Bundesjugendvertretung präsentiert Leitfaden „Kinderrechte in der Berichterstattung“

Bei einem Pressegespräch präsentierte die BJV ihren neuen Leitfaden und zeigte gemeinsam mit Volksanwalt Dr. Kräuter den Handlungsbedarf im Bereich Kinderrechte auf.

Wien (OTS) - Im Rahmen ihrer Kampagne „Armut ist kein Kinderspiel“ beschäftigt sich die Bundesjugendvertretung (BJV) mit den Rechten von Kindern und mit der öffentlichen Darstellung junger Menschen. Dazu hat sie den Leitfaden „Kinderrechte in der Berichterstattung“ erstellt, der sich an Medien und Organisationen richtet. Die BJV will damit Möglichkeiten zur Berücksichtigung von Kinderrechten in der Berichterstattung aufzeigen.

„Leider ist es immer noch so, dass Kinder- und Jugendbelange in vielen Bereichen eher Randthemen sind. Umso bedeutender ist es, die Anliegen junger Menschen einzubringen und sich für ihre Rechte einzusetzen“, so BJV-Vorsitzende Caroline Pavitsits bei der heutigen Präsentation in der Volksanwaltschaft.

Grundsätzlich gibt es rechtliche Vorgaben, aber auch Empfehlungen von Presserat und der UN-Kinderrechtskonvention. Vor diesem Hintergrund werden im Leitfaden unterschiedliche Themen behandelt, in deren Zusammenhang über Kinder und Jugendliche berichtet wird. Außerdem beinhaltet der Leitfaden Stimmen von Kindern und Jugendlichen, ExpertInnen und JournalistInnen sowie rechtliche Hintergründe und konkrete Empfehlungen.

Volksanwalt Günther Kräuter: „Kinderrechte müssen in der medialen Berichterstattung stets geachtet werden – egal ob es um Armut, Gesundheit, Bildung oder Jugendkriminalität geht. Kinder und Jugendliche sollten zudem für sich selbst sprechen, sie müssen mit ihrer Alltagsrealität in den Mittelpunkt rücken." In diesem Sinne unterstützt die Volksanwaltschaft die BJV, die dieses wichtige Thema aufgegriffen und einen Leitfaden für Medien und Organisationen entwickelt hat.

Medienanalytikerin Mag.a Maria Pernegger präsentierte beim heutigen Pressegespräch zentrale Ergebnisse einer Medienanalyse über sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche: „Kinderarmut bremst nachweislich Kinder aus. Aber auch öffentliche Diffamierung, das Schüren von Vorurteilen und Ausgrenzung sozial und ökonomisch benachteiligter Kinder trägt dazu bei, dass Kinder nicht die gleichen Chancen in einer Gesellschaft erleben. Medien sind in hohem Maß bewusstseinsbildend, genau deshalb kommt ihnen in diesem Kontext eine wichtige Vermittlerrolle zu.“

Kinderrechte im Medienalltag

Die Berücksichtigung der Kinderrechte lässt sich im Medienalltag oft schwer umsetzen. „Insgesamt kommt die Perspektive von Kindern und Jugendlichen bei vielen Themen eher wenig vor. Oft werden auch die Facetten von Kindern und Jugendlichen reduziert dargestellt, beispielsweise sind armutsbetroffene Kinder mehr als nur arm. Auch Klischees werden immer wieder verstärkt, im Text und in der Bildsprache“, erklärt Pavitsits. Wenn Betroffene einbezogen werden, lassen sich viele dieser Darstellungen vermeiden. Darüber hinaus plädiert die BJV für eine ausgewogene Darstellung. „Wichtige Themen für Jugendliche, wie Arbeitslosigkeit sollen auch entsprechend öffentlich dargestellt werden, um wahrgenommen zu werden“, so Pavitsits.

„Wir müssen uns als Gesellschaft davon verabschieden, in der politischen und medialen Debatte die Kinder auszuschließen, wenn es um Kinderagenden geht. Hier braucht es die Einbeziehung und die Stimme der Kinder - sie sind ExpertInnen in eigener Sache“, bekräftigt Pernegger.

Kinderrechte stärken!

Wichtig ist der BJV, dass Kinderrechte auch von der Politik berücksichtigt werden. „Um den Stellenwert der Kinderrechtskonvention zu erhöhen, müssen alle Kinderrechte in Verfassungsrang gesetzt werden. Insgesamt müssen die Kinderrechte für die Politik aller Ressorts ein selbstverständliches Leitmaß sein. Kinderrechte gehen alle an“, betont Pavitsits. In diesem Zusammenhang fordert die BJV die Politik auf, Kinderrechte bei aktuellen Gesetzesvorhaben, wie der Kompetenzverschiebung im Bereich Kinder- und Jugendhilfe, an vorderste Stelle zu rücken.

Volksanwalt Kräuter fordert zudem eine breite Diskussion zum Thema Kinderrechte im Parlament: „Im Rahmen einer parlamentarischen Enquete sollten Themen wie Kinder- und Jugendhilfe, Kinderarmut und mediale Berichterstattung behandelt werden. Ministerien, Parlamentsfraktionen, Verwaltung, Wissenschaft und Forschung, Volksanwaltschaft, Kinder- und Jugendanwaltschaften, der Dachverband Österreichischer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen, Bundesjugendvertretung, Zivilgesellschaft sowie Kinder und Jugendliche selbst sollten zu Wort kommen."

Die BJV unterstützt den Vorschlag von Volksanwalt Dr. Kräuter nach einer Kinderrechte-Enquete im Parlament, um das Bekenntnis zu Kinderrechten quer durch die Ressorts zu stärken.

Workshops zu Kinderrechten in der Berichterstattung

Um das Bewusstsein für Kinderrechte in der Berichterstattung zu schärfen und detaillierte Informationen dazu zu liefern, organisiert die BJV Workshops für Medien und Organisationen. Der erste Workshop mit juristischem Schwerpunkt findet am 23.7.2018 von 17-20 Uhr in Wien statt.

Weitere Informationen und Details: www.bjv.at/genugjetzt

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