupt noch stehen musste, ist ebenfalls eine
politische Merkwürdigkeit.
Mit der Ausgliederung der Flüchtlings­agenden in eine eigene
Gesellschaft hat die schwarz-grüne Landesregierung 2015 eine neue
Struktur geschaffen. Den TSD muss man jedoch zugutehalten, dass sie
zu jeder Zeit die Grundversorgung aller Asylwerber in Tirol
sicherstellen konnten. Und das waren 2016 bis zu 6800 Flüchtlinge.
Vielerorts gab es im Gegensatz zu Vorarlberg wenig Unterstützung aus
den Gemeinden, deshalb wurden auch die Traglufthallen als
Großquartier angeschafft. Doch das war’s dann schon. Der ehemalige
Geschäftsführer Harald Bachmeier konnte die Flüchtlingsgesellschaft
nämlich nie als krisenfestes Unternehmen etablieren. So agierten die
TSD unter dem politischen Schutzmantel der damaligen Landesrätin
Christine Baur (Grüne) dauerhaft im inneren Krisenmodus.
Frustrierte Mitarbeiter, große Personalschwankungen, kaum eine
Gesprächsbasis zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung, die noch
dazu nicht in der Lage war, auf geänderte Rahmenbedingungen mit
weniger Asylwerbern zu reagieren, stellten die TSD endgültig ins
Abseits. Zuletzt lähmte die monatelange Auseinandersetzung um
Bachmeiers vorzeitigen Abgang das Unternehmen; das eigentlich neu
strukturiert, personell reduziert und endlich zukunftsfit aufgestellt
werden sollte. Baurs Nachfolgerin Gabriele Fischer ist bisher auch
noch nicht über die Stunde null hinausgekommen.
Die am Boden liegende Traglufthalle symbolisiert deshalb den
aktuellen Zustand der Flüchtlingsgesellschaft, die wegen kritisierter
Sicherheitsmängel in den Asylheimen mehr denn je in Frage gestellt
wird. Ein neuer Geschäftsführer ist wohl die letzte Chance – für die
TSD und die Landesregierung. Möglicherweise gilt jedoch der Spruch
der Dakota-Indianer: Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest,
steig ab!

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