• 19.01.2018, 15:17:05
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  • OTS0168

Offener Brief des Bundesschulsprechers Zierfuß an Wiener Stadtschulratspräsident Himmer

Zierfuß: Ideologisches Wunschdenken nicht auf Kosten der Kinder ausleben!

Utl.: Zierfuß: Ideologisches Wunschdenken nicht auf Kosten der
Kinder ausleben! =

Wien (OTS) - Sehr geehrter Herr Stadtschulratspräsident,

nach dem heutigen Artikel in der Wiener Zeitung ist wohl endgültig
klar, dass Sie alles in Ihrer Macht stehende tun werden, um ihre
ideologische Parteipolitik auf die Schulen Wiens zu zwängen, ohne
jegliche Rücksicht auf unsere Zukunft. Wir wissen aus dem
internationalen Vergleich und den Erkenntnissen aus der NMS ganz
genau, welche Folgen Ihr übermütiges Handeln hier haben wird:

Ansturm auf Privatschulen
Sehen wir uns Großbritannien als Beispiel an, wo mit großer Euphorie
ein "gerechteres Schulwesen" geschaffen wurde, jedoch jetzt nur noch
entscheidet, wer genug Geld für eine Privatschule - also für den
Zugang zu guter Bildung - hat und wer nicht. Auch in den
skandinavischen Ländern, wo weniger Kinder von Geringverdienern die
Möglichkeit bekommen zu studieren, als es bei uns in Österreich dank
unserem differenzierten Schulsystem der Fall ist, hat dieses
vermeintlich “gerechte System” nicht funktioniert.

Gesamtschule mag für Sie ideologisch gut klingen. Wenn sie aber
erwiesenermaßen nicht funktioniert, dann haben auch Sie das zu
respektieren!

Die Neue Mittelschule war Inbegriff unverantwortlichen Handelns: Wir
haben zwei Modelle - Gesamtschule und differenziertes Schulsystem -
und finden nach ewigem Ringen einen für alle beteiligten schlechten
Kompromiss und verkaufen das Ganze als “neu” und “zukunftsvisionär”.
Besonders in Wien mussten die Schüler als Versuchskaninchen neuer
ideologischer Spielchen mit KMS/WMS/... herhalten, ohne gefragt zu
werden. Bei der Neuen Oberstufe ist man immerhin schon zur Einsicht
gekommen und hat den Start - wieder (!) - verschoben, weil die NOst
einfach noch nicht ausgereift ist. Schade, dass Sie lieber mit der
ideologischen Brille stur gegen die Wand fahren, um ein noch
kostenintensiveres Schulsystem mit aller Gewalt durch zu bringen,
anstatt endlich einzusehen, wo die Probleme in den Schulen wirklich
liegen! Manchmal wär es zum Erkennen von Problemen besser, statt der
ideologischen Brille einfach eine Lesebrille zu verwenden.

Um Ihnen die Folgen einer solch verheerenden Entscheidung zu
verdeutlichen, ist hier zusammengefasst, was die Neue Mittelschule -
als Gesamtschule light - verursacht:
- höhere Kosten: 1000 € mehr pro Kind pro Jahr
- schlechte Aufstiegschancen in der 9. Schulstufe: Abstand zur AHS
verdoppelt
- größere Scheren nach Geschlecht und Erstsprache
- mehr Aggressionspotenzial bei Kindern mit schlechteren Noten
- uvm.
http://bit.ly/2DgDBXH

Das alles geht aus einem Bericht - vom damals rot gefärbten BMB
bezahlt - hervor, was Ihnen nun endgültig zeigen sollte, dass ich
hier auf Faktenbasis zum Wohle der Schülerinnen und Schüler,
Lehrerschaft und allen Beteiligten argumentiere, um Sie in Ihrer
Illusion wachzurütteln.

Anstatt weiter unsere Schulen zu zerstören und den Kindern die
Zukunft zu nehmen, investieren Sie lieber die Zeit und das Geld in
mehr Pädagogen, mehr Supportpersonal und kluges Handeln in der Frage
der Integration, wo wir gerade hier in der Bundeshauptstadt enorme
Probleme haben. Dann können wir die Schülerinnen und Schüler
individueller fördern und mehr auf jeden Einzelnen eingehen!
Her mit sinnvollen Investitionen für die Zukunft von uns Schülerinnen
und Schülern!

Mit erwartungsvollen Grüßen
Harald Zierfuß
Bundesschulsprecher

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | OSU

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