- 04.04.2018, 10:17:24
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Produktpirateriebericht 2017 2: Rekordwert bei Arzneimittelfälschungen
Finanz-Staatssekretär Fuchs: „Gefährlichste Form der Produktpiraterie sind gefälschte Medikamente“
Utl.: Finanz-Staatssekretär Fuchs: „Gefährlichste Form der
Produktpiraterie sind gefälschte Medikamente“ =
Wien/BMF (OTS) - Der österreichische Zoll hat 2017 bei 1.018
Sendungen 54.895 Medikamentenplagiate im Wert von 1.097.460 Euro aus
dem Verkehr gezogen. „Arzneimittelfälschungen stellen die
gefährlichste Form der Produktpiraterie dar“, konstatiert
Finanz-Staatssekretär MMag. DDr. Hubert Fuchs und hält weiter fest:
„Hier ist nicht nur der gesamtwirtschaftliche Schaden, sondern vor
allem auch das gesundheitliche Risiko durch die Einnahme gefälschter
Medikamente alarmierend!“
Nachdem 2016 mit insgesamt 53.389 gefälschten Medikamenten bereits
ein Höchststand erreicht worden ist, stellt sich mit dieser Bilanz
2017 neuerlich ein trauriger Rekord ein.
Das Geschäft mit Medikamentenfälschungen wird von skrupellosen
Geschäftemachern, die nahezu vollständig im Untergrund agieren,
betrieben. Die Bedingungen, unter denen die gefälschten Mittel
produziert, gelagert und transportiert werden, entsprechen nicht
annähernd den geltenden Standards der Pharmaindustrie. Das Ergebnis
sind daher meist mit Schadstoffen verunreinigte, oftmals über- oder
unterdosierte Medikamente, oder solche, die überhaupt wirkungslos
sind.
Studien des Amtes der Europäischen Union für geistiges Eigentum
(EUIPO) zufolge belaufen sich die wirtschaftlichen Kosten der
Verletzung von Rechten des geistigen Eigentums in Österreich bei
Arzneimitteln auf etwa 109 Millionen Euro pro Jahr – diese Zahl
betrifft die Herstellung und den Großhandel, aber nicht den
Einzelhandel.
„Hinter den Medikamentenfälschungen steht organisierte Kriminalität –
den Machern ist der gesundheitliche oder finanzielle Schaden für die
betrogenen Kundinnen und Kunden angesichts ihres eigenen Gewinns
egal“, stellt Gerhard Marosi, Produktpiraterie-Experte im
Finanzministerium, fest und warnt: „Die Risiken beim Arzneimittelkauf
im Internet dürfen nicht unterschätzt werden!“
98,78% der aufgegriffenen Medikamentenfälschungen kamen 2017 aus
Indien. Der Vertrieb der Fälschungen erfolgt meist über
Online-Portale, die den Konsumentinnen und Konsumenten Echtheit und
Seriosität vortäuschen. Häufig werden die gefälschten Arzneimittel
auf solchen Internetseiten auch beworben, indem eine Lieferung aus
Deutschland angegeben wird. Hier bedienen sich viele
Arzneimittelfälscher so genannter „Fulfillment Center", um die wahre
Herkunft der Produkte zu verschleiern. Von allen 2017 aufgegriffenen
Medikamentenplagiaten waren immerhin rund 43% über solche
„Fulfillment Center“ abgewickelt worden. Durch enge Kooperation
konnte die österreichische Zollverwaltung mit den deutschen
Zollbehörden ein gemeinsames, gutes Ergebnis erzielen – seit Mitte
2017 wird dieser Vertriebsweg kaum noch verwendet.
