• 20.06.2018, 10:02:22
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  • OTS0063

Zehn Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise hat sich die Lage der österreichischen Banken normalisiert

Präsentation des 35. Financial Stability Report der OeNB

Utl.: Präsentation des 35. Financial Stability Report der OeNB =

Wien (OTS) - Zehn Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise ist das
österreichische Bankensystem zur Normalität zurückgekehrt. Nach den
großen Restrukturierungen der letzten Jahre haben die Bankengewinne
wieder ihr Vorkrisenniveau erreicht. Dennoch bleibt es wichtig,
effizienzsteigernde Maßnahmen voranzutreiben, um die
Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und über die Einbehaltung von
Gewinnen die Risikotragfähigkeit der Banken weiter zu stärken. Um die
Finanzmarktstabilität dauerhaft zu sichern, sollen die Banken auch
auf eine nachhaltige Kreditvergabe, insbesondere bei
Immobilienfinanzierungen, achten.

„Die jüngsten Marktturbulenzen führten zu gestiegenen Risikoprämien
bei Staatsanleihen und zu Kursverlusten auf den europäischen
Aktienmärkten. Das unterstreicht die Notwendigkeit, auf dem Weg zu
einem stabilen Rahmenwerk für den europäischen Banken- und
Finanzmarkt möglichst schnell voranzuschreiten“, sagte Gouverneur
Ewald Nowotny anlässlich der Präsentation der 35. Ausgabe des
Financial Stability Report der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB).
Die österreichische Wirtschaft verzeichnete im Jahr 2017 erneut ein
dynamisches Wachstum. Dabei profitierten sowohl Unternehmen als auch
private Kreditnehmer von historisch niedrigen Zinsen. Auch Zentral-,
Ost- und Südosteuropa (CESEE) erlebt weiterhin eine starke
wirtschaftliche Expansion, was sich auch in den Gewinnen der
österreichischen Tochterbanken widerspiegelt.

Das kräftige Wirtschaftswachstum des Vorjahres unterstützte die
Ertragskraft österreichischer Unternehmen und hat sowohl deren
Schuldendienst erleichtert als auch ihr internes
Finanzierungspotenzial gestärkt. Die anhaltende Erholung der
Investitionen erhöhte den Finanzierungsbedarf österreichischer
Unternehmen. Trotz der zunehmenden Aufnahme von Eigenkapital entfiel
auch im Jahr 2017 ein Großteil der externen Finanzierung von
nichtfinanziellen Unternehmen auf Kreditinstrumente. Zum ersten Mal
seit fünf Jahren stellte dabei der heimische Finanzsektor die
wichtigste Fremdfinanzierungsquelle für den österreichischen
Unternehmenssektor dar und stellte knapp die Hälfte der
Finanzierungsmittel bereit, nachdem in den beiden Jahren zuvor der
größte Anteil aus ausländischen Finanzierungsquellen stammte.

Bei den privaten Haushalten führte die geringere Sparquote im Jahr
2017 zu einem Rückgang der Geldvermögensbildung. Im Niedrigzinsumfeld
zeigten die privaten Haushalte weiterhin eine starke Präferenz für
hochliquide Bankeinlagen, während Nettoveranlagungen in
Lebensversicherungen und Pensionsvorsorge im Jahr 2017 negativ waren.
Das Wachstum der Bankkredite an private Haushalte hielt an und wurde
weiterhin zu einem großen Teil von Immobilienfinanzierungen getragen.
Aber auch Konsumkredite, die seit Ausbruch der Krise rückläufig
waren, verzeichneten wieder positive Wachstumsraten. Die Anteile der
Fremdwährungskredite und der variabel verzinsten Kredite an den
Krediten an private Haushalte gingen weiter zurück, wenngleich beide
im europäischen Vergleich immer noch hoch sind.

Zehn Jahre nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman
Brothers im Jahr 2008 hat sich die Lage der österreichischen Banken
normalisiert. „Im Jahr 2017 verzeichnete der österreichische
Bankensektor die höchste konsolidierte Profitabilität seit Ausbruch
der Krise. Damit kehrt er wieder zur Normalität zurück, wenngleich es
sich um eine neue Form der Normalität handelt“, führte
Vize-Gouverneur Andreas Ittner aus. Umstrukturierungen und
Konsolidierungen haben die Struktur des österreichischen
Bankensystems verändert, während zusätzliches Kernkapital aufgebaut
und Kreditrisiken reduziert wurden, was zu einer Verbesserung der
Finanzmarktstabilität beigetragen hat.

Die österreichischen Banken konnten ihre Gewinne im Jahr 2017 sowohl
im Inland als auch im Ausland erneut steigern. Diese Profitabilität
beruht aber sehr stark auf historisch niedrigen Risikokosten. Aus
diesem Grund ist es weiterhin wichtig, die operative Profitabilität
nachhaltig zu stärken, d.h. die Kostenstruktur weiter zu optimieren.
Die systemischen Risiken aus der Immobilienfinanzierung in Österreich
sind derzeit begrenzt, allerdings muss dies auch in Zukunft durch
nachhaltige Kreditvergabestandards sichergestellt werden. Als
nachhaltig erachtet die OeNB dabei ein angemessenes Mindestmaß an
Eigenmittel der Kreditnehmenden, eine sinnvolle Begrenzung ihres
Schuldendienstes im Verhältnis zum Nettoeinkommen sowie Laufzeiten,
die nicht unverhältnismäßig lang ausfallen und die
Einkommensentwicklung über den Lebenszyklus berücksichtigen.

Die OeNB empfiehlt den Banken im Lichte der genannten Entwicklungen
und im Hinblick auf die Stärkung der Finanzmarktstabilität,

• die Sicherung einer nachhaltigen Profitabilität durch weitere
Effizienzsteigerungen, um eine weitere Erhöhung der Kapitalisierung
sowie Investitionen in Informationstechnologie zu ermöglichen,
• eine nachhaltige Kreditvergabe, insbesondere bei der
Immobilienfinanzierung,
• eine weitere Reduktion der notleidenden Kredite sowie die
• weitere Einhaltung der aufsichtlichen Mindeststandards zu
Fremdwährungs- und Tilgungsträgerkrediten sowie des
Nachhaltigkeitspakets.

Der halbjährlich in englischer Sprache erscheinende Financial
Stability Report der OeNB analysiert finanzmarktstabilitätsrelevante
Entwicklungen in Österreich und im internationalen Umfeld sowie
Spezialthemen im Zusammenhang mit der Finanzmarktstabilität.

Weitere Informationen dazu finden Sie unter:
http://www.oenb.at/Publikationen/Finanzmarkt/Finanzmarktstabilitaetsb
ericht.html

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