- 23.02.2018, 09:54:35
- /
- OTS0039
Österreichischer Friedrich Kiesler-Preis für Architektur und Kunst 2018 geht an den französischen Architekten Yona Friedman
Wien (OTS) - Die mit 55.000 Euro dotierte Auszeichnung wird
abwechselnd alle zwei Jahre von der Republik Österreich und der Stadt
Wien „für herausragende Leistungen im Bereich der Architektur und der
Künste, die den experimentellen und innovativen Auffassungen
Friedrich Kieslers und seiner Theorie der ,correlated arts‘
entsprechen“, vergeben (Statuten des Friedrich Kiesler-Preises).
Die internationale Jury des Friedrich Kiesler-Preises 2018 würdigt
mit Yona Friedman „einen Giganten unter den Architekten, der
außerordentlich anerkannt ist unter etablierten Vertreter*innen der
Profession genauso wie unter Fachleuten am Beginn ihrer Karriere.
Während seines gesamten Berufslebens von mehr als sechs Jahrzehnten
war er kompromisslos in seiner Präzision und visionär in seinem
Denken. Bis heute ist er enorm einflussreich als Architekt
,realisierbarer Utopien‘, als Stadttheoretiker, Designer und
Lehrender.
Friedmans Konzepte von Architektur sind eng mit der Dynamik von
sozialen Strukturen und der Veränderlichkeit der Bedürfnisse von
Nutzer*innen verbunden. Diese Themen, die er seit dem Beginn seiner
Arbeit betont, gewinnen in den heutigen Tagen, bedingt durch die
derzeitigen Entwicklungen der Migration und einer Art von neuem
Nomadentum, immer mehr an Bedeutung. Sein eigener biografischer
Hintergrund als Migrant ist Grund dafür, dass seine Ideen und sein
Engagement für eine zutiefst menschliche Architektur und Gesellschaft
auf existenziellen Erfahrungen basieren und daher sein Werk auch als
ein politisches qualifiziert.“ (Auszug aus der Begründung der Jury)
Der Österreichische Friedrich Kiesler-Preis für Architektur und Kunst
2018 wird durch Gernot Blümel, Bundesminister im Bundeskanzleramt für
EU, Kunst, Kultur und Medien, verliehen werden. Der genaue Termin
wird noch bekanntgegeben.
Yona Friedman:
Yona Friedman wurde 1923 in Budapest geboren. Er studierte zuerst an
der Technischen Hochschule Budapest, bevor er nach Israel flüchten
musste, wo er seine Ausbildung fortsetzte und erste praktische
Erfahrungen als Architekt sammelte. 1957 zog er nach Paris, wo er bis
heute lebt und arbeitet.
1958 veröffentlichte er das Manifest „L’Architecture Mobile“,
zugleich Gründungsdokument der „Groupe d’étude d’architecture mobile“
(GEAM), und entwickelte Raumstadtkonzepte wie „La Ville Spatiale“.
Seine Ideen waren visionär und seiner Zeit weit voraus – sie besitzen
heute eine neue Aktualität.
Friedman lehrte als Gastdozent an diversen renommierten
Bildungseinrichtungen, u. a. am Massachusetts Institute of
Technology, an der Harvard University und Princeton University. Seine
Arbeiten umfassen städteplanerische Modelle, theoretische Texte sowie
(Animations-)Filme und waren bei mehreren Kunstbiennalen sowie der
documenta 11 (2002) in Kassel vertreten.
Bisherige Preisträger*innen:
Frank O. Gehry (1998) – Judith Barry (2000) – Cedric Price (2002) –
Asymptote Architecture / Hani Rashid + Lise Anne Couture (2004) –
Olafur Eliasson (2006) – Toyo Ito (2008) – Heimo Zobernig (2010) –
Andrea Zittel (2012) – Bruce Nauman (2014) – Andrés Jaque (2016)
„Ich fühle mich außerordentlich glücklich, den Kiesler-Preis zu
erhalten, und ich bin der Jury sehr dankbar dafür, dass sie mein Werk
ausgewählt hat, was großes Verständnis gegenüber meinen Ideen
widerspiegelt. Aber abgesehen von Dankbarkeit fühle ich auch
besondere Freude, dass es diese spezielle Stiftung ist, die mein Werk
anerkennt. I kenne einige von Kieslers Arbeiten, von Publikationen
und von Ausstellungen im Centre Pompidou in Paris, und ich bewundere
ihn und seine Ideen ungemein. Das erste Mal, dass ich sein Werk
entdeckte, war seine Präsentation bei der Surrealisten-Ausstellung,
von der ich den Katalog bereits gelesen hatte, bevor ich nach Paris
kam. Dann sah ich seine Modelle für das ,Endless House‘ und verstand
die Absicht dahinter – ich dachte, dass diese sehr ähnlich sei zu den
Ideen, an denen ich damals arbeitete. Es gab so wenige Künstler und
Architekten, die mutig genug waren, konträr zur
Mainstream-Architektur Stellung zu beziehen. Kiesler war einer dieser
wenigen, und vielleicht sogar der entschlossenste. Ich glaube, dass
Ideen wichtiger sein können als die Objekte selbst. Eine Auffassung,
die 2.500 Jahre zurückreicht, aber oft vergessen wird …“
– Yona Friedman, Friedrich Kiesler-Preisträger 2018
„Ich freue mich, dass der diesjährige Kiesler-Preisträger in geradezu
idealer Weise mit dem visionären Werk des Namengebers korrespondiert.
