• 29.07.2018, 08:00:16
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Suchtmittelbericht 2017: Höchstwert der letzten zehn Jahre erreicht

Zahl der Anzeigen durch Schwerpunktaktionen und steigende Umsätze im Darknet auf 42.610 Anzeigen gestiegen.

Utl.: Zahl der Anzeigen durch Schwerpunktaktionen und steigende
Umsätze im Darknet auf 42.610 Anzeigen gestiegen. =

Wien (OTS) - Die Zahl der Anzeigen nach dem Suchtmittelgesetz (SMG)
ist 2017 um über 6.300 Anzeigen auf 42.610 und somit den Höchstwert
der letzten zehn Jahre gestiegen. Durch zahlreiche Schwerpunkt- und
Kontrollaktionen, aber auch durch steigende Umsätze im Darknet,
konnten die Polizei durchschnittlich 116 Anzeigen am Tag verbuchen.

2017 wurde erstmalig die Schwelle von 40.000 Anzeigen und somit eine
Verdoppelung der Delikte im letzten Jahrzehnt erreicht. Dabei stellte
die Polizei rund 70 kg Heroin, 71,4 kg Kokain, 1.659 kg
Cannabisprodukte, 446.465 Stück Ecstasy, 50,3 kg Amphetamin und 5 kg
Methamphetamin sowie 633,5 kg Khat 2017 sicher. Die Alterspanne der
25- bis 39-Jährigen ist die am häufigsten vertretene Gruppe.

„Die Deliktzahlen sind alarmierend und der Ermittlungs- und
Kontrollschwerpunkt der Polizei in diesem Bereich ist daher dringend
nötig“, würdigt Innenminister Herbert Kickl die im Bericht
dokumentierten Erfolge im Kampf gegen die Drogenkriminalität. Ein
weiterer wichtiger Schritt sei nun die im Regierungsprogramm
vereinbarte Verschärfung des Suchtmittelgesetzes im Hinblick auf
einen noch besseren Schutz Minderjähriger vor Drogen.

Suchtmitteldelikte sind Kontrolldelikte. Aufgrund der neuen
gesetzlichen Rahmenbedingungen hat die Polizei 2016 die Möglichkeit
erhalten, konsequent gegen den Suchtmittelhandel auf der Straße
vorzugehen. Besonders in der Bundes- und in den Landeshauptstädten
wurden Schwerpunktkontrollen gesetzt und so der Druck gegen die
Dealer verschärft. Insgesamt wurden drei Schwerpunktaktionen in Graz,
Bregenz und Innsbruck umgesetzt, die im Jahr 2018 weitergeführt
werden.

Herausforderungen und Ausblick 2018

Österreich war und wird auch weiterhin aufgrund der geografischen
Lage an der Balkan-Route ein Transitland und Umschlagplatz für
illegale Drogen und Sitz verschiedenster multinationaler
Tätergruppierungen sein. Darüberhinaus fordert der Flughafen
Wien-Schwechat als Umschlagplatz von den österreichischen
Strafverfolgungsbehörden besondere Maßnahmen und viel Engagement.
Zusätzlich sind die Auswirkungen der Migration in Österreich spürbar.
In den Statistiken spiegelt sich der hohe Anteil an fremden
Tatverdächtigen bei Verbrechenstatbeständen wider: rund die Hälfte
der angezeigten schweren Suchtmitteldelikte wurde von fremden
Tatverdächtigen begangen. Einen massiven Anstieg innerhalb eines
Jahres gab es bei afghanischen Staatsangehörigen von 1.103 auf 2.025
Tatverdächtige. Wie auch schon in den Jahren zuvor sind
Cannabis-Produkte das in Österreich am häufigsten konsumierte,
gehandelte, erzeugte und eingeführte illegale Suchtmittel.

Eine große Herausforderung ist der starke Anstieg der im Darknet
verkauften und mittels Briefen sowie Paketen zugestellten illegalen
Suchtmittel. Bestellt und verschickt werden vor allem synthetische
Suchtgifte. Besonders gefordert ist somit eine verstärkte,
koordinierte und international abgestimmte Ermittlungsarbeit, die
derzeit im Büro für Suchtmittelkriminalität im Bundeskriminalamt in
enger Kooperation mit den Zollbehörden und der Polizei am Flughafen
Wien-Schwechat umgesetzt wird. Die Ermittlungen stellen sich als
schwierig heraus, da angefangen von der Kontaktaufnahme über die
Verkaufsverhandlungen bis hin zur Bezahlung der gesamte Ein- und
Verkauf über verschlüsselte Netzwerke abgewickelt wird. Dennoch zeigt
sich, dass der Online-Drogenhandel den herkömmlichen Straßenhandel
nicht verdrängt. Vielmehr wird der Handel auf Online-Plattformen
genützt, um illegale Suchtmittel höherer Qualität zu erwerben und im
Straßenverkauf gewinnbringend weiter zu verkaufen. Somit erfolgt
durch den Internethandel eine Ergänzung des klassischen
Straßenhandels.

Über den Lagebericht

Der Suchtmittelbericht wird jährlich veröffentlicht und gibt einen
Überblick über die bekannt gewordenen gerichtlich strafbaren
Handlungen nach dem SMG in Österreich und den Bundesländern. In einem
Glossar werden zudem die Straftatbestände des SMG und des
Neue-Psychoaktive-Substanzen-Gesetzes (NPSG) sowie die
unterschiedlichen Suchtmittel beschrieben.

Der Suchtmittelbericht ist unter www.bundeskriminalamt.at abrufbar.

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