- 14.09.2018, 22:00:01
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 15. September 2018. Von ALOIS VAHRNER. "Finanzkrise und neue Gefahren".
Innsbruck (OTS) - Auch zehn Jahre nach ihrem Ausbruch wirkt die
globale Finanzkrise noch immer massiv nach. Der Brand wurde gelöscht,
die Vorsorge gegen neue verheerende Finanzbrände ist aber immer noch
zu halbherzig.
Heute exakt vor zehn Jahren passierte der vielleicht größte
Finanzschock der Geschichte, mit Auswirkungen bis heute. Die
US-Investmentbank Lehman Brothers musste am 15. September 2008
Insolvenzantrag stellen. Keine Riesenbank, aber eine, in der viele
faule Immobilienkredite zu toxischen Wertpapieren verpackt und mit
dubiosen Gütesiegeln großer Ratingagenturen versehen wurden. Als die
Preise am US-Häusermarkt zu sinken begannen und die Hypotheken der
überschuldeten Eigenheimer wertlos wurden, kam es zum Flächenbrand.
Es kam zu heftigen Turbulenzen an den Börsen, das internationale
Finanzsystem drohte zu implodieren. Die rasant über den ganzen Globus
ausgebreiteten Schockwellen ließen den Welthandel einbrechen, in
vielen Ländern stürzte die Wirtschaft in eine tiefe Rezession.
In einer gewaltigen Feuerwehraktion mussten allein die USA und die
EU-Staaten mit der unglaublichen Summe von über 800 Mrd. Euro das
Finanzsystem vor dem sonstigen Kollaps retten – zusammen mit den
Notenbanken, die drastische Zinssenkungen durchführten und bis heute
Irrsinnsgelder ins System pumpten. In Europa folgte auf die
Finanzkrise die Schuldenkrise, das Euro-System geriet wegen seiner
Krisenländer wie Griechenland massiv ins Wanken.
Es waren dramatische Monate und Jahre, in denen glücklicherweise das
Schlimmste mit außergewöhnlichen Mitteln verhindert werden konnte.
Doch der Preis, der dafür zu zahlen war, war sehr hoch, exorbitant
hoch. Auch ein Jahrzehnt später wirkt die Finanzkrise noch immer
stark nach.
Der Großbrand des Finanzsystems konnte gelöscht werden, doch wurden
die richtigen Schlüsse gezogen, damit Vergleichbares oder sogar noch
Ärgeres nicht mehr passieren kann? Lehman war keine besonders große
Bank, doch sie hätte beinahe das globale Finanzsystem in den Abgrund
gezogen. Zweifellos wurden Vorschriften für verschiedenste
Finanzgeschäfte verschärft, es kamen Stresstests für Finanzinstitute.
Aber viele Regelungen blieben zu mutlos und zu halbherzig. Und in den
USA ist die Trump-Regierung dabei, die Gesetze aus der Obama-Ära zu
lockern, die als Lehre aus der Finanzkrise beschlossen worden waren.
Das Finanzsystem sei heute viel stabiler, wird versichert. Aber ob
das im Fall der Fälle ausreicht, ist eine andere Frage. Denn viele
Probleme wurden mit der Geldschwemme der Notenbanken nur zugedeckt.
Neue Finanzblasen, Immobilienspekulationen oder Schulden der
Schwellenländer sind gefährlich. Die Welt muss sehr wachsam bleiben.
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