Leserbrief diskriminiert Flüchtlinge

Wien (OTS) - Der Leserbrief „Migration aus Afrika“, erschienen am 03.08.2017 in der „Kronen Zeitung“, verstößt nach Meinung des Senats 2 des Presserats gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse.

In dem Leserbrief vertritt die Verfasserin die Ansicht, dass einem anhand der „Bilder von Booten mit Tausenden dunkelhäutigen jungen Männern aus Afrika […] zu Recht angst und bang“ werde. Es sei „alles andere als populistischer ‚Vollholler‘, dieser Praxis endlich ein Ende zu bereiten.“ Keiner wage auszusprechen, dass es „keinesfalls auf friedlichem Wege“ gehen werde, da „Menschen, die ihrer Lebenssituation entfliehen wollen, […] nicht durch hilflos mit den Händen wedelnde Uniformierte aufzuhalten“ seien, was „uns ja schon einmal deutlich vor Augen geführt“ worden sei. „In Wahrheit“ bedeute ihrer Ansicht nach „das Zurückdrängen von Invasoren – und was wären diese fremden Eindringlinge denn sonst – Krieg“, der „nie ohne Opfer vonstatten“ gehe. Noch könnten „wir wählen, ob wir, unsere Kinder und Kindeskinder diese Opfer sein werden oder die vorstoßende schwarze Armada“. Die Hände in den Schoß zu legen wäre „unverzeihlich töricht, ja gerade suizidal“, weil dann „Europa zum verarmten Schwarzen Kontinent mutieren“ würde und Afrika „dann der leere Kontinent“ wäre.

Die Leserinnen kritisieren, dass es sich bei diesem Leserbrief um eine Art Aufruf zum Krieg gegen Flüchtlinge/Schwarze handle.

Der Senat sieht in der Veröffentlichung des Leserbriefs eine pauschale Verunglimpfung von Flüchtlingen und Schwarzen (Punkt 7 des Ehrenkodex für die österreichische Presse). Diese werden u.a. als „Invasoren“, „Eindringlinge“ und „schwarze Armada“ bezeichnet. Auch die martialische Sprache des Leserbriefs empfindet der Senat als äußerst bedenklich. Insbesondere jene Passage, wonach das Zurückdrängen der Flüchtlinge Krieg bedeute, und entweder „wir und unsere Kindeskinder“ oder die „schwarze Armada“ die Opfer sein würden, stuft der Senat aus medienethischer Sicht als höchst problematisch ein. Auch wenn bei Kommentaren und Leserbriefen die Meinungsfreiheit sehr weit reicht, wurden hier die Grenzen zur Diskriminierung deutlich überschritten, so der Senat. Aufgrund der diskriminierenden Inhalte hätte die Redaktion der „Kronen Zeitung“ davon Abstand nehmen sollen, den Leserbrief zu veröffentlichen. Der Senat fordert die Medieninhaberin auf, die Entscheidung freiwillig in der „Kronen Zeitung“ zu veröffentlichen. 

Selbständiges Verfahren aufgrund von Mitteilungen mehrerer Leserinnen

Der Presserat ist ein Verein, der sich für verantwortungsvollen Journalismus einsetzt und dem die wichtigsten Journalisten- und Verlegerverbände Österreichs angehören. Die Mitglieder der Senate des Presserats sind weisungsfrei und unabhängig. Im vorliegenden Fall führte der Senat 2 des Presserats aufgrund von Mitteilungen mehrerer Leserinnen ein selbstständiges Verfahren durch. In diesem Verfahren äußert der Senat seine Meinung, ob eine Veröffentlichung den Grundsätzen der Medienethik entspricht. Die Medieninhaberin der Kronen Zeitung“ hat von der Möglichkeit, an dem Verfahren teilzunehmen, keinen Gebrauch gemacht. Die Medieninhaberin der „Kronen Zeitung“ hat die Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats bisher nicht anerkannt.

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