FEEI-Präsidentin Brigitte Ederer: „Versorgungssicherheit erfordert europäische IT-Industrie“

Kritische Infrastrukturen wie Strom- und Gasnetze brauchen vertrauenswürdige Hard- und Software „made in Europe“. Brigitte Ederer fordert dafür eine neue europäische Industriepolitik.

Wien (OTS) - Anlässlich der gestrigen Konferenz „Versorgungssicherheit & Weltpolitik“ der Wirtschaftskammern von Wien, Niederösterreich und dem Burgenland plädierte Brigitte Ederer, Präsidentin des Fachverbands der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI), eindrücklich für eine neue europäische Industriepolitik.

„Kritische Infrastrukturen wie Strom- und Gasnetze müssen auf sicheren IT-Systemen basieren. Sicher können sie allerdings nur dann sein, wenn wir in Europa sowohl bei der Hard- als auch der Software die gesamte Wertschöpfungskette von der Forschung über das Design bis hin zur Produktion selbst in der Hand haben“, analysierte Ederer am Rande der Veranstaltung. Leider sei das derzeit immer weniger der Fall, weil diese Industrien zusehends aus Europa verschwinden würden.

Verlust von Schlüsseltechnologien in Europa

So dürften in der EU nach der sich abzeichnenden Übernahme des Chipherstellers NXP durch die amerikanische Qualcomm nur noch zwei nennenswerte Halbleiterfirmen übrigen bleiben, die ihrerseits in einer Nische tätig sind. Wenig überraschend stammten 2017 nur noch 8 Prozent aller produzierten Computerchips aus der EU. „ Wir überlegen uns in Europa leider viel zu wenig, was das für unsere Volkswirtschaft bedeutet. Wenn allein die Produktinnovationen der Halbleiterindustrie bis 2020 für 30 bis 40 Prozent des europäischen BIP verantwortlich sein werden und wir gleichzeitig diesen Sektor immer mehr verlieren, haben wir als Industriestandort ein massives Problem“, so Ederer unmissverständlich.

Die Präsidentin des FEEI verweist in diesem Zusammenhang auf die enormen Anstrengungen der USA und Chinas, diese Schlüsseltechnologie im eigenen Land zu forcieren. „Sie haben die strategische Bedeutung einer eigenen Hard- und Softwareproduktion für die Sicherheit kritischer Infrastrukturen und die Zuverlässigkeit ihrer Industrieprodukte verstanden“, so Ederer. Beide subventionierten die Ansiedlung von Hightech-Unternehmen in diesem Bereich daher mit beträchtlichen Mitteln.

Europa braucht Industriepolitik

„In Europa ist das aufgrund des strengen Beihilfen- und Wettbewerbsrechts, das staatliche Subventionen grundsätzlich verbietet, in dieser Form nicht möglich“, moniert Ederer. Sie fordert deshalb „eine europäische Industriepolitik, die diesen Namen auch verdient. Wenn wir unseren Rückstand in diesem Bereich aufholen und damit die Wettbewerbsfähigkeit unserer industriellen Basis erhalten wollen, müssen wir mehr investieren und andere Anreize setzen.“ Als wichtigen Schritt identifizierte Ederer dabei auch die Reform des Vergaberechts bei öffentlichen Beschaffungen „hin zu einem echten Bestbieterprinzip in Österreich wie der EU.“

Teil einer neuen europäischen Industriepolitik müsste nach Meinung von Brigitte Ederer allerdings auch ein Mechanismus zur genaueren Überprüfung ausländischer Direktinvestitionen im Hightech-Bereich sein, wie er in den USA seit Jahrzenten gang und gäbe sei. „Nur damit lässt sich der Verlust von Know-how und Wertschöpfung effektiv verhindern“, betont Ederer und ergänzt: „Ist eine Firma erst einmal verkauft, ist auch ihre Technologie zumeist perdu.“

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