• 28.11.2017, 17:11:14
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Hammerschmid: „Bildungspläne von ÖVP und FPÖ machen Österreich zu internationalem Schlusslicht"

Bildungsministerin ist nach Präsentation der geplanten Maßnahmen von Ahnungslosigkeit der Verhandlungspartner schockiert

Utl.: Bildungsministerin ist nach Präsentation der geplanten
Maßnahmen von Ahnungslosigkeit der Verhandlungspartner
schockiert =

Wien (OTS) - „Dass ÖVP und FPÖ bei der Bildung den Rückwärtsgang
einlegen werden, hat sich in den vergangenen Wochen bereits
abgezeichnet. Es macht mich allerdings fassungslos, wie wenig die
Verhandlungspartner offensichtlich von den Bedürfnissen unserer
Lehrer und Schüler wissen und wie inhaltsleer das präsentierte Paket
ist”, so Bildungsministerin Sonja Hammerschmid angesichts der von
Sebastian Kurz (ÖVP) und Heinz-Christian Strache (FPÖ) präsentierten
Ergebnisse der Regierungsverhandlungen zum Thema Bildung.

Geradezu entlarvend sei, dass die Verhandlungspartner offensichtlich
die Wiedereinführung von verpflichtenden Ziffernnoten in der
Volksschule tatsächlich für das dringlichste Problem halten. Erst im
Schuljahr 2016/17 habe man Volksschulen ermöglicht, in Abstimmung mit
den Eltern selbst darüber zu entscheiden, ob sie Noten oder eine
Leistungsbeschreibung anwenden wollen. „Durch die fortlaufende
Dokumentation der alternativen Leistungsbeurteilung kann auf
Lernschwächen rasch und präzise reagiert und Begabungen
frühestmöglich gefördert werden”, erklärt Hammerschmid. “Erfolgreiche
Bildungssysteme weltweit arbeiten längst an der Weiterentwicklung
solcher kompetenzorientierter Beurteilungen. In Österreich arbeiten
die Verhandlungspartner von ÖVP und FPÖ lieber daran, jede
Innovationskraft im heimischen Bildungssystem im Keim zu ersticken”,
so die Bildungsministerin.

Hammerschmid begrüßt grundsätzlich, dass der Kindergarten stärker als
Bildungseinrichtung begriffen werden soll, fragt sich allerdings, was
genau die ÖVP in den letzten Jahren daran gehindert hat, dies
umzusetzen. “Ich habe seit meinem Amtsantritt immer wieder gefordert,
stärkeres Augenmerk auf den Kindergarten zu legen. Leider bin ich bei
der ÖVP immer auf taube Ohren gestoßen. Der plötzliche Sinneswandel
überrascht mich”, so die Bildungsministerin. Die Einführung eines
zweiten verpflichtenden Kindergartenjahres sei bereits im
rot-schwarzen Regierungsprogramm enthalten gewesen, das ÖVP-geführte
Familienministerium habe allerdings auch hier durchgehend blockiert.
“Der nun vorgelegte Vorschlag bedeutet einen Rückschritt, denn er
umfasst nur einen Teil der Kinder. Wer entscheidet, welches Kind 'es
nötig hat' - so die Diktion von Kurz und Strache - und welches nicht?
Vom verpflichtenden zweiten Kindergartenjahr müssen alle profitieren.
Kein Kind darf zurückgelassen werden”, meint Hammerschmid.

Eine weitere geplante Maßnahme von ÖVP und FPÖ, die sogenannte
Bildungspflicht, bedeutet de facto eine flexible Verlängerung der
derzeit gültigen Schulpflicht. Das Konzept, wonach Jugendliche nach
Vollendung der achten Schulstufe so lange weiter die Schule besuchen,
bis sie die Bildungsstandards erfüllen, ist in den Augen der
Bildungsministerin weder pädagogisch noch hinsichtlich der
Finanzierung durchdacht. „Erst im Juli diesen Jahres ist die
AusBildungspflicht bis 18 Jahre in Kraft getreten. Diese Maßnahme
garantiert, dass Jugendliche bis zur Volljährigkeit in die Lage
versetzt werden, erfolgreich in den Arbeitsmarkt einzusteigen. Wir
müssen diese Maßnahme jetzt wirken lassen, alles andere ist absolut
kontraproduktiv”, ist Hammerschmid überzeugt.

Zu den Plänen von ÖVP und FPÖ, Volksschulkinder ohne ausreichende
Deutschkenntnisse in gesonderten Klassen zu unterrichten, sagt Sonja
Hammerschmid: "Für Kinder, die im Schulalter noch Schwierigkeiten mit
der Sprache haben, haben wir ein pädagogisch sinnvolles System: Die
Kinder werden bis zu elf Wochenstunden aus der Klasse genommen, um
Deutsch zu lernen. Fächer wie Turnen, Zeichnen oder Musik haben sie
aber wieder gemeinsam mit den deutschsprachigen Klassenkameraden,
damit sie die Sprache auch anwenden.” Die Idee reiner
Ausländerklassen hält Hammerschmid für gefährlichen Populismus: “Wir
können doch von Kindern nicht auf der einen Seite erwarten, dass sie
sich integrieren und die Sprache lernen, und sie dann auf der anderen
Seite ausgrenzen und wegsperren.”

Irritierend findet die Bildungsministerin, wie undurchdacht die
vorgestellten Maßnahmen sind: “Herr Kurz und Herr Strache haben den
Wahlkampfmodus offenbar noch nicht ausgeschalten. Außer Schlagwörtern
und Plattitüden scheint in den Arbeitsgruppen noch nichts entstanden
zu sein. Fakten und Sachkenntnis scheinen dabei keine Rolle gespielt
zu haben”, so Hammerschmid. “Erfreulich finde ich, dass man bei der
Bildung jetzt doch nicht sparen will. Wie die Lücke von 600 Mio. Euro
im Bildungsbudget für das Jahr 2018 geschlossen werden soll, konnten
uns die Verhandler aber leider auch nicht erklären”, so Hammerschmid.

Abschließend sei es Hammerschmid wichtig, Herrn Kurz und Herrn
Strache zu beruhigen: “Ich kann Ihnen versichern, dass unsere
Lehrpläne laufend von Praktikern und Experten modernisiert und
aktualisiert werden. Politische Bildung und unternehmerische
Schwerpunktsetzungen sind längst in der Schule angekommen und -
glauben Sie mir, meine Herren: Unsere Pädagoginnen und Pädagogen
wissen sehr genau, wie Kinder zu Leistung motiviert werden können.”

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