Nationalrat unterstützt einhellig Impulse für mehr musische Bildung

Mehrheit auch für neue Online-Plattform von Kultureinrichtungen des Bundes

Wien (PK) - Seine Unterstützung für stärkere Kulturvermittlung an Kinder und Jugendliche und möglichst frühe musische Bildung brachte der Nationalrat heute mit Entschließungen zum Ausdruck. Mit Mehrheit angenommen wurde vom Nationalrat dazu ein Entschließungsantrag der Koalitionsparteien, der Unterstützung für eine Online-Plattform von Kultureinrichtungen des Bundes ausdrückt. Das Angebot im Bereich der Kunstvermittlung habe sich in den letzten Jahren rasant entwickelt, heißt es im Antrag, nun sollen die Bundesmuseen, die Österreichische Nationalbibliothek sowie die Bundestheater mit einem gemeinsamen Online-Auftritt auf ihre Vermittlungsangebote für Kinder und Jugendliche verstärkt aufmerksam machen. Kulturminister Gernot Blümel stellte eine rasche Umsetzung dieses Vorhabens in Aussicht. Die RednerInnen der Opposition verwiesen auf eine Vielzahl bereits bestehender ähnlicher Plattformen und sahen keine Notwendigkeit, eine weitere zu schaffen. Sie brachten deshalb einen gemeinsamen Antrag auf Ausbau bestehender Angebote ein, der aber in der Minderheit blieb.

Das Ziel der Förderung der musischen Bildung von Kindern und Jugendlichen verfolgt ein weiterer Antrag der Koalitionsparteien. Er fand in der Fassung eines Abänderungsantrags aller Fraktionen einhellige Zustimmung. Die Abgeordneten richten damit an den Kulturminister den Appell, gemeinsam mit dem Bildungsministerium und den Bundesländern nach Möglichkeiten zu suchen, wie neue Impulse in der musischen Ausbildung bzw. für den Musikunterricht gesetzt werden können.

SPÖ unterstützt Initiative zu musischer Bildung inhaltlich, vermisst aber konkrete Maßnahmen

Seitens der SPÖ signalisierte Sonja Hammerschmid Zustimmung zu den grundsätzlichen Zielen, Kulturvermittlung und musische Bildung junger Menschen zu fördern. Leider habe die Bundesregierung bisher im Kulturbereich nur Absichten geäußert, diese aber nicht mit Budgetmitteln ausgestattet. Gerade ganztätige Schulformen wären ein guter Rahmen für die Förderung auch der musischen Fächer, für diese habe die Regierung aber die Mittel halbiert. Zur Frage der Online-Plattform der Bundesmuseen meinte Hammerschmid, es gebe bereits ein gutes Angebot für Kinder und Jugendliche. Sie brachte daher einen Entschließungsantrag von SPÖ, NEOS und Liste Pilz ein, der die Bundesregierung auffordern soll, Mittel für den Ausbau bestehender Angebote und Plattformen und für eine optimierte Auffindbarkeit über Suchmaschinen bereitzustellen.

SPÖ-Abgeordnete Andrea Kuntzl unterstrich, es bestehe Einigkeit, dass musische Bildung und Entwicklung musikalischer Fähigkeiten große pädagogische Bedeutung hätten. Die Maßnahmen, die heute beschlossen werden, seien jedoch leider sehr unverbindlich. Die Bundesregierung werde nur "ersucht, Möglichkeiten für Impulse auszuloten", statt sie aufzufordern, klare Initiativen zu setzen.

ÖVP: Kreativität durch Musik bereits in jungen Jahren fördern

ÖVP-Kultursprecherin Maria Großbauer betonte die Wichtigkeit der Förderung der Musikerziehung und der musischen Bildung. Sie freue sich daher über die einhellige Zustimmung zu diesem Vorstoß. Musik spiele eine große Rolle dabei, die Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen in vielfältiger Weise zu fördern. Daher sollte etwa eine engere Vernetzung von Schulen, Musikschulen und Institutionen gefördert werden. Sie denke dabei etwa an den Österreichischen Blasmusikverband, die Blasmusikjugend oder den Chorverband Österreich. Um den Antrag weiter zu konkretisieren, hatten alle Fraktionen einen Abänderungsantrag erarbeitet. Damit wird nun der Zeitrahmen für die Initiative genauer bestimmt.

Auch weitere Abgeordnete der ÖVP begrüßten die beiden Entschließungsanträge. Claudia Plakolm sagte etwa, der gemeinsame Online-Auftritt der Bundeskultureinrichtungen werde selbstverständlich laufend zu erweitern und an neue mediale Entwicklungen anzupassen sein. Ein niederschwelliger Zugang zu Kunst und Kultur sei der Koalition ein wichtiges Anliegen, daher solle es weiterhin den freien Eintritt in Bundesmuseen für Kinder und Jugendliche geben. Mit den Impulsen für musische Bildung soll der kulturpolitische Auftrag in Kindergärten und Schulen unterstrichen werden. Leider sei die Musikerziehung in letzter Zeit etwas in den Hintergrund geraten. Mit einer stärkeren Vernetzung von Schulen und Vereinen könne man sehr viel Positives bewirken.

