- 23.01.2018, 21:00:01
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TIROLER TAGESZEITUNG: Leitartikel vom 24. Jänner 2018 von Max Strozzi - Landung unter schweren Turbulenzen
Innsbruck (OTS) - Die Insolvenz der Air Berlin und das Verkaufschaos
rund um flyniki haben große Lücken in Abwicklung und
Konsumentenschutz offenbart. Wer daraus Lehren ziehen will, der
findet unschwer die richtigen Schalthebel.
Niki Lauda kauft seine Fluglinie wieder zurück und bringt die
insolvente Airline Niki unter dem neuen Namen LaudaMotion wieder
zurück auf die Startbahn. Mehrere Monate hat der Verkaufsprozess im
Rahmen des Insolvenzverfahrens gedauert, ein rechtliches Tauziehen
zwischen Deutschland und Österreich verursacht, zwei Gerichte in
Berlin und Korneuburg, zwei Insolvenzverwalter in zwei verschiedenen
EU-Staaten in Anspruch genommen, zwei Bieterverfahren ausgelöst und
zwei Käufer hervorgebracht: erst die British-Airways-Mutter IAG mit
ihrer Billigtochter Vueling, dann Niki Lauda mit dem
Reiseveranstalter Thomas Cook. In diesem chaotischen Verkaufsprozess
hingen Mitarbeiter, Käufer, Gläubiger, Passagiere, Reiseunternehmen
und Flughäfen monatelang in der Warteschleife, ohne zu wissen, wo die
Airline landen wird, ob sie wieder abhebt, ob der Job futsch ist. Und
dass die im ersten Anflug erfolgreiche, im zweiten aber unterlegene
IAG/Vueling gegen den nunmehrigen Verkauf an Lauda vorgehen und damit
eine weitere Runde einläuten könnte, ist auch nicht gänzlich
ausgeschlossen.
Die Pleite der deutschen Fluglinie Air Berlin samt ihrer
österreichischen Tochter Niki hat jedenfalls die groben Pannen
aufgezeigt, mit denen die Branche immer noch fliegt. Zum einen die
Frage der Zuständigkeit. Es kann doch nicht sein, dass trotz einer
EU-Bestimmung immer noch nicht eindeutig klar ist, welches Gericht in
welchem Staat für eine Insolvenz zuständig ist. Alleine dieses
juristische Gezerre hat die Causa Niki völlig unnötig in die Länge
gezogen.
Im Sog der Pleite wird aber auch der Ruf nach einer
Insolvenzabsicherung für Airlines immer lauter, wie sie etwa bei
Reiseveranstaltern vor vielen Jahren eingeführt wurde. Während selbst
Hoteliers mit ihren Kombi-Angeboten inzwischen zu Reiseveranstaltern
hochgestuft worden sind und damit ebenfalls solchen
Versicherungspflichten unterliegen, hat die milliardenschwere
Flugbranche bislang erfolgreich eine verpflichtende
Insolvenzabsicherung wie eine nahende Gewitterfront umflogen. Dabei
können im Fall einer Flugpleite auf einen Schlag rasch mehrere
hunderttausend Passagiere betroffen sein, die quer über den Globus
verstreut auf den Flughäfen stranden und vor dem Check-in-Schalter
auf ihren Koffern sitzen.
Wer also Lehren aus den Bruchlandungen von Air Berlin und Niki ziehen
will, findet rasch die richtigen Schalthebel.
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