- 31.10.2018, 22:00:01
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 1. November 2018. Von MARIO ZENHÄUSERN. "Sportpolitischer Offenbarungseid".
Innsbruck (OTS) - Aus finanzieller Sicht ist die Luft in der
Fußball-Bundesliga zu dünn für zwei Vereine. Soll Profifußball in
Tirol eine Chance haben, braucht es eine rasche Entscheidung.
Der FC Wacker Innsbruck steht wieder einmal am Abgrund. Nicht
sportlich: Zwar hat die Truppe von Trainer Karl Daxbacher auch da
noch Luft nach oben, aber die Lage ist nicht so aussichtslos, wie
viele glauben. Nein, es geht wieder einmal um die finanzielle
Schieflage, die der Verein nicht in den Griff bekommt. Wobei klar
festzuhalten ist, dass ein beträchtlicher Teil der Verantwortung für
die triste Situation auf das Konto des Vereins selbst geht, der
jahrelang über seine Verhältnisse gewirtschaftet hat.
Nach dem Wiederaufstieg in die Bundesliga durfte „der Wacker“ kurz
Morgenluft wittern. Aber eben nur kurz. Mittlerweile ist die Euphorie
ebenso verflogen, wie die Schulterklopfer aus Politik und Wirtschaft
wieder verschwunden sind. Meist ohne die versprochenen Zusagen
einzuhalten. Einzig die Tatsache, dass mit Gerhard Stocker ein
schwarzgrüner Idealist an der Spitze steht, der mit eigenem Geld
immer wieder dafür sorgt, dass der Laden weiterläuft, hält den FC
Wacker am Leben.
Dieses typisch tirolerische Weiterwurschteln könnte bald ein jähes
Ende haben. Derzeit hat es den Anschein, als ob in der Saison 2019/20
mit der WSG Wattens ein zweiter Tiroler Verein in der Bundesliga
spielen und damit auch bei der öffentlichen Hand und bei
Wirtschaftstreibenden um Sponsorgelder anklopfen könnte. Eine
Situation, die Funktionären, Politikern und der heimischen Wirtschaft
den sportpolitischen Offenbarungseid abverlangt. Spätestens dann
werden sie eine Entscheidung für oder gegen den Profifußball in Tirol
treffen und entsprechend umsetzen müssen.
Schon für einen Verein ist der Spielbetrieb in der höchsten Liga des
Landes ein finanzielles Husarenstück. Bei zwei Tiroler Vertretern
wird die Luft noch dünner. Wahrscheinlich zu dünn.
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