- 15.03.2018, 10:08:54
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Bures: 1848 ist ein wichtiger Teil der österreichischen Demokratiegeschichte
Präsentation des Buches von Wolfgang Häusler zu Revolutionen und demokratischer Entwicklung in Österreich von 1789 bis 1918
Utl.: Präsentation des Buches von Wolfgang Häusler zu Revolutionen
und demokratischer Entwicklung in Österreich von 1789 bis 1918 =
Wien (PK) - Durch die temporäre Übersiedlung in die Hofburg befindet
sich das Parlament in räumlicher Nähe zu wichtigen Schauplätzen der
Märzrevolution von 1848. Das erste Parlament auf österreichischem
Boden tagte nur wenige Meter entfernt von seinem aktuellen Standort,
in der Winterreitschule der Hofburg. Auf diesen räumlichen
Zusammenhang wies die Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures
gestern Abend anlässlich der Vorstellung eines neuen Buches des
Historikers Wolfgang Häusler hin. Mit "Ideen können nicht erschossen
werden. Revolution und Demokratie in Österreich 1789-1848-1918"
zeichnet der Emeritus des Instituts für Österreichische
Geschichtsforschung wichtige Stationen der Entwicklung der
demokratischen Idee in Österreich nach.
Das Gedenken an das Revolutionsjahr 1848 werde oft von anderen
Anlässen überdeckt, sagte Bures. Das Werk, das Häusler verfasst hat,
erlaube einen neuen Blick auf die Ereignisse dieses Jahres und zeige,
wie BürgerInnen, ArbeiterInnen und BäuerInnen erstmals ihre Rechte
einforderten und für die Verbesserung ihrer jeweiligen Situation
eintraten. Nicht vergessen werden dürften dabei die Frauen, die in
Österreich damals für ihr Recht auf politische Partizipation
kämpften. 1848 habe entscheidende politische Transformationen und
damit einen Epochenwechsel eingeleitet und bilde einen wichtigen Teil
der österreichischen Demokratiegeschichte.
Erinnerung an die Wurzeln der Demokratie in Österreich
Matthias Opis (Verlegerischer Geschäftsführer des Molden Verlags)
erinnerte daran, dass die österreichische Bundesverfassung mit zwei
heute als völlig selbstverständlich hingenommenen Aussagen beginnt,
nämlich, dass Österreich eine demokratische Republik ist und dass
deren Recht vom Volk ausgeht. Wie Häusler in seinem Buch aufzeigt,
formulieren diese kurzen Sätze das Ergebnis eines langen, von Kämpfen
begleiteten historischen Prozesses. Die Besonderheit des von Häusler
gewählten Zuganges sei, dass er uns an die Revolutionäre, Denker und
Visionäre erinnere, welche die Formulierung der Verfassung von 1920
erst ermöglicht haben. Er richte den Blick insbesondere auf die
vielen Vergessenen, welche die demokratische Bewegung trugen, auf die
Unterdrückten, die Verfolgten und die Widerständigen. Sein Buch sei
damit ein exemplarisches Beispiel demokratischer Erinnerungskultur.
In den Mittelpunkt der Podiumsdiskussion mit dem Autor stellte der
Journalist und Historiker Raimund Löw die Frage, welches Erbe 1848
der österreichischen Demokratie hinterlassen hat. Erinnerungsorte an
die Märzrevolution seien oft versteckt und unscheinbar. Löw verwies
auch auf die derzeit oft thematisierte Krise der Demokratie und der
Europäischen Union. Er wollte auch wissen, wie weit die Sehnsucht
nach einem autoritären Führungsstil tatsächlich eine Gefährdung der
Demokratie darstelle.
Der Titel seines Buches, "Ideen können nicht erschossen werden", gehe
auf einen Ausruf des Philosophen und Publizisten Hermann Jellinek vor
seiner Hinrichtung 1848 zurück, erläuterte Häusler. Darin zeige sich,
dass die österreichische Demokratiegeschichte im 19. Jahrhunderts in
weiten Teilen eine Geschichte der Repression und des Scheiterns war.
Revolutionen müssten jedoch nicht als punktuelle Ereignisse, sondern
als langer Prozess verstanden werden, sagte Häusler. Die langfristige
Durchsetzung der Programme der Revolutionäre konnte auch in
Österreich nicht verhindert werden, trotz aller Versuche, auch die
Erinnerung an sie auszulöschen. Die revolutionäre Bewegung 1848/49
habe mit dem Grundrechtekatalog von 1848 ein wesentliches Erbe
hinterlassen, auf das auch 1918/19 wieder zurückgegriffen wurde.
Die Historikerin, Autorin und Filmemacherin Helene Maimann erinnerte
daran, dass das Gedenken an die "Märzgefallenen", also die Menschen,
die den blutigen Repressionen des Revolutionsjahres 1848 zum Opfer
gefallen sind, Jahrzehnte lang eine mobilisierende Wirkung für die
demokratische Bewegung in Europa hatte. Der Aufstieg
nationalistischer Bewegungen habe später die Erinnerung an diesen
gemeinsamen Kampf für die Demokratie verschüttet. Sie sieht die
aktuelle Tendenz einer Renationalisierung der Politik mit Sorge und
vermisst eine internationale Bewegung für Demokratie.
Sylvia Kritzinger (Universitätsprofessorin am Institut für
Staatswissenschaft der Universität Wien) meinte, nach ihren
Beobachtungen seien die Demokratien zumindest in Westeuropa sehr
stabil. Umfragen zeigen regelmäßig eine sehr große Zufriedenheit mit
der Demokratie als Staatsform. Grund zu Optimismus ist für sie auch
die Haltung der jüngeren Generation. Unter jungen WählerInnen sei der
Wunsch nach einer so genannten "starken politischen
Führungspersönlichkeit in der Regierung" deutlich weniger verbreitet,
als im Durschnitt der Wählerschaft. In Europa sei seit längerem eine
Wellenbewegung zu verzeichnen. Immer wieder werde versucht,
Wahlkämpfe mit dem Motto einer Renationalisierung politischer
Entscheidungen zu gewinnen. Immer wieder setze sich aber auch die
Erkenntnis durch, dass viele Fragen gar nicht mehr allein auf
nationaler Ebene gelöst werden können. (Schluss) sox
HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie auf der Website
des Parlaments unter www.parlament.gv.at/SERV/FOTO/ARCHIV/.
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