- 22.04.2018, 22:09:00
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Tiroler Tageszeitung, Ausgabe vom 23. April 2018; Leitartikel von Alois Vahrner: "ÖVP-Trennung ist gescheitert"
Innsbruck (OTS) - Zusammen ein herbes Minus von 15 Prozentpunkten und
knapp an einem grün-blauen Bürgermeisterduell vorbeigeschrammt: Der
Zwei-Marken-Kurs der gespaltenen ÖVP in Innsbruck hat keine Zukunft.
Die höchst spannende Innsbrucker Gemeinderatswahl war wieder für
Überraschungen gut. Die Grünen holten trotz aller interner
Aufregungen und ganz gegen den Bundestrend Platz 1. Ein großer
Erfolg, besonders auch für Spitzenkandidat Georg Willi, der mit
seinem moderaten Stil nicht nur für grüne Kernwähler wählbar ist (für
manche Fundis ist er es ja nicht). Das zeigten auch die gestern über
30 Prozent Stimmen bei der Bürgermeister-Direktwahl.
Ebenfalls Sieger sind die Freiheitlichen, die zwar unter der
angepeilten 20-Prozent-Hürde geblieben sind, jetzt aber die neue
Nummer 2 in der Stadt sind und künftig wohl ein gewichtigeres Wort in
der Stadt mitreden werden. Und es fehlte nicht viel, dann hätte es
wie bei der Bundespräsidentenwahl ein grün-blaues Duell um das
Innsbrucker Bürgermeisteramt gegeben.
Auch das gab es bei der Bundespräsidentenwahl: Während Grün und
Blau stark abschnitten, gab es miserable Ergebnisse für Schwarz und
Rot. Die SPÖ war bei der Nationalratswahl im Herbst in Innsbruck noch
Erster und bei der Landtagswahl vor wenigen Wochen nur hauchdünn
hinter der ÖVP auf Platz 2. Gestern erlebten die Roten mit ihrer
Spitzenkandidatin Irene Heisz und Parteichef Helmut Buchacher einen
schwarzen Sonntag, Platz 5 und ein Absturz von bereits vorher
schwachen 14,5 auf noch 10,3 Prozent und noch schlechtere 7 Prozent
bei der Bürgermeisterwahl sind wahrlich ein desaströses Resultat.
Das war es auch für die seit 1994 gespaltene ÖVP. Seit 1994
(damals gründete Herwig van Staa „Für Innsbruck“ und wurde
Bürgermeister) traten FI und ÖVP getrennt auf, seither stellte die FI
mit van Staa, Hilde Zach und Christine Oppitz-Plörer stets das
Stadtoberhaupt. Die Landes-ÖVP sah dem Treiben teils wohlwollend
(immerhin blieb Innsbruck ja auch dank der zwei Marken „bürgerlich“)
bis machtlos zu. Bei der letzten Wahl kam es gar zu einer
Frontal-Konfrontation zwischen Oppitz-Plörer und ÖVP-Kandidat
Christoph Platzgummer. Mittlerweile sind die Wogen geglättet und die
beiden Fraktionen auf Kuschelkurs. Freilich nicht mit vielen
Wählerinnen und Wählern, die Gelb und Schwarz gestern mit zusammen
fast minus 15 Prozentpunkten einen massiven Denkzettel verpassten.
Und um ein Haar hätte der Umstand, dass auch Franz Gruber um den
Bürgermeistersessel kandidierte, Oppitz-Plörer gestern aus dem Amt
gekippt. Dann stünden FI, die ÖVP und die Landes-ÖVP mit LH Günther
Platter vor einem Scherbenhaufen. So besteht jetzt wenigstens noch
eine realistische Stichwahl-Chance. Aber auch die Gewissheit, dass
die Innsbrucker Parteitrennung endgültig
zum großen Problem geworden ist.
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