• 15.06.2018, 11:34:07
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  • OTS0114

Kunstrückgabebeirat beschloss drei Empfehlungen

Wien (OTS) - Der in Wien geborene Antiquar und Buchhändler Hans Peter
Kraus (1907 – 1988) wurde von den Nationalsozialisten als Jude
verfolgt, mehrfach verhaftet sowie nach Dachau und Buchenwald
deportiert. Hans Peter Kraus flüchtete im Jahr 1939 über Schweden in
die USA. Das Antiquariat wurde aufgelöst, die Bestände durch einen
seiner ehemaligen Mitarbeiter und dessen Geschäftspartner entzogen.
Das 1942 vom Naturhistorischen Museum erworbene Buch lässt sich wegen
der Vermerke im Buch eindeutig als Teil dieses entzogenen Bestandes
feststellen, sodass der Beirat die Rückgabe empfahl.

Weiters wurde die Rückgabe des Aquarells „Schaufelndes Bauernmädchen“
von August Xaver von Pettenkofen aus der Grafischen Sammlung
Albertina an die Erben nach Louis Rothschild empfohlen. Das Aquarell,
das seit 1948 als Kunstwerk aus ungeklärtem Besitz galt, wurde der
Albertina im Jahr 1963 zugewiesen. Die Zuschreibung des Blattes zur
Sammlung von Louis Rothschild wurde nun möglich durch die Edition der
Zentraldepotkartei, einem gemeinsamen Projekt der Kommission für
Provenienzforschung und des Kunsthistorischen Museums. Im sogenannten
Zentraldepot wurden vom NS-Regime Kunstwerke aus beschlagnahmten
Sammlungen verwahrt. Durch die Edition der Kartei konnte nun
festgestellt werden, dass das Blatt aus dem Jagdhaus von Louis
Rothschild in Steinbach stammt.

Mit der Sammlung von Dr. Michael Berolzheimer hat sich der Beirat
bereits im Jahr 2001 befasst. Nach einem Hinweis des Holocaust Claims
Processing Office, New York, überprüfte die Kommission für
Provenienzforschung die Herkunft der heute im MAK verwahrten
Zeichnung von Giovanni da Udine, Studie zu einem Groteskendekor. Wie
sich aus einem im Jahr 2013 aufgefundenen, mit Verkaufsergebnissen
ergänzten Katalog der Münchener Kunsthandlung Weinmüller festgestellt
werden konnte, sollte das Blatt mit anderen Teilen der Kunstsammlung
des von den Nationalsozialisten verfolgten und in die USA
geflüchteten Michael Berolzheimer verwertet werden. In der Folge
wurde das Blatt vom damaligen Staatlichen Kunstgewerbemuseum (dem
heutigen MAK) von der Kunsthandlung erworben.

Schließlich vertagte der Beirat seine Beratungen zu fünf Objekten,
die von Mitgliedern der Familie Wittgenstein dem Museum für
Volkskunde in den Jahren 1938 und 1940 geschenkt wurden.

Die Beschlüsse sind im Wortlaut auf der Webseite der Kommission für
Provenienzforschung wiedergegeben:
www.provenienzforschung.gv.at.

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