Yona Friedman ist nicht nur ein innovativer Architekt mit seinen
Raumstadtkonzepten, er war weit seiner Zeit voraus. Nicht nur für
Stadtplaner und Architekten ist seine Arbeit ein enorm wichtiger
Ansatzpunkt, auch die zeitgenössische Kunst entdeckt ihn und seine
künstlerisch-poetische Qualität für sich neu. Seine Relevanz für die
Gegenwart ist beeindruckend, und durch seinen biografischen
Hintergrund als Vertriebener entwickelte er ein Sensorium für die
existentiellen Erfahrungen einer Gesellschaft, was seine Arbeit auch
als politische qualifiziert.“
– Gernot Blümel, Österreichischer Bundesminister im Bundeskanzleramt
für EU, Kunst, Kultur und Medien
„Ich freue mich, dass Yona Friedman mit der Verleihung des
Kiesler-Preises für sein visionäres Werk gewürdigt wird. Sein Konzept
einer Stadt besteht aus modularen Systemen, die die Bewohnerinnen und
Bewohner gestalten und weiter entwickeln können. Architektur wird
nicht statisch gedacht, sondern als ein offenes, dynamisches
Phänomen. Yona Friedman betrachtet die Stadt nicht aus
formalistischer Perspektive, sondern von der Nutzung her – im
Mittelpunkt stehen die Menschen. Ein Ansatz, der in seiner Modernität
und demokratischen Radikalität beeindruckt und heute aktueller ist
denn je.“
– Andreas Mailath-Pokorny, Amtsf. Stadtrat für Kultur, Wissenschaft
und Sport der Stadt Wien
„Es ist gleichzeitig eine Überraschung und gar keine Überraschung,
dass der Kiesler-Preis dieses Zyklus an den ungemein einflussreichen,
zugleich in einigen Aspekten rätselhaften Genius Yona Friedman geht.
Friedmans OEuvre umfasst auf großartige und harmonische Weise Kunst,
Urbanismus, Architektur, Poesie und Wissenschaft – und aus diesem
Grund allein gibt es keine bessere Auszeichnung in der Welt als den
Kiesler-Preis als Anerkennung für einen Werkkorpus wie keinen anderen
and dessen Einfluss erst jetzt beginnt sich zu verfestigen.“
– Hani Rashid, Präsident der Friedrich Kiesler Stiftung, Wien/New
York
„Zeit seines Lebens ist Yona Friedman ein Agent in der Suche nach
neuen Lösungen des menschlichen Zusammenlebens im urbanen Raum.
Unermüdlich ersinnt er neue Utopien, die es einer Gesellschaft mit
mehr Freizeit und weniger Raum ermöglichen, zur Verbesserung ihrer
Lebensumstände beizutragen – dies manifestiert sich erstmals in
seiner ,Architecture Mobile’ von 1958.
Mit seinen Ideen setzt Friedman in unglaublicher Weise in
Architektur, zeitgenössischer Kunst, Soziologie, Ökologie und Neuen
Medien fort, womit sich Friedrich Kiesler zeit seines Lebens
befasste. Der 11. Kiesler-Preisträger erweist sich in seinem Denken
als Weltbürger, als Fortführer und Fortentwickler des immanent
brisanten Themas der Menschheit einer friedlichen Koexistenz in einer
überbevölkerten Welt, wobei Yona Friedman auch großen Respekt vor der
Geschichte der bestehenden urbanen Struktur hat.“
– Peter Bogner, Direktor der Friedrich Kiesler Stiftung
Bilder von Preisträger und Jury sind über das Fotoservice des
Bundespressedienstes, http://fotoservice.bundeskanzleramt.at
kostenfrei abrufbar.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NBU