Dazu Gerhard Marosi: „Hier zeigt sich deutlich, wie die Fälscher auf
behördliche Maßnahmen reagieren.“ Wenn in Europa ein funktionierendes
Vertriebsnetz besteht, werden die gefälschten Medikamente von dort
aus vertrieben. Bestehen in Europa keine Vertriebsmöglichkeiten,
werden die gefälschten Medikamente wieder im Postverkehr aus Fernost
geliefert. „Deshalb ist der anhaltende, konsequente Kampf gegen
Arzneimittelfälschungen umso wichtiger – der Einfallsreichtum der
Schmuggler in der Umsetzung ihrer kriminellen Machenschaften ist
nahezu grenzenlos!“
Nach wie vor wurden 2017 hauptsächlich Potenzmittel vom Zoll
sichergestellt. Diese machen auch bei Medikamentenaufgriffen des
Zolls, bei denen es sich nicht um Marken- oder Patentfälschungen
handelt, einen bemerkenswerten Anteil aus. Im Jahr 2017 konnte der
Zoll zusätzlich zu den Produktpiraterieaufgriffen 1.479 Sendungen mit
mehr als 111.000 illegalen Medikamenten stoppen und aus dem Verkehr
ziehen. Insgesamt hat der österreichische Zoll 2017 demnach 2.497
Fälle von Medikamentenschmuggel mit insgesamt 165.895 Artikeln
beschlagnahmt – sei es, weil es sich um Fälschungen gehandelt hatte,
oder weil sie illegal ins Land gebracht worden waren.
So konnten Zöllner des Zollamtes Eisenstadt Flughafen Wien im April
2017 mit Hilfe des zolleigenen Röntgenfahrzeuges eine verdächtige
Sendung im Frachtbereich des Flughafens identifizieren. Dabei wurden
5.280 Packungen mit insgesamt 1.013.760 Stück mutmaßlich gefälschten
Potenzmitteln entdeckt. Die für Ungarn bestimmte Sendung wurde aber
nicht angehalten, sondern vom Zoll bis zur ungarischen Grenze
observiert. Dort übernahm der ungarische Zoll die weitere
Überwachung. Durch diese Vorgangsweise konnten in Ungarn schließlich
vier Drahtzieher ausgeforscht und verhaftet werden.
Bereits einen Tag später schlugen die Bediensteten des Zollamtes am
Flughafen Wien erneut zu. Bei der Kontrolle einer als
Nahrungsergänzungsmittel deklarierten Sendung wurden 23.712 Stück
illegale Potenzmittel entdeckt. In diesem Fall laufen die
Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Verstoßes gegen das
Arzneimittelgesetz noch.
Anfang Dezember zeigte sich bei der Gepäckkontrolle eines
Flugreisenden aus Kairo mit dem Röntgengerät ein auffälliges Bild. Im
Koffer wurden diverse Kaffeepackungen vorgefunden, die allerdings
keinen Kaffee, sondern 6.720 Stück Potenzmittel enthielten. Hier hat
der Schmuggler wohl angenommen, die Potenzmittel bei einer
Röntgenkontrolle hinter der in den Kaffeepackungen enthaltenen
Aluminiumfolie „unsichtbar“ werden zu lassen, um so die Zöllner
täuschen zu können – was nachweislich nicht gelang.
Wie dramatisch gerade im Fall von Arzneimittel-Fälschungen mit den
Sorgen und Nöten der Betroffenen gespielt wird, zeigt auch ein
weiterer Aufgriff vom August 2017. In Zusammenarbeit mit der
Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit
(AGES) und dem Bundeskriminalamt wurden über 1.600 Packungen eines in
Österreich nicht zugelassenen Medikaments zur Behandlung von
Krebserkrankungen mit einem Wert von über 750.000 Euro beschlagnahmt.
Die Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden in diesem Fall sind
noch nicht abgeschlossen.
„Schwere Erkrankungen nach Einnahme von nachgemachten, wirkungslosen
Medikamenten oder gefälschte Arzneimittel, die mit Schadstoffen
verunreinigt sind – diese Folgen von Produktpiraterie zeigen
deutlich, dass es sich dabei keinesfalls um ein Kavaliersdelikt
handelt“, weist Finanz-Staatssekretär Fuchs auf die ernste
Gesundheitsbedrohung durch Medikamentenfälschungen hin und fügt
hinzu: „Im Sinne der Sicherheit der Verbraucherinnen und Verbraucher
wird der Zoll weiterhin entschlossen dagegen vorgehen!“
Der Produktpirateriebericht 2017 mit weiteren Zahlen, Daten und
Fakten ist auf der Website des Finanzministeriums www.bmf.gv.at im
Bereich Zoll unter Produktpiraterie veröffentlicht und steht dort zum
Download zur Verfügung: http://bit.ly/Produktpirateriebericht_2017
Fotos zum Produktpirateriebericht finden Sie hier:
http://bit.ly/Fotos_Produktpirateriebericht
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