• 28.02.2018, 22:00:01
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 1. März 2018. Von PETER NINDLER. "Geschenke, Geschenke, Geschenke".

Innsbruck (OTS) - Vor allem die Wirtschaft erwartet sich nach dem
Wahlsieg von LH Günther Platter, dass er mit einem Geschenkskorb aus
den Koalitionsverhandlungen zurückkommt. Der Wunschzettel reicht von
Pistenkilometern bis zu Kraftwerken.

Mit 44,3 Prozent wollen viele in der ÖVP endlich ernten: Vor zehn
Jahren musste sich die Volkspartei zuerst vom Dinkhauser-Schock
erholen, dann Konjunkturpakete schnüren, um die Folgen der
Wirtschafts- und Finanzkrise in Tirol abzufedern. 2013 gab es im
Vorfeld der Landtagswahl den schlussendlich an der Wahlurne
gescheiterten bürgerlichen Aufstand gegen LH Günther Platter (VP).
Zugleich schnürte die Diskussion um die
Gemeindegutsagrargemeinschaften der ÖVP über Jahre die politische
Luft ab. Nicht zu vergessen die Flüchtlingskrise, die es ebenfalls zu
bewältigen galt. Deshalb ist es nach dem Wahltriumph vom Sonntag mehr
als verständlich, dass die Begehrlichkeiten in der Volkspartei größer
werden; von der Wirtschaft im Allgemeinen und den Touristikern im
Speziellen.
Der Skigebietszusammenschluss Pitztal/Ötztal symbolisiert nicht nur
den Wunsch nach touristischer Entwicklung, sondern auch nach
regionalen Zukunftsperspektiven für das Pitztal. Der Ausbau des
Kaunertal-Kraftwerks bleibt auf der politischen Agenda, der
Fernpassscheitel- und der Tschirganttunnel kommen noch dazu. Bestärkt
vom Wahlergebnis und der schwarz-blauen Koalition im Bund will sich
der Wirtschaftsflügel hier nicht bremsen lassen. Mit der SPÖ oder der
FPÖ wäre das alles kein Problem, einzig mit den grünen Umweltfightern
müssten wohl Kompromisse gefunden werden.
Andererseits profitierte Günther Platter von der Regierung mit den
Grünen: Das umstrittene Agrarthema hat er mit ihnen beendet. Und im
Gegensatz zum Bund herrschte in zentralen Fragen wie Transit/Verkehr
oder Flüchtlinge stets ein lösungsorientierter Ansatz in der
schwarz-grünen Landesregierung. Im Umweltbereich konnten sich Schwarz
und Grün wiederum für ihre eigene Klientel reiben. Diesen politischen
Freiraum haben sich die Koalitionsparteien zur eigenen Profilierung
in der Regierung zugestanden.
Doch jetzt ist Erntezeit. Diese Erwartungshaltung begleitet Platter
in den Sondierungsgesprächen, obwohl er weitgehend freie Hand hat.
Weil sich der Landeshauptmann aber seiner Stärke bewusst ist, muss er
sich nicht immer starkmachen. Wer hätte ihm 2013 zugetraut, dass er
plötzlich grün blinkt? Warum sollte er als Gegenentwurf zu
Schwarz-Blau im Bund nicht in Tirol wieder eine Koalition mit den
Sozialdemokraten bilden? Die FPÖ wird er deshalb ebenfalls bis zum
Schluss im Spiel halten, um den Preis für eine Koalition hoch zu
halten. Schließlich muss für seine Unterstützer schon auch etwas im
Geschenkskorb sein – wie etwa einige Pistenkilometer für
Ötztal/Pitztal.

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