• 07.12.2017, 15:27:27
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Schiele, Klimt- und Moser Jubiläen, Fotografie-Ausstellungen und eine neu zu entdeckende Privatsammlung im Leopold Museum

EGON SCHIELE, Sitzender Männerakt
(Selbstdarstellung), 1910 © Leopold Museum, Wien

Wien (OTS) - 2018 ist das Jahr des Leopold Museum: Wien feiert die
Wiener Moderne und deren Protagonisten Klimt, Schiele, Moser – das
Leopold Museum spannt den Bogen vom Beginn mit Anton Romako, der
Schiele-Jubiläumsschau, über Klimt, Moser, Gerstl, Kokoschka und den
FotografInnen Moriz Nähr und Madame d’Ora bis hin zu Brus und Palme;
und schließlich vereint die Ausstellung WOW! The Heidi Horten
Collection 100 Jahre Kunstgeschichte von Klimt bis Hirst.

Nach dem Rückblick auf ein überaus erfolgreiches Jahr mit glänzenden
Besucherzahlen im Leopold Museum, den Direktor Hans-Peter Wipplinger
und Direktorin Gabriele Langer bei der heutigen Jahrespressekonferenz
präsentieren konnten, verkündete Wipplinger die Programm-Hightlights
2018:
1918, vor 100 Jahren, starben die Protagonisten der Wiener Moderne:
Gustav Klimt, Egon Schiele und Koloman Moser. Sie prägten das Wien um
1900. Sie und ihr Umfeld sind nicht nur Sammlungsschwerpunkte des
Leopold Museum, sondern sie bestimmen 2018 auch das Jahresprogramm.
„Wir können nächstes Jahr die wichtigsten Ausstellungen zum
Themenjahr der Wiener Moderne anbieten“, so der Direktor stolz.

Den Start bildet im Jänner die Ausstellung „WIEN UM 1900. KLIMT –
MOSER – GERSTL – KOKOSCHKA“ (18.01.-10.06.2018), die durch deren
Hauptvertreter den Bogen spannen vom Wiener Jugendstils zum
Österreichischen Expressionismus. Neben den bedeutenden Hauptwerken
Gustav Klimts wie Tod und Leben (1911/15) oder die 1900 entstandene
Seelandschaft Am Attersee und Kolo Mosers Gemälden, werden auch
herausragende Beispiele des Designs um 1900 wie Möbel, Kunsthandwerk,
Plakate und Entwürfe aus der Hand des „Tausendkünstlers“ und
Mitbegründers der Wiener Werkstätte präsentiert. Die radikalen Werke
des Protoexpressionisten Richard Gerstl sind erstmals nach der
Tournee in Frankfurt und New York wieder im Leopold Museum zu sehen.
Oskar Kokoschka, Enfant terrible der Wiener Kunstszene des frühen 20.
Jahrhunderts, mit seinem richtungsweisenden Selbstbildnis, eine Hand
ans Gesicht gelegt von 1918/19, das auch Symbol für den Aufbruch der
österreichischen Kunst in eine neue Zeit steht, ergänzt mit dem
einzigen permanenten Kokoschka-Saal in Österreich das Viergestirn der
Heroen.

Die Schau „WOW! The Heidi Horten Collection“ (16.02.-29.07.2018) am
Beginn des Jahres 2018 sieht Direktor Wipplinger als die Fortsetzung
eines Epochen überschreitenden Weges in der Programmierung. „Nicht
nur, dass es uns durch die Initiative von Agnes Husslein-Arco
gelungen ist, die erstmalige Präsentation einer der beeindruckendsten
europäischen Privatsammlungen in unserem Haus zeigen zu können,
ergeben sich in dieser Schau mit 170 musealen Werken aus 100 Jahren
Kunstgeschichte auch schöne Querblicke zur Sammlung von Rudolf
Leopold. Die Ausstellung folgt dem lang gehegten Wunsch der
Sammlerin, die seit den 1990er-Jahren sorgfältig zusammengetragenen
Meisterwerke von Gustav Klimt, Edvard Munch, Pablo Picasso über Andy
Warhol oder Francis Bacon bis hin zu Damien Hirst, Silvie Fleury oder
Mauricio Cattelan einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Agnes
Husslein-Arco erwähnt, dass es der Sammlerin besonders wichtig ist,
Kinder und Jugendliche an die Kunst heranzuführen und sponsert
deswegen großzügig das Kunstvermittlungsprogramm wie den freien
Eintritt jeden Donnerstagabend von 18.00 bis 21.00 Uhr.

