- 17.05.2018, 15:33:47
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- OTS0227
Nationalrat unterstützt einhellig Impulse für mehr musische Bildung
Mehrheit auch für neue Online-Plattform von Kultureinrichtungen des Bundes
Utl.: Mehrheit auch für neue Online-Plattform von
Kultureinrichtungen des Bundes =
Wien (PK) - Seine Unterstützung für stärkere Kulturvermittlung an
Kinder und Jugendliche und möglichst frühe musische Bildung brachte
der Nationalrat heute mit Entschließungen zum Ausdruck. Mit Mehrheit
angenommen wurde vom Nationalrat dazu ein Entschließungsantrag der
Koalitionsparteien, der Unterstützung für eine Online-Plattform von
Kultureinrichtungen des Bundes ausdrückt. Das Angebot im Bereich der
Kunstvermittlung habe sich in den letzten Jahren rasant entwickelt,
heißt es im Antrag, nun sollen die Bundesmuseen, die Österreichische
Nationalbibliothek sowie die Bundestheater mit einem gemeinsamen
Online-Auftritt auf ihre Vermittlungsangebote für Kinder und
Jugendliche verstärkt aufmerksam machen. Kulturminister Gernot Blümel
stellte eine rasche Umsetzung dieses Vorhabens in Aussicht. Die
RednerInnen der Opposition verwiesen auf eine Vielzahl bereits
bestehender ähnlicher Plattformen und sahen keine Notwendigkeit, eine
weitere zu schaffen. Sie brachten deshalb einen gemeinsamen Antrag
auf Ausbau bestehender Angebote ein, der aber in der Minderheit
blieb.
Das Ziel der Förderung der musischen Bildung von Kindern und
Jugendlichen verfolgt ein weiterer Antrag der Koalitionsparteien. Er
fand in der Fassung eines Abänderungsantrags aller Fraktionen
einhellige Zustimmung. Die Abgeordneten richten damit an den
Kulturminister den Appell, gemeinsam mit dem Bildungsministerium und
den Bundesländern nach Möglichkeiten zu suchen, wie neue Impulse in
der musischen Ausbildung bzw. für den Musikunterricht gesetzt werden
können.
SPÖ unterstützt Initiative zu musischer Bildung inhaltlich, vermisst
aber konkrete Maßnahmen
Seitens der SPÖ signalisierte Sonja Hammerschmid Zustimmung zu den
grundsätzlichen Zielen, Kulturvermittlung und musische Bildung junger
Menschen zu fördern. Leider habe die Bundesregierung bisher im
Kulturbereich nur Absichten geäußert, diese aber nicht mit
Budgetmitteln ausgestattet. Gerade ganztätige Schulformen wären ein
guter Rahmen für die Förderung auch der musischen Fächer, für diese
habe die Regierung aber die Mittel halbiert. Zur Frage der Online-
Plattform der Bundesmuseen meinte Hammerschmid, es gebe bereits ein
gutes Angebot für Kinder und Jugendliche. Sie brachte daher einen
Entschließungsantrag von SPÖ, NEOS und Liste Pilz ein, der die
Bundesregierung auffordern soll, Mittel für den Ausbau bestehender
Angebote und Plattformen und für eine optimierte Auffindbarkeit über
Suchmaschinen bereitzustellen.
SPÖ-Abgeordnete Andrea Kuntzl unterstrich, es bestehe Einigkeit, dass
musische Bildung und Entwicklung musikalischer Fähigkeiten große
pädagogische Bedeutung hätten. Die Maßnahmen, die heute beschlossen
werden, seien jedoch leider sehr unverbindlich. Die Bundesregierung
werde nur "ersucht, Möglichkeiten für Impulse auszuloten", statt sie
aufzufordern, klare Initiativen zu setzen.
ÖVP: Kreativität durch Musik bereits in jungen Jahren fördern
ÖVP-Kultursprecherin Maria Großbauer betonte die Wichtigkeit der
Förderung der Musikerziehung und der musischen Bildung. Sie freue
sich daher über die einhellige Zustimmung zu diesem Vorstoß. Musik
spiele eine große Rolle dabei, die Fähigkeiten von Kindern und
Jugendlichen in vielfältiger Weise zu fördern. Daher sollte etwa eine
engere Vernetzung von Schulen, Musikschulen und Institutionen
gefördert werden. Sie denke dabei etwa an den Österreichischen
Blasmusikverband, die Blasmusikjugend oder den Chorverband
Österreich. Um den Antrag weiter zu konkretisieren, hatten alle
Fraktionen einen Abänderungsantrag erarbeitet. Damit wird nun der
Zeitrahmen für die Initiative genauer bestimmt.
