Bürdet Kirche Therapiekosten für Missbrauchsopfer von Priestern dem Steuerzahler auf?

Graz, Wien (OTS) - Wer trägt die Kosten von Psychotherapie und Reha für die oft schwer traumatisierten Opfer sexueller und körperlicher Gewalt durch Kirchenmitglieder? Ein aktueller Fall belegt nun, dass die Kirche die Kosten an die Krankenkassen weitergibt und damit den Steuerzahlern. Anstatt dass die Kirche selbst für die Gräueltaten ihrer Mitglieder aufkommt. 

Reha-Aufenthalt statt Entschädigung

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift News schildert das steirische Kirchenopfer Astrid Berger (Name geändert), wie sie von mehreren Kirchenmännern ab dem Alter von 13 sexuell missbraucht wurde. Mehr als zwanzig Jahre später wendet sie sich an die Klasnic-Kommission, die ihr zuerst auch finanzielle Entschädigung zusagt, schließlich jedoch nur einen Aufenthalt in einer Reha-Klinik vermittelt - auf Krankenkassen-Kosten. 

Vorwurf Sozialversicherungsbetrug

"Womöglich ist dieses Vorgehen der Normalfall", mutmaßt Sepp Rothwangl, Obmann der Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt. Es stelle sich die Frage, inwieweit die enormen Therapiekosten, die seit 2010 von der Klasnic-Kommission bewilligt und vermittelt wurden, von den Kassen, also von uns Steuerzahlenden übernommen wurden. Rotwangl verlangt nun Aufklärung und prüft eine Strafanzeige gegen die Klasnic Kommission und die Stiftung Opferschutz wegen Sozialversicherungsbetrugs.

Kommission im Zwielicht

Rund 2100 Betroffene von sexueller Gewalt, sadistischen Quälereien, perversen sexuellen Folterungen und schwersten körperlichen Züchtigungen durch Kirchenmitglieder in Internaten und Kirchen wurden seit 2010 bekannt, die Dunkelziffer beträgt etwa das Fünffache. Damals wurde von Kardinal Schönborn eine kircheneigene „Opferschutz-Kommission”, geführt von der Ex-ÖVP Landeshauptfrau Waltraud Klasnic, eingerichtet. Sie wird von der Kirche finanziert und gesteuert. Seither steht diese Kommission in der Kritik von Kirchenopfern und der Plattform Betroffener Kirchlicher Gewalt. Der Vorwurf: Opfer werden mit Almosen abgespeist, Täter gedeckt, Strafverfahren und Schadenersatzverfahren behindert. Opfern wird die Vernetzung untereinander verwehrt, die Herausgabe von Infos an die Gerichte verweigert, dafür jedoch die internen Daten der Opfer an die Bischofskonferenz und oft an die Täter weitergegeben. Ferner ist diese Kommission ein besorgniserregender Präzedenzfall einer Parallel-Justiz, in welcher die Kirche als Arbeitgeber der Täter deren Verbrechen außerhalb der staatlichen Behörden abwickeln. Auch aus demokratiepolitischer Sicht ein unhaltbarer Vorgang.

News-Artikel: www.news.at/a/cover-scheinkommission-10205149

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