Neues Volksblatt: "Brückenbauer" (von Manfred MAURER)

Ausgabe vom 6. Juni 2018

Linz (OTS) - Mit Argusaugen und einem gewissen Stirnrunzeln verfolgte das europäische Ausland Putins Wien-Visite. Das ist insofern verständlich, als der Blick durch die Entfernung eben oft etwas getrübt wird. Im daraus resultierenden Zerrbild der österreichischen Realität erscheint die Bedeutung der unbestritten distanzlosen Verhaberung der FPÖ mit der Kremlpartei viel größer als sie es tatsächlich ist. Manche wollen es vielleicht auch genauso sehen, um sich entsprechend empören zu können.
Der Staatsbesuch hat in diesem Sinn aufklärend gewirkt. Der Verdacht, Österreich könnte einen Sonderweg ein- und sich auf die Seite Russlands schlagen, wurde jedenfalls entkräftet. Was die Sanktionen angeht, handelt Österreich im Einklang mit der Eu. Mit dieser Feststellung hat der Bundespräsident gegenüber Putin nur fast wortgleich bekräftigt, was im Koalitionsabkommen der Bundesregierung steht.
Das Mittragen der EU-Politik schließt nicht das Bemühen um eine Entkrampfung des russisch-europäischen Verhältnisses aus. Wer Österreich das vorwirft, müsste das auch der deutschen Kanzlerin Merkel oder dem französischen Präsidenten Macron vorwerfen, die im Mai Putin besucht haben. Auch sie sehen keine Alternative zum Dialog. Erfolgreich werden all die Brückenbauer aber nur sein, wenn auf der russischen Seite ein tragfähigeres Fundament entsteht. Dazu hätte Putin in Wien Ansagen machen können, die leider ausgeblieben sind.

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