Des Weiteren präsentiert Direktor Wipplinger mit großer Freude die
Jubiläumsschau zum 100. Todestag des Künstlers EGON SCHIELE (03.03.-
04.11.2018), die er gemeinsam mit Diethard Leopold kuratiert. Das
Leopold Museum beherbergt die größte und bedeutendste Sammlung an
Werken Egon Schieles, dem zum Jubiläum eine besondere Ausstellung
gewidmet ist: Einzigartig durch die Kombination von Gemälden und
Papierarbeiten – aus konservatorischen Gründen in drei Durchläufen
gezeigt – entlang der wichtigsten Themen des Menschen wie des
Künstlers Schiele „verspricht dies die ultimative Jubiläumsschau zu
Schiele zu werden“, so Wipplinger.

„SCHIELE – BRUS – PALME“, drei Enfant terribles ihrer jeweiligen
Generation, erweitern in dieser Ausstellung (03.03.-11.06.2018) mit
ihren Arbeiten den herkömmlichen Kunstbegriff. Egon Schieles
schonungslose Beschäftigung mit dem Individuum, mit dem Selbst, war
der notwendige verstörende Auftakt für das von zwei Weltkriegen
erschütterte 20. Jahrhundert. In den 1960er-Jahren nimmt Günter Brus
den Körper als Kapital für die Kunst wieder auf und eine Generation
später ist es Thomas Palme, der das Erbe von Schiele und Brus in
seinen Grafiken weiterführt. In der Ausstellung entsteht ein fiktiver
– zwischen Brus und Palme auch direkter – Dialog, der zeitliche,
räumliche und gesellschaftliche Grenzen hinter sich lässt. Kuratiert
wird die Schau vom Leiter des Grazer Bruseums Roman Grabner.

Der Bogen zum Beginn der Moderne wird mit „ANTON ROMAKO“ gespannt
(22.03.-18.06.2018). Die von Marianne Hussl-Hörmann kuratierte
Retrospektive präsentiert herausragende Werke aus dem Œuvre dieses
ungewöhnlichen Malers. Da Rudolf Leopold die Bedeutung von Anton
Romako als einer der großen Wegbereiter der Moderne sehr früh
erkannte, verfügt das Leopold Museum wie die Privatsammlung Leopold
heute über einer der größten Sammlungen des Malers.

Der ebenso im Jahr 1918 verstorbene „GUSTAV KLIMT“
(22.06.-04.11.2018) wird mit einer eigenen Ausstellung zum 100.
Todestag gewürdigt, die Klimts künstlerische Wandlung vom späten
Historismus hin zum bedeutendsten Vertreter des Wiener Jugendstils
nachvollziehbar macht. Die Präsentation zeigt neben den Beständen des
Leopold Museum und der Privatsammlung der Familie Leopold,
Sammlungsexponate der Klimt-Foundation, Werke einer neuen, dem Museum
überantworteten Dauerleihgabe eines Klimt-Nachfahren sowie
ausgewählte internationale Leihgaben. Besonders hebt Direktor
Wipplinger hier die von Sandra Tretter (Klimt-Foundation) kuratierte
Präsentation über das symbolistische Gemälde Die Braut hervor. Diese
Figurengruppe wird erstmals in Zusammenhang mit Zeichnungen und
Skizzen der dargestellten ProtagonistInnen gezeigt, die ebenso
vornehmlich aus der Sammlung der Klimt-Foundation stammen.

