UGöD: „Mit 12 Stunden pro Tag zu Herzinfarkt und Schlaganfall?“

Unabhängige GewerkschafterInnen in GöD: 12-Stunden-Arbeitstage gefährden Gesundheit.

Wien (OTS) - „Wie zu erwarten war, beginnt die Regierung nun – nach den Landtagswahlen – die angekündigten wirtschaftsfreundlichen und arbeitnehmerInnenfeindlichen Reformen umzusetzen, um ihre Wahlkampfsponsoren aus Industrie und Wirtschaft zufrieden zu stellen - und das betrifft auch die Tagesarbeitszeit,“ kritisiert ao. Univ.-Prof. Dr. Martin Tiefenthaler, Unabhängiger Gewerkschafter in der GöD, Internist und Universitätslehrer, die Pläne der Bundesregierung, noch vor Sommer ein Arbeitszeitflexibilisierungspaket vorzulegen.

„Dass der kleine Regierungspartner zumindest lauwarme Füße bekommt, könnte weniger der wissenschaftlichen Faktenlage und mehr den Protesten aus dem eigenen Klientel zugeschrieben werden,“ so Tiefenthaler weiter, „dass dieses Gesetz unabhängig von sozialpartnerschaftlichen Verhandlungsvereinbarungen durchgepeitscht werden soll, entspricht dabei unseren bisherigen Erfahrungen wie beim Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz inklusive Gastronomie.“

Zwt.: Studien belegen Gesundheitsrisiko bei langen Arbeitszeiten!

Zu den Fakten: In großen epidemiologischen Studien mit über 600.000 gesunden Personen wurde belegt, dass sich in der Gruppe der Beschäftigten mit Arbeitszeiten über 55 Stunden pro Woche bzw. über 10-12 Stunden pro Tag das Schlaganfallrisiko um 33 % und das Herzinfarktrisiko um 13 % im Vergleich zu ArbeitnehmerInnen mit bis zu 40 Stunden pro Woche erhöht.

Rezent wurde für die Gruppe mit mehr als 55 Stunden Arbeitszeit pro Woche in einer Metaanalyse ein um 40 % höheres Risiko innerhalb von 10 Jahren für Vorhofflimmern festgestellt. „Vorhofflimmern ist eine Rhythmusstörung, die häufig zu schweren Schlaganfällen führt. Dieser Effekt ist auch zu beobachten, wenn Risikofaktoren wie Alkoholkonsum, schweres Übergewicht und Bluthochdruck berücksichtigt werden,“ führt UG-Gewerkschafter und Mediziner Tiefenthaler aus. „Aufgrund dieser Fakten ist klar und evident, dass jeder Arbeitgeber wissentlich und billigend in Kauf nimmt, das Erkrankungsrisiko seiner MitarbeiterInnen zu erhöhen, wenn er Arbeitszeiten von 12 Stunden pro Tag oder 60 Stunden pro Wochen einfordert.“

Zwt.: UGöD längere Arbeitszeiten brauchen längere Freizeitblöcke

Personalvertretungen und die BetriebsrätInnen sind jedenfalls aufgefordert, die beschriebene Faktenlage zu berücksichtigen. „Möglichkeiten für 12-Stunden-Arbeitstage müssen jedenfalls so restriktiv wie möglich gehandhabt haben und Ausnahmen bleiben. Aus medizinischer Sicht wäre allenfalls ein 2:1 Zeitausgleich innerhalb von 10 Tagen sinnvoll, um eine entsprechende Erholung und Freizeit zu ermöglichen, wenn 12-Stunden-Arbeitstage geleistet werden. Gesundheit geht jedenfalls vor Profit. Schon alleine deshalb ist die seitens der Regierung geplante erleichterte Ausweitung und Verlängerung täglicher und wöchentlicher Arbeitszeiten abzulehnen,“ so Tiefenthaler abschließend.

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Dr. Martin Tiefenthaler,
ao. Univ.-Prof. Dr. Martin Tiefenthaler
Facharzt für Innere Medizin (Nephrologie)

Tel.: 0699/12369897
e-mail: Martin.tiefenthaler@i-med.ac.at
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