Rudolf Taschner (ÖVP) begrüßte es nachdrücklich, mit einem Antrag das Bewusstsein für den Wert der musischen Bildung zu stärken, die oft in den Hintergrund trete. Musikunterricht habe auch hohen Wert für Sprachbildung und stärke auch das mathematische Verständnis. Johann Höfinger (ÖVP) berichtete von guten Erfahrungen mit der Vernetzung von Schulen, Musikschulen und Vereinen. Er freue sich daher über den gemeinsamen Antrag dazu.

NEOS: Absichtserklärungen bleiben ohne budgetäre Ausstattung

Claudia Gamon (NEOS) wies darauf hin, dass die Strategie zur Vermittlung von Kunst- Kultur bisher nur Absichtserklärungen enthalte. Jugendliche und Eltern hätten keine Probleme, die bereits bestehenden Kulturvermittlungsangebote zu finden, sie sehe es als reine Geldverschwendung, bestehende Seiten zu duplizieren. Vielmehr sollte man die Frage stellen, wie die Bundeskulturinstitutionen digitale Strategien, etwa zur Suchmaschinenoptimierung, für sich einsetzen können. Zu unklar formuliert ist für sie auch der Antrag zu mehr musischer Bildung. Sie halte es für ein wichtiges Anliegen, für das aber derzeit leider keine Budgetmittel vorgesehen seien.

FPÖ: Musikschulen leisten wesentliche Bildungsaufgaben

FPÖ-Kultursprecher Walter Rosenkranz hielt der Kritik von Gamon entgegen, die Ressourcen für die Umsetzung des Vorhabens seien vorhanden, denn es gebe bereits sehr gut ausgebildete PädagogInnen im Musikbereich. Man müsse nur dafür sorgen, dass sie richtig eingesetzt werden können und beispielsweise MusikschullehrerInnen in Volksschulen einsetzen. Der gesellschaftliche Stellenwert der Musikerziehung nehme leider ab, dem könne die Schule entgegenwirken. Bei der geplanten Plattform der Bundesmuseen handle es sich um eine geringe Summe, es sei erstaunlich, dass die Opposition genau aus diesem Grund daran Kritik übe. Das Projekt sei durchaus zeitgemäß und wichtig.

Brigitte Povysil (FPÖ) begrüßt es, wenn das Kulturangebot in einer zugänglichen und konzisen Form dargestellt wird. Die verschiedenen bestehenden Plattformen seien oft unübersichtlich und eine gemeinsame Kulturplattform, wie sie andere Städte haben, für die Wiener Kultureinrichtungen sinnvoll. Damit unterstütze man etwa Schulen und den Kulturtourismus allgemein. FPÖ-Abgeordnete Ricarda Berger sagte, die Freiheitlichen hätten stets den Wert der Musikerziehung betont. Für die österreichische Musiktradition seien gut funktionierende Musikschulen unerlässlich. Leider sei aufgrund einer verfehlten sozialdemokratischen Bildungspolitik die musische Bildung gerade in Wien stark vernachlässigt worden.

Liste Pilz kritisiert inhaltsleere Anträge

Wolfgang Zinggl sagte, der Antrag zu einer Online-Plattform sei schlichtweg Zeitverschwendung, denn der Kulturminister hätte den Plan ohne große Umstände bereits umsetzen können. Zudem gebe es solche Plattformen bereits. Er zweifle grundsätzlich an der Sinnhaftigkeit des Vorgehens, den Nationalrat mit Entschließungen zu befassen, die nur die Bundesregierung umständlich ersuchen, endlich umzusetzen, was sie ohnehin bereits plane. Er habe bereits kundgetan, dass seine Fraktion der Initiative zur musischen Bildung zustimmen werde, auch wenn sie wenig konkret sei. Mehr sei dazu nicht zu sagen.

Kulturminister Blümel begrüßt Initiativen des Nationalrats

Kulturminister Gernot Blümel zeigte sich verwundert über abwertende Zwischenrufe von Abgeordneten bei Themen, über die eigentlich Konsens herrschen sollte. Wichtig sei es, Kinder und Jugendliche mit Kunst und Kultur frühzeitig und niederschwellig in Kontakt zu bringen. Ein gebündeltes Angebot sei hier eine wichtige Unterstützung, meinte er zur Frage der Online-Plattform der Bundesmuseen und Bundestheater. Die Zusammenarbeit von Schulen und Musikschulen müsse strukturiert stattfinden, damit werde man viele positive Effekte erzielen. (Fortsetzung Nationalrat) sox

Rückfragen & Kontakt:

Pressedienst der Parlamentsdirektion
Parlamentskorrespondenz
Tel. +43 1 40110/2272
pressedienst@parlament.gv.at

http://www.parlament.gv.at
www.facebook.com/ParlamentWien
www.twitter.com/oeparl

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NPA0002