Umfassende Retrospektiven widmen sich im Jahr 2018 „ZORAN MUŠIČ“ mit
„Poesie der Stille“ (13.04.-06.08.2018), „MORIZ NÄHR“ unter dem Titel
„Fotografie und Wiener Moderne“ (24.08.-29.10.2018) und der
Fotografin Dora Kallmus mit „Machen Sie mich schön, Madame d’Ora!“
(13.07.-29.10.2018). „In Form der Ausstellung über Zoran Mušič
(1909–2005) leisten wir einen Beitrag zum Gedenkjahr 1938, also dem
sogenannten „Anschluss“ inklusive des Schreckens der
Reichskristallnacht“, erklärt Direktor Wipplinger. Co-Kurator Ivan
Ristić erwähnt, dass Mušič bereits zu den arrivierten slowenischen
Malern zählte, als er Ende 1944 für mehrere Monate ins
Konzentrationslager Dachau verschleppt wurde. Zeichnungen, die dort
entstanden, wurden zu erschütternden Zeitdokumenten. In der
Nachkriegszeit zog der Maler nach Venedig, das unauslöschliche Trauma
der KZ-Erfahrung ließ den Maler nie los und findet sich ab 1970 im
Bilderzyklus Wir sind nicht die Letzten.

„MORIZ NÄHR“ (1859-1945) wiederum gilt als einer der wichtigsten
Erneuerer in der Fotografie im „Wien um 1900“. „Von dem Fotografen
ist ein vielschichtiges Œuvre erhalten, das Landschafts-,
Architektur-, Porträtfotografie umfasst, und sich zudem der
Street-Photography (Naschmarktszenen, 1918) und
Ausstellungsdokumentation (Wiener Secession) zuordnen lässt“,
erläutert der Kurator Uwe Schögl.

Die Retrospektive „Machen Sie mich schön, Madame d’Ora!“ wiederum
umfasst beide Themenschwerpunkte des Jahres 2018, einerseits die
Wiener Moderne - der erste Künstler, den sie fotografierte, war 1908
Gustav Klimt – andererseits als entrechtete Jüdin verlor d’Ora 1940
ihr Atelier in Paris und musste sie sich jahrelang vor der Verfolgung
durch deutsche Besatzungssoldaten in Frankreich versteckt halten.
Gerade noch davongekommen, richtete die Gesellschaftsporträtistin
nach 1945 ihren zugleich scharfen und einfühlsamen Blick auch auf
namenlose Heimkehrer aus Konzentrationslagern und auf das
Schlachtvieh der Pariser abattoirs. Für Monika Faber, Konzeptionistin
und Kuratorin der Ausstellung, „gehört die Fotografin zu den
wichtigsten Chronistinnen ihrer Zeit. Ihr Werk spannt einen
einzigartigen Bogen von der Repräsentation des letzten
österreichischen Monarchen über den Glamour der Pariser Modewelt der
1920er- und 1930er-Jahre bis hin zu einem gänzlich veränderten Europa
nach dem Zweiten Weltkrieg.“

Im Rückblick hebt Gabriele Langer, kaufmännische Direktorin des
Leopold Museum die Ausstellung „CARL SPITZWEG – ERWIN WURM. Köstlich!
Köstlich?“ (25.03.-19.06.2017) hervor: „Mit mehr als 100.000
BesucherInnen konnte die Schau an besucherstärkste Ausstellungen wie
„Klimt persönlich“ anschließen. Der sehr erfolgreiche Besuchertrend
der letzten Jahre konnte so mit einem Besucherwachstum von 8 % im
Zeitraum Jänner bis November 2017 fortgesetzt werden. Für das
Geschäftsjahr 2017 wird das Leopold Museum eine Besucher/nnenanzahl
von rd. 380.000 Personen verzeichnen. Das vielschichtige
Sonderausstellungsprogramm und die Dauerausstellungen führten sowohl
bei den Touristen, als auch bei den inländischen Gästen zu einem
Besucheranstieg. Für Direktor Wipplinger „bestätigt der sehr
erfreuliche Anstieg des Anteils der inländischen Besucher von 13 %
auf 21 % der Gesamtbesucher die neue Programmausrichtung mit einer
Öffnung hin zur Gegenwartskunst“.

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

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