Auch weitere Abgeordnete der ÖVP begrüßten die beiden
Entschließungsanträge. Claudia Plakolm sagte etwa, der gemeinsame
Online-Auftritt der Bundeskultureinrichtungen werde
selbstverständlich laufend zu erweitern und an neue mediale
Entwicklungen anzupassen sein. Ein niederschwelliger Zugang zu Kunst
und Kultur sei der Koalition ein wichtiges Anliegen, daher solle es
weiterhin den freien Eintritt in Bundesmuseen für Kinder und
Jugendliche geben. Mit den Impulsen für musische Bildung soll der
kulturpolitische Auftrag in Kindergärten und Schulen unterstrichen
werden. Leider sei die Musikerziehung in letzter Zeit etwas in den
Hintergrund geraten. Mit einer stärkeren Vernetzung von Schulen und
Vereinen könne man sehr viel Positives bewirken.
Rudolf Taschner (ÖVP) begrüßte es nachdrücklich, mit einem Antrag das
Bewusstsein für den Wert der musischen Bildung zu stärken, die oft in
den Hintergrund trete. Musikunterricht habe auch hohen Wert für
Sprachbildung und stärke auch das mathematische Verständnis. Johann
Höfinger (ÖVP) berichtete von guten Erfahrungen mit der Vernetzung
von Schulen, Musikschulen und Vereinen. Er freue sich daher über den
gemeinsamen Antrag dazu.
NEOS: Absichtserklärungen bleiben ohne budgetäre Ausstattung
Claudia Gamon (NEOS) wies darauf hin, dass die Strategie zur
Vermittlung von Kunst- Kultur bisher nur Absichtserklärungen
enthalte. Jugendliche und Eltern hätten keine Probleme, die bereits
bestehenden Kulturvermittlungsangebote zu finden, sie sehe es als
reine Geldverschwendung, bestehende Seiten zu duplizieren. Vielmehr
sollte man die Frage stellen, wie die Bundeskulturinstitutionen
digitale Strategien, etwa zur Suchmaschinenoptimierung, für sich
einsetzen können. Zu unklar formuliert ist für sie auch der Antrag zu
mehr musischer Bildung. Sie halte es für ein wichtiges Anliegen, für
das aber derzeit leider keine Budgetmittel vorgesehen seien.
FPÖ: Musikschulen leisten wesentliche Bildungsaufgaben
FPÖ-Kultursprecher Walter Rosenkranz hielt der Kritik von Gamon
entgegen, die Ressourcen für die Umsetzung des Vorhabens seien
vorhanden, denn es gebe bereits sehr gut ausgebildete PädagogInnen im
Musikbereich. Man müsse nur dafür sorgen, dass sie richtig eingesetzt
werden können und beispielsweise MusikschullehrerInnen in
Volksschulen einsetzen. Der gesellschaftliche Stellenwert der
Musikerziehung nehme leider ab, dem könne die Schule entgegenwirken.
Bei der geplanten Plattform der Bundesmuseen handle es sich um eine
geringe Summe, es sei erstaunlich, dass die Opposition genau aus
diesem Grund daran Kritik übe. Das Projekt sei durchaus zeitgemäß und
wichtig.
Brigitte Povysil (FPÖ) begrüßt es, wenn das Kulturangebot in einer
zugänglichen und konzisen Form dargestellt wird. Die verschiedenen
bestehenden Plattformen seien oft unübersichtlich und eine gemeinsame
Kulturplattform, wie sie andere Städte haben, für die Wiener
Kultureinrichtungen sinnvoll. Damit unterstütze man etwa Schulen und
den Kulturtourismus allgemein. FPÖ-Abgeordnete Ricarda Berger sagte,
die Freiheitlichen hätten stets den Wert der Musikerziehung betont.
Für die österreichische Musiktradition seien gut funktionierende
Musikschulen unerlässlich. Leider sei aufgrund einer verfehlten
sozialdemokratischen Bildungspolitik die musische Bildung gerade in
Wien stark vernachlässigt worden.
Liste Pilz kritisiert inhaltsleere Anträge
Wolfgang Zinggl sagte, der Antrag zu einer Online-Plattform sei
schlichtweg Zeitverschwendung, denn der Kulturminister hätte den Plan
ohne große Umstände bereits umsetzen können. Zudem gebe es solche
Plattformen bereits. Er zweifle grundsätzlich an der Sinnhaftigkeit
des Vorgehens, den Nationalrat mit Entschließungen zu befassen, die
nur die Bundesregierung umständlich ersuchen, endlich umzusetzen, was
sie ohnehin bereits plane. Er habe bereits kundgetan, dass seine
Fraktion der Initiative zur musischen Bildung zustimmen werde, auch
wenn sie wenig konkret sei. Mehr sei dazu nicht zu sagen.
Kulturminister Blümel begrüßt Initiativen des Nationalrats
Kulturminister Gernot Blümel zeigte sich verwundert über abwertende
Zwischenrufe von Abgeordneten bei Themen, über die eigentlich Konsens
herrschen sollte. Wichtig sei es, Kinder und Jugendliche mit Kunst
und Kultur frühzeitig und niederschwellig in Kontakt zu bringen. Ein
gebündeltes Angebot sei hier eine wichtige Unterstützung, meinte er
zur Frage der Online-Plattform der Bundesmuseen und Bundestheater.
Die Zusammenarbeit von Schulen und Musikschulen müsse strukturiert
stattfinden, damit werde man viele positive Effekte erzielen.
(Fortsetzung Nationalrat) sox
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