- 20.04.2018, 10:47:59
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Industrieforum: „Ziemlich beste Feinde – Medien, Wirtschaft & Politik"
Die IV-NÖ lud zu einer Diskussionsveranstaltung mit Kurier-CR Helmut Brandstätter, Falter-Redakteur Josef Redl und Managerin Brigitte Ederer.
Utl.: Die IV-NÖ lud zu einer Diskussionsveranstaltung mit Kurier-CR
Helmut Brandstätter, Falter-Redakteur Josef Redl und Managerin
Brigitte Ederer. =
Wien (OTS) - Sie funktionieren so unterschiedlich und doch können sie
nicht ohne einander: Medien, Unternehmen und politische Institutionen
stehen aufgrund ihrer Interessen in einem ständigen Spannungsfeld.
„Reformen, die der Wirtschaftsstandort dringend braucht stoßen nicht
immer auf Gegenliebe. Und dabei versuchen Reformgegner oft, die
Medien für ihre Interessen einzuspannen. Nichtsdestotrotz hat der
Journalismus natürlich eine wichtige gesellschaftspolitische Rolle,
um Missstände und Fehlentwicklungen aufzuzeigen“, erklärte Thomas
Salzer, Präsident der Industriellenvereinigung Niederösterreich
(IV-NÖ), bei der Eröffnung des Industrieforums am 19. April im NV
Forum in St. Pölten.
Drei Referenten – drei Vorträge – drei Diskussionen:
Kurier-Chefredakteur Helmut Brandstätter zufolge ist ein anständiges
Verhältnis zwischen Politik und Medien auf Augenhöhe eine von
mehreren Grundlagen für eine funktionierende Demokratie. „Die
sozialen Medien haben die Politik aber dazu verführt, sich als
Journalisten zu verkleiden und selbst als Medienmacher aufzutre-ten.
Das wird besonders von Populisten genutzt, denen es vielmehr um
Bilder und Emotionen geht als um Fakten. Umso wichtiger sind daher
unabhängige Zeitungen und Medienhäuser, die objektive Informationen
liefern. Ein Land ohne freien Jour-nalismus führt zwangsweise in eine
Diktatur. Deswegen müssen sich auch Unter-nehmen für eine freie
Presse einsetzen. Wenn Politiker und Medien nur mehr un-terhalten –
oder auch ablenken – wollen, haben sie ihre Aufgabe verfehlt“, so
Brandstätter.
Falter-Redakteur Josef Redl sieht Informationen als eine politische
Bringschuld und kritisiert dabei auch das System des „Message
Control“ der Bundesregierung: „Eine abgestimmte Kommunikation kann
bei Reformvorhaben sinnvoll sein, aber eine Monopolisierung der
Informationen führt leider auch schnell zu einer Kultur der
Desinformation. Nur, wer Fragen beantwortet, kann auch mit
ordentlicher Be-richterstattung rechnen. Medien, die den Sachen auf
den Grund gehen wollen, brauchen daher auch eine Politik, die
informiert. Leider entpuppen sich die ange-kündigten Reformen sehr
häufig als reine PR-Formulierungen. Das Mascherl einer Reform kann
man schließlich jedem Vorhaben schnell umhängen – danach liegt es an
den Journalistinnen und Journalisten, die Umsetzung zu prüfen.“
Managerin Brigitte Ederer, unter anderem Aufsichtsratsmitglied von
Infineon Technologies Austria und der Schoeller Bleckmann Oilfield
Equipment AG, erklärte in ihrem Kurzreferat mit dem Titel „Zwischen
Hassliebe und Verhaberung“: „Medien verstärken oft den internen Druck
bei Reformen und dann wird man schnell zum Spielball, wenn man in der
Politik oder in einem großen Unternehmen Veränderun-gen umsetzen
will. Gleichzeitig verlangen die Medien aufgrund des
Wettbewerbs-drucks immer öfter nach Exklusivstorys – und das nutzen
viele Politiker und Wirt-schaftstreibende aus. Leider kommt das
Erklären dabei oft zu kurz. Journalisten soll-ten sich jedoch mehr
Zeit für die Recherche nehmen. Nur im privaten Umfeld sollte mit der
Berichterstattung Schluss sein.“
Fotomaterial unter: http://niederoesterreich.iv.at/de/presse
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