• 24.04.2018, 12:19:34
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  • OTS0133

Hochkonjunktur beflügelt Nachfrage nach Unternehmenskrediten

Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das Kreditgeschäft vom April 2018

Utl.: Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das
Kreditgeschäft vom April 2018 =

Wien (OTS) - Bereits seit über einem Jahr steigt in Österreich die
Nachfrage nach Unternehmenskrediten aufgrund der guten Konjunktur.
Der Ausblick ist ebenfalls positiv. Dieser Trend ist bei den
langfristigen Krediten am stärksten ausgeprägt. Das zeigen die
Ergebnisse der vierteljährlichen Umfrage über das Kreditgeschäft im
Euroraum. Die Unternehmen können Kredite zudem auch zu attraktiven
Konditionen aufnehmen. Aus Wettbewerbsgründen senken die Banken ihre
Margen tendenziell bereits seit Mitte 2016.

Die an der Umfrage teilnehmenden Banken begründen die verstärkte
Nachfrage nach Unternehmenskrediten vor allem mit dem gestiegenen
Finanzierungsbedarf infolge der anhaltend starken
Investitionstätigkeit der heimischen Unternehmen. Die
Bruttoanlageinvestitionen legten 2016 und 2017 real um 3,7 % bzw. 4,8
% zu, die Ausrüstungsinvestitionen sogar um 8,6 % bzw. 7,9 %. Die
aktuellen Wirtschaftsprognosen von WIFO und IHS erwarten für 2018
eine ähnlich starke Wachstumsdynamik wie im vergangenen Jahr.

Die Einschätzung der Kreditnachfrage durch die an der Umfrage
teilnehmenden Banken deckt sich mit der Entwicklung der Bestände an
Unternehmenskrediten bei österreichischen Banken gemäß
Monetärstatistik. Die Unternehmenskredite an Ansässige im Euroraum
steigen seit Anfang 2017 kontinuierlich und erreichten im Februar
2018 einen historischen Höchststand von 170 Mrd EUR. Die
Umfrageergebnisse signalisieren einen weiteren Anstieg der
Kreditbestände über die nächsten Monate.

Die Konditionen für die Neukreditaufnahme verbessern sich für die
Unternehmen seit Mitte 2016 kontinuierlich, da – hauptsächlich aus
Wettbewerbsgründen – die Margen für durchschnittlich risikoreiche
Kredite tendenziell sinken. Die Kreditrichtlinien (interne Kriterien
der Banken für die Kreditvergabe) sind hingegen im langfristigen
Vergleich schon seit Jahren überdurchschnittlich straff. Die
österreichischen Banken sind also – gemäß den Angaben der an der
Umfrage teilnehmenden Banken – bei der Kreditvergabe vergleichsweise
vorsichtig.

Das Kreditgeschäft mit privaten Haushalten entwickelt sich
verhaltener als das Unternehmenskundengeschäft. Die Kreditnachfrage
der Haushalte blieb im letzten halben Jahr weitgehend unverändert,
nachdem sie in den ersten drei Quartalen 2017 noch zugenommen hatte.
Angebotsseitig kam es im letzten Jahr – ebenfalls wettbewerbsbedingt
– zu moderaten Senkungen der Margen für durchschnittlich riskante
Wohnbaukredite. Ähnlich wie bei den Unternehmenskrediten sind auch
bei den Krediten an private Haushalte die Richtlinien im
langfristigen Vergleich bereits seit mehreren Jahren eher straff.
Der Zugang der Banken zu Refinanzierungsquellen verbessert sich
bereits seit mehreren Quartalen. Insbesondere die Refinanzierung über
mittel- bis langfristige Anleihen ist seit Anfang 2017 leichter
geworden.

Die an der Umfrage teilnehmenden Banken wurden diesmal auch zum
erweiterten Programm des Eurosystems zum Ankauf von Vermögenswerten
sowie zu den Auswirkungen des negativen Einlagenzinssatzes des
Eurosystems befragt. Dem Ankaufprogramm schreiben die Banken zuletzt
vor allem eine Verbesserung ihrer Liquidität sowie eine Verbesserung
ihrer Finanzierungsbedingungen zu, aber auch eine Belastung ihrer
Ertragslage (infolge gesunkener Nettozinsmargen). Der negative
Einlagenzinssatz bringt gemäß den Ergebnissen der Umfrage einen
anhaltenden Abwärtsdruck auf die Kreditzinsen und die Margen mit sich
und belastet die Zinserträge der Banken.
Es bleibt anzumerken, dass die allgemeine Wirksamkeit der
geldpolitischen Maßnahmen des Eurosystems (Ankaufprogramm,
Einlagenzinssatz), die auf den Euroraum insgesamt abzielen, nicht
anhand der hier präsentierten nationalen Effekte besprochen werden
kann.

Die Zentralbanken des Euroraums – in Österreich die Oesterreichische
Nationalbank (OeNB) – führen gemeinsam mit der Europäischen
Zentralbank (EZB) seit Anfang 2003 viermal jährlich eine Umfrage über
das Kreditgeschäft im Euroraum durch, um ihren Informationsstand über
das Kreditvergabeverhalten der Banken, das Kreditnachfrageverhalten
von Unternehmen und privaten Haushalten, sowie sonstige die
Geldpolitik betreffende Themen zu verbessern. Dabei werden rund 140
führende Banken aus allen Ländern des Euroraums befragt, darunter
acht Institute aus Österreich.
Eine ausführlichere Darstellung der österreichischen Ergebnisse wird
in Statistiken – Daten & Analysen Q2/2018 veröffentlicht. Die
Resultate für den Euroraum werden von der EZB auf ihrer Website
publiziert
http://www.ecb.europa.eu/stats/money/surveys/lend/html/index.en.html
.

Rückfragehinweise:
Oesterreichische Nationalbank
Statistik Hotline
(+43-1) 404 20-5555
[email protected]
http://www.oenb.at

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