• 18.09.2018, 20:29:40
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  • OTS0219

Oö. Volksblatt: "Chaostheorie" (von Herbert SCHICHO)

Ausgabe vom 19. September 2018

Utl.: Ausgabe vom 19. September 2018 =

Linz (OTS) - Christian Kern geht nicht nur als kürzest amtierender
Bundeskanzler, sondern wohl auch als kürzest dienender
SPÖ-Parteivorsitzender in die Annalen ein. Als einziger der neun
Parteichefs seit 1945 ist er der SPÖ keine 1000 Tage vorgesessen. Für
viel mehr als eine Fußnote in der österreichischen Geschichte wird es
deshalb nicht reichen. Und die Frage, ob die europäische Geschichte
wirklich auf ihn wartet, muss vorerst unbeantwortet bleiben. Wie so
vieles bei dem skurrilen Schauspiel, das die SPÖ und ihr Vorsitzender
gestern aufgeführt haben.
Und losgelöst von seinem persönlichen Schicksal bleibt auch, dass er
die österreichische Sozialdemokratie mit seinem Abgang ins völlige
Chaos gestürzt hat. Statt marxistischer Theorie nun Chaostheorie?
Wenn sich die Genossen in 18 Tagen in Wels zu ihrem Parteitag
treffen, wird statt eines Neubeginns wohl eher Ratlosigkeit auf der
Tagesordnung stehen. Statt klarer Ansagen wird es viele Fragen geben
und statt einer strukturellen Öffnung wilde Personalspekulationen —
selbst wenn sich die Granden jetzt rasch auf einen Nachfolger oder
eine Nachfolgerin einigen können und dieser oder diese schon in Wels
gewählt wird.
Ja, Christian Kern verwirklicht seinen persönlichen Plan B. Seine
Partei bleibt aber weiterhin planlos.

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