- 11.02.2018, 21:00:16
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TIROLER TAGESZEITUNG: Leitartikel vom 12. Februar 2018 von Christian Jentsch - Bluttriefende Vampire in Syriens Hölle
Innsbruck (OTS) - Die syrische Tragödie ist auch sieben Jahre nach
dem Beginn des Konflikts trotz Hunderttausender Toter noch lange
nicht zu Ende. Ganz im Gegenteil. Nun droht eine weitere gefährliche
Konfrontation und Eskalation – überall im Land.
Im März vor rund sieben Jahren gingen im Zuge des längst verblühten
Arabischen Frühlings Menschen im Süden Syriens auf die Straße, um
gegen die autoritäre Herrschaft des Regimes von Präsident Bashar
al-Assad zu demonstrieren. Der begrenzte Konflikt wurde ganz gezielt
ethnisch und religiös aufgeladen, eskalierte zum Bürgerkrieg und
entwickelte sich rasch zum blutigen Stellvertreterkrieg der
verschiedensten Regional- und Supermächte, die Syrien zu ihrem
Schlachtfeld auserkoren haben. Sieben Jahre, Hunderttausende Tote und
Millionen Vertriebene später haben es sich die Vampire in der Hölle
Syriens gut eingerichtet. Die Städte, Dörfer und das Land sind
verwüstet, Extremisten wurden geboren und von der Kette gelassen, die
Zukunft begraben. Und hinter all dem steckt eiskalte Strategie der im
syrischen Krieg involvierten Kräfte. Sie alle gehen über Leichen und
strafen die Sonntagsreden über Werte und Frieden Lügen. Nach sieben
Jahren hemmungslosen Tötens ist Syrien von einer Friedenslösung
weiter entfernt denn je.
Die jüngsten Entwicklungen in Syrien machen eines jedenfalls klar:
Der Krieg ist noch lange nicht vorbei, die Schmerzgrenze noch immer
nicht erreicht und eine Eskalation über die Landesgrenzen hinaus zum
Greifen nahe. Seit dem Wochenende ist nun auch Israel ganz offen in
den Krieg in Syrien involviert. Zwar gab es schon zuvor israelische
Luftschläge gegen Stellungen der libanesischen und vom Iran
unterstützten Hisbollah-Miliz in Syrien, die dort als einer der
wichtigsten Unterstützer des Regimes von Präsident Assad gilt und
etwa bei der blutigen Rückeroberung Aleppos eine zentrale Rolle
gespielt hat. Doch nun droht ein offener Konflikt. Nach dem
Eindringen einer angeblich iranischen Drohne in den israelischen
Luftraum und dem Abschuss eines israelischen Kampfjets durch die
syrische Luftabwehr flog Israel massive Vergeltungsschläge und warnte
sowohl Damaskus als auch Teheran vor einer gefährlichen
Konfrontation. Ein direkter Krieg zwischen Israel und dem Iran könnte
den gesamten Nahen Osten zum Explodieren bringen. Und sonst? Im
Norden Syriens führt das NATO-Land Türkei seinen Krieg gegen die
Kurden, die zwar im Kampf gegen den IS vom Westen gebraucht wurden,
nun aber wertlos geworden sind. Auch die Russen drücken ein Auge zu
und bombardieren dafür lieber zusammen mit Assads Armee die
verbliebenen Rebebellengebiete. Auf der anderen Seite rüsten die
arabischen Gegenspieler Assads die Extremisten weiter hoch. An der
syrischen Tragödie wird fleißig weitergeschrieben.
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