• 24.01.2018, 21:00:01
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TIROLER TAGESZEITUNG: Leitartikel vom 25. Jänner 2018 von Peter Nindler - Wer tritt aus Platters Schatten?

Innsbruck (OTS) - Der ÖVP-Chef und Landeshauptmann ist unbestritten,
mit Ex-Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter hat sich gerade ein
möglicher Kronprinz endgültig verabschiedet. Noch drängt sich ein
richtiger Thronfolger nicht auf.

Wie schnell es doch gehen kann: Noch vor zwei, drei Jahren wurde
Andrä Rupprechter (VP) als möglicher Nachfolger von Landeshauptmann
Günther Platter (VP) gehandelt. Kernig, originell und beim Forum
Alpbach in Lederhosen auftretend, hypten ihn Wiener ÖVP-Kreise sowie
Bauern- und Wirtschaftsbund in Tirol bereits auf den Chefsessel im
Innsbrucker Landhaus. Doch Neo-Bundeskanzler Sebastian Kurz (VP) hat
Rupprechters politische Karriere jäh gestoppt, jetzt kehrt er auf
seinen früheren Beamtenposten im Generalsekretariat des Europäischen
Rats zurück. Und verliert damit endgültig seinen Status als möglicher
Kronprinz Platters. Die Frage ist zwar vier Wochen vor der
Landtagswahl ohnehin nicht aktuell, doch sie gehört zum politischen
Alltagsgeschäft.
Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SP) gilt hier als abschreckendes
Beispiel, in Oberösterreich hat die Übergabe im Vorjahr reibungslos
und in Niederöster-reich auf dem letzten Abdrücker funktioniert. In
der Tiroler Volkspartei wird seit Jahren alles nach Maß auf Günther
Platter zugeschnitten – auch jetzt im Wahlkampf. Mit Bauernbundchef
und Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler gibt es eine klare
Nummer zwei in der ÖVP, doch ein Thronfolger für den 63-jährigen
Landeshauptmann drängt sich noch nicht auf. Wenngleich Geisler, wie
seinerzeit im Bauernbund, diesen Anspruch wohl erheben könnte, wenn
er letztlich wollte.
Obwohl unbestritten und vielleicht sogar mit der Perspektive eines
nochmaligen Antretens bei der übernächsten Landtagswahl 2023 im
Hinterkopf, weiß Günther Platter allerdings, dass es in der
Volkspartei nach dem Urnengang am 25. Februar einen
Generationenwechsel auf mehreren Ebenen benötigt. Neben Geisler hätte
derzeit nur Klubchef Jakob Wolf das Format für einen
Spitzenkandidaten und Landeshauptmann. Dahinter dünnt die
Personaldecke aus. Weder Abgeordnete noch Bürgermeister haben sich
hervorgetan, sieht man von Gemeindeverbands-Präsident Ernst Schöpf
ab. Der nie wollte und in der ÖVP keinesfalls mehrheitsfähig wäre,
jedoch mit Sicherheit das Zeug zur Nummer eins hätte.
Hoppala! Das trifft – spekulativ – natürlich auf eine zutiefst
bürgerliche, wenn auch ÖVP-Abtrünnige ebenfalls zu: Innsbrucks
Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer.
Jedenfalls darf man gespannt sein, welche neuen Gesichter sich
Platter vorerst in die Landesregierung holt. Jakob Wolf rückt Samstag
bereits zu seinem Stellvertreter auf. Das könnte bereits mehr als
ein deutliches Signal an die ÖVP-Funktionäre im Land